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FedEx employees sort packages in an area refered to as the matrix at the FedEx Hub in Memphis, Tennessee on Tuesday 20 December 2005. The 486 acre facility in Memphis employs 15,000 people daily. During the peek holiday season FedEx will move aproximately 1.65 million packages through the facility and about 6 million packages globaly.  (KEYSTONE/EPA/MIKE BROWN)

Private Anbieter wie FedEx würden vom neuen Posttarif profitieren. Bild: EPA

Dicke Post für Schweizer Amis: Wie der neue Posttarif die US-Wahlen beeinflussen könnte

Ausland-Amerikaner in Aufruhr: Ein neuer Posttarif könnte die US-Wahlen empfindlich beeinflussen.

Benjamin Weinmann, Genf / CH media



Bisher war gratis, wovon Elvis Presley sang: «Return to Sender». Zurück zum Absender. Auslandamerikaner, die ihren Wahlschein per Post erhielten, konnten diesen portofrei in ihr Heimatland zurückschicken. Schliesslich soll Demokratie nichts kosten. Doch das könnte sich für die rund 9 Millionen im Ausland lebenden Amerikaner schon bald ändern. Auch für jene in der Schweiz.

US-Präsident Donald Trump liefert sich seit längerem einen erbitterten Handelskrieg mit China. Unter anderem geht es ihm dabei um die Unmengen an Kleinpaketen von chinesischen Online- Warenhäusern wie Alibaba. Sie profitieren von günstigen Posttarifen, festgelegt vom Weltpostverein mit Sitz in Bern, einer Unterorganisation der UNO. Weil dieser China als Entwicklungsland einstuft, sind die Sendungen von Alibaba sogar günstiger als ein Paketversand innerhalb der USA. Es ist ein gewaltiger Wettbewerbsvorteil gegenüber inländischen Firmen.

Trump ging deshalb im Oktober in die Offensive und kündigte an, als erstes Land überhaupt aus dem 1874 gegründeten Weltpostverein mit seinen 192 Mitgliedsstaaten innerhalb eines Jahres auszutreten – was Folgen für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen haben könnte, wie sich nun zeigt.

FILE - In this June 29, 2019, file photo, U.S. President Donald Trump, left, shakes hands with Chinese President Xi Jinping during a meeting of the G-20 summit in Osaka, western Japan. Although President Donald Trump has ordered U.S. companies to stop dealing with China, small business owners say complying would hurt, even devastate, their companies. Businesses that have already lost revenue or profits to Trump’s tariffs on imports from China and that country’s retaliatory duties say they can’t easily find alternatives in other countries. (AP Photo/Susan Walsh, File)
Donald Trump,Xi Jinping

Donald Trump und Xi Jingping liefern sich einen erbitterten Handelskrieg. Bild: AP

60 Dollar, um gegen Trump zu stimmen?

«Wir sind sehr besorgt, dass viele Auslandamerikaner wegen des Austritts aus dem Weltpostverein nicht wählen gehen», sagt Liz Voss, Vorstandsmitglied der Organisation Democrats Abroad Switzerland, die rund 3200 Mitglieder zählt. Die Organisation ist offizieller Teil der Demokratischen Partei. Insgesamt leben hierzulande rund 20 000 Amerikaner.

Die Befürchtung der hiesigen US-Demokraten: Wenn die USA den Weltpostverein per Mitte Oktober verlassen, müssten sie mit jedem einzelnen Land neue, bilaterale Posttarife aushandeln, was lange dauern dürfte. Eine Gratis-Rücksendung des Wahlscheins wäre nicht mehr möglich. «Wir müssten wohl auf private Anbieter wie Fedex oder UPS ausweichen», sagt Voss. So könnte die persönliche Wahl – Trump oder nicht Trump – bis zu 60 Dollar kosten. Von schwereren Briefen oder Geburtstagspaketen gar nicht zu reden.»

In den letzten Tagen hat die Organisation ihre Mitglieder auf dieses Dilemma hingewiesen. Bürger, deren Staaten eine elektronische Wahl erlauben, sollen davon Gebrauch machen, sagt Voss. «Das Problem ist aber, dass viele unserer Mitglieder nicht in sozialen Medien tätig sind oder keine E-Mails lesen. Viele dürften sich erst kurz vor der Wahl des Problems bewusst werden und dann auf die teure Sendung verzichten. In ärmeren Ländern als der Schweiz sowieso.»

Voss weist auf die weit reichenden Konsequenzen hin: «Wenn es bei den Wahlen 2020 knapp wird, können die Stimmen der Auslandamerikaner entscheidend sein, wie frühere Wahlen mehrfach gezeigt haben.» Und da diese gewöhnlich mehrheitlich für die Demokraten wählen, könnte der republikanische Präsident Trump von der drohenden Situation profitieren. «Das ist für uns sehr beunruhigend.» Die Organisation der US-Republikaner in der Schweiz war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kommt es zur Lösung in letzter Minute in Genf?

Die Hoffnungen bei den Demokraten ruhen auf einer Lösung in letzter Minute. Denn der Weltpostverein hat am 25. und 26. September in Genf eine ausserordentliche Sitzung für alle Mitgliedsstaaten einberufen – nicht mal drei Wochen vor Ablauf der Frist für einen Austritt der USA. Das einzige Traktandum ist laut einem Sprecher die mögliche Revision der heutigen Posttarife. Und für die Auslandamerikaner die Frage: Wie viel kostet künftig die Teilnahme an der Demokratie?

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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • KnechtRuprecht 22.09.2019 15:33
    Highlight Highlight «Wenn es bei den Wahlen 2020 knapp wird, können die Stimmen der Auslandamerikaner entscheidend sein, wie frühere Wahlen mehrfach gezeigt haben.»

    Sollte es knapp werden haben die Amis sowieso wiedermal gar nichts begriffen... 🤷🏻‍♂️
  • Heinzbond 22.09.2019 12:31
    Highlight Highlight Freie und faire präsidentschaftswahlen in den USA? Es fängt schon an. Trump und buddies werden nicht zu lassen das die vernünftigen und die Demokraten ihn abwählen können...
  • Kant 22.09.2019 09:52
    Highlight Highlight Was in diesem Artikel leider nicht erwähnt wird, ist, dass der Weltpostverein schon vor einigen Jahren angekündigt hat, China ab - wenn ich mich richtig erinnere - 2021 nicht mehr als Entwicklungsland einzustufen. Im welchem Jahr das genau sein wird, bin ich mir nicht mehr sicher, aber die neue Einstufung ist gesetzt.
  • Sharkdiver 22.09.2019 09:38
    Highlight Highlight China muss ganz dringend den Status entwicklungsland aberkannt werden. Das ist schon lange nicht mehr gegeben. Kein Wunder dass der orange Seppel austreten will bei solch einem schwachsinn
  • Tekk 22.09.2019 09:11
    Highlight Highlight Bin auch der Meinung das die Pakete aus China teurer werden müssen, obwohl ich auch hin und wieder dort bestelle, allerdings nur Dinge die ich hier nicht bekomme.
    Das andere ist das Stimmrecht für Auslandsbürger, ich halte da nichts von wenn Leute in einem Land mitbestimmen in dem sie garnicht mehr leben (siehe Türkei). Ich habe neben dem schweizer auch einen deutschen pass, verzichte aber seit 10 Jahren auf mein Wahlrecht in Deutschland.
    • neoliberaler Raubtierkapitalist 22.09.2019 15:30
      Highlight Highlight Bei den USA muss aber noch erwähnt werden, dass die US-Amerikaner in der Schweiz in den USA Steuern bezahlen. Es ist also nur richtig, dass man mitbestimmen darf, was mit dem eigenen Geld gemacht wird.
  • Shelley 22.09.2019 08:33
    Highlight Highlight Reden wir mal Tacheles. Es ist doch nur ein willkommener Vorwand für Trump Stimmen gut zu machen, er lag ja 2.5 Mio Wählerstimmen hinter Hillary. Und diesmal wird es härter, weil alle gesehen haben, was für ein Windbeutel er ist.
    • michiOW 22.09.2019 09:29
      Highlight Highlight Ich weiss nicht, ober so weit denkt.
    • Interessierter 22.09.2019 09:54
      Highlight Highlight @michiOW: Wenn nicht er, ganz bestimmt sein Beraterstab!
    • michiOW 22.09.2019 10:56
      Highlight Highlight Dies wiederum ist sehr gut möglich.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Coffeetime ☕ 22.09.2019 07:48
    Highlight Highlight Eine neue Beurteilung der Länder ist dringendst fällig. Aber seien wir ehrlich: wird das Gremium es schaffen, sich zu einigen? 🤔
    • michiOW 22.09.2019 09:30
      Highlight Highlight Wenn es bloss eine Mehrheit benötigt könnte es klappen. Wenn jene, die die Zeche bezahlen ein höher gewichtetes Stimmrecht haben sowieso.
  • Evan 22.09.2019 07:21
    Highlight Highlight Kann ich Trump/den USA ausnahmsweise nicht verübeln, ich hoffe zwar nicht, dass weitere Länder da austreten werden, aber der Weltpostverband muss dringend seine Praxis überdenken und Sendungen aus China verteuern.

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