Laut Bibel werden Ungläubige und Sünder in die Hölle verbannt. Ist das gerecht?
Die Mutter aller Fragen lautet schlicht und einfach: Was passiert mit uns nach dem Tod? Atheisten antworten: Wenn der Körper den Geist aufgibt, ist endgültiges Lichterlöschen. Agnostiker sagen: Ich weiss es nicht, niemand weiss es, also lasse ich mich überraschen.
Gläubige aller Couleur sind hingegen überzeugt, dass eine Allmacht über den Tod hinaus für ein ewiges Leben sorgt. Religionen und Glaubensgemeinschaften verdanken ihre Existenz primär dieser metaphysischen Ungewissheit.
Das Leben nach dem Tod ist zentral für alle Religionen
Gäben sich die göttlichen Instanzen zu erkennen und würden die Fragen des Weiterlebens nach dem Tod plausibel erklären, wären Glaubensgemeinschaften ziemlich brotlos. Dann könnten wir Gott ohne die Unterstützung von Geistlichen verehren und anbeten.
Die Angst vor dem Tod und die Unsicherheit über das Leben danach sind die harte Währung der Religionen. Die Mehrheit der Menschen wollen und können sich nicht vorstellen, dass das Leben ein Mysterium und ein Selbstzweck ist, das mit dem Tod endet. Die Idee, dass wir lediglich einen Beitrag zur Arterhaltung leisten sollen, ist eine narzisstische Kränkung.
Wie schwer sich die christliche Lehre mit der Frage nach dem ewigen Leben tut, zeigt sich in der Bibel. Um ein Leben danach zu erklären, braucht es zwei Hilfskonstrukte: Die Seele und den Himmel.
Es ist eine Binsenwahrheit, dass unser Körper nach dem Tod verwest, bis nichts mehr übrig bleibt. Ein Weiterleben in der ursprünglichen Form ist nicht mehr möglich. Die Autoren der Bibel griffen auf die Idee einer Seele zurück.
Doch was ist diese Seele? Niemand weiss es. Sie ist ein undefinierbares etwas, das nach dem Tod angeblich den Körper verlässt. Die Seele existiert also schon zu Lebzeiten, lässt sich aber nicht nachweisen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Himmel. Was muss man sich darunter vorstellen? Wo befindet er sich? Wie ist Gott beschaffen, der uns angeblich nach seinem Ebenbild geschaffen hat und im Himmel thront? Hat er also eine menschliche Gestalt? Verwandelt sich unsere Seele im Himmel wieder in unseren ursprünglichen Körper?
Da sind so viele offene Fragen zu zentralen metaphysischen Aspekten, dass sich Geistliche nicht wundern dürfen, wenn aufgeklärte Menschen skeptisch reagieren. Offen ist vor allem die Frage, wer denn in den Himmel kommt.
Laut Bibel sind es nur die rechtgläubigen Christen, deren Sündenregister sich in engen Grenzen hält. Eine Vorstellung, die den Gerechtigkeitssinn von Ungläubigen arg strapaziert.
Ohne Jesus geht gar nichts
So heisst es in der Bibel unmissverständlich: «Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.» (Johannes 3,16) Und ohne seinen Sohn geht gar nichts: «Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.» (Johannes 14,6)
Für Ungläubige oder Mitglieder anderer Religionen kommt es knüppeldick: «Wer an den Sohn glaubt, der hat das ewige Leben. Wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt über ihm.» (Johannes 3,36)
Wer gerettet werden will, muss sogar ein Bekenntnis ablegen: «Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und glaubst in deinem Herzen, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.» (Römer 10,9)
Am einfachsten ist es, keine kritischen Fragen zu stellen und in Glaubensfragen ein kindliches Gemüt zu bewahren: «Wahrlich, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht empfängt wie ein Kindlein, der wird nicht hineinkommen.» (Markus 10,15)
Ist die Bibel das authentische Wort Gottes?
Doch was passiert mit den Ungläubigen und den Sündern? Auch hier spricht die Bibel im Neuen Testament eine klare Sprache. «Dann wird er auch denen zur Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel vorbereitet ist.» (Matthäus 25,41)
«Und sie werden sie in den Feuerofen geworfen, da wird Heulen und Zähneknirschen sein.» (Matthäus 13,50) «Wenn deine Hand dich zur Sünde verführt, hau sie ab. Es ist besser für dich, verstümmelt ins Leben zu kommen, als mit beiden Händen in die Hölle zu gehen, in das unauslöschliche Feuer.» (Markus 9,43)
Wie passt das zusammen mit der christlichen Nächstenliebe und Barmherzigkeit? Aufgeschlossene Geistliche und Theologen erklären, man müsse die Geschichten und Bilder metaphorisch interpretieren und in einen zeitlichen und historischen Zusammenhang stellen. Einverstanden.
Doch konservative Kräfte in der katholischen und evangelischen Kirche halten weiterhin am Wort fest. Und die meisten Freikirchen erkennen in der Bibel das authentische Wort Gottes.
Das freikirchlich geprägte Onlineportal Gotquestions.org schreibt: «Wir glauben der Bibel, bestehend aus dem Alten und Neuen Testament, das inspirierte, unfehlbare und autoritative Wort Gottes zu sein. Im Glauben halten wir dafür, dass die Bibel in ihren ursprünglichen Handschriften fehlerlos, von Gott eingegeben und die vollständige und letzte Autorität für Glaube und Praxis ist. (…)
Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm. (…) Wenn Gott sündigen Menschen Eintritt in den perfekten Himmel gewähren würde, wäre er nicht mehr perfekt.»
Im Gegensatz dazu wollen aufgeschlossene Geistliche die Himmelspforte auch für Un- und Andersgläubige öffnen, doch damit schaffen sie einen fundamentalen Widerspruch zur Bibel. Lösen liesse sich das Dilemma nur, wenn man Himmel und Hölle aus dem «heiligen Buch» verbannen würde. Doch dann würde der christliche Glaube wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen.
Mit seinem Blog bedient Hugo Stamm seit Jahren eine treue Leserschaft mit seinen kritischen Gedanken zu Religion und Seelenfängerei.
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