DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Jan. 4, 1997, file photo, skaters pass a windmill as some 16,000 people participate in the historic 200km skating spectacle the 'Elfstedentocht' (eleven-cities-course) in Birdaard, province of Friesland, northern Netherlands. There is nothing more mythical in Dutch sports than an age-old 11-city race skating across lakes and canals in bone-numbing cold from dawn to dusk. No wonder the Netherlands is the greatest speedskating nation in the world. And with Sven Kramer and Ireen Wust leading the way on big oval in Sochi they are bent on proving it again. (AP Photo/Dimitri Georganas, File)

Schlittschuh-Läufer passieren eine Windmühle während der Elfstedentocht im Jahr 1997. Bild: AP

Viele hielten die «Elfstedentocht» für tot. Dann kam die Kältewelle. Aber auch Corona

Seit 24 Jahren wartet die Niederlande auf die Durchführung ihres legendären Eisschnelllauf-Rennens. Nun gefrieren die Kanäle. Aber leider grassiert auch das Coronavirus. Doch die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.



Jeden Tag seit Anfang 2013 muss der Macher des Twitter-Kanals @gietitaloan seine Follower enttäuschen. Auf die Frage, ob die «Elfstedentocht» endlich losgeht, antwortet er täglich: «Nee».

Normalerweise erhalten die Tweets kaum Aufmerksamkeit. Ein Like hier, ein Retweet da, mehr nicht. Doch in den letzten Tagen ging es auf dem Twitter-Kanal plötzlich turbulent zu und her. Die Kommentare und Retweets nahmen zu, mal war sogar eine Umfrage oder ein Gif zu sehen.

Der Grund dafür: Die ganze Niederlande träumte plötzlich davon, dass die Elfstedentocht stattfinden könnte. Dies, obschon sie viele bereits für immer abgeschrieben hatten.

Du fragst dich jetzt vielleicht: «Elfstedentocht? Was ist denn das?»

Nun, die Elfstedentocht ist ein Eisschnelllauf-Rennen. Und zwar nicht irgendein Eischnelllauf-Rennen, sondern eines über sage und schreibe 200 Kilometer. Der Rundkurs führt über zugefrorene Kanäle und Seen durch die elf friesischen Städte: Sneek, IJlst, Sloten, Stavoren, Hindeloopen, Workum, Bolsward, Harlingen, Franeker, Dokkum und Leeuwarden.

Letzte Austragung vor 24 Jahren

Doch du ahnst es wahrscheinlich bereits: Allzu oft konnte die Elfstedentocht in den vergangenen Jahren nicht durchgeführt werden. Das letzte Mal, als die Eisdichte überall die notwendigen 15 Centimeter betrug und das Rennen stattfinden konnte, war im Jahr 1997.

abspielen

Volksfest am Eiskanal: Impressionen der letzten Elfstedentocht. Video: YouTube/LibraFilmsBV

Es war ein gigantisches Spektakel. Die Niederländerinnen und Niederländer, die für ihre ausgelassenen Volksfeste bekannt sind, liessen sich nicht lumpen. Ausgerüstet mit viel «Oranje», Musikinstrumenten und warmer Kleidung strömten schätzungsweise zwei Millionen Menschen and die friesischen Kanäle. Neun Millionen sollen das Rennen damals am TV mitverfolgt haben.

Rund 16'000 «Schaatser», so heissen die Schlittschuhläufer in den Niederlanden, gingen damals vor 24 Jahren an den Start. Der schnellste, Henk Angenent, absolvierte den Rundkurs in gerade Mal 6:49 Stunden.

Bildnummer: 09071754  Datum: 04.01.1997  Copyright: imago/VI Images
Franeker, 04.01.1997 - Elf St

Henk Angenent setzt sich im Schlussspurt an der Elfstedentocht 1997 durch. bild: imago

15 Mal fand die Elfstedentocht seit der Gründung im Jahr 1909 statt. Bis 1954 konnte der Massensportevent zehn Mal durchgeführt werden, danach nahm die Häufigkeit deutlich ab. Der Klimawandel lässt grüssen. Die zwischenzeitlich längste Durststrecke erlebten die «Schaatser» zwischen 1963 und 1985, als das Eis 22 Jahre lang nicht dick genug wurde. Aber eben: Das war vergangenes Jahrhundert.

Seit der Jahrtausendwende hat die Elfstedentocht gar nicht mehr stattfinden können. Im Jahr 2012 sanken die Temperaturen letztmals so tief, dass im ganzen Land Hoffnung aufkam und die Hotelreservationen in Friesland bereits in die Höhe schossen. Doch das Wetter spielte letzten Endes nicht mit und sollte es auch die kommenden Jahre nicht tun.

Dies rief findige Studenten auf den Plan. Sie tüftelten daran, wie sie dem Klimawandel ein Schnippchen schlagen könnten. Stolz präsentierten sie 2018 dem nationalen Fernsehen «NOS» eine Methode, mit der das Eis in den Kanälen stabiler werden soll. Dafür soll Stroh ins Wasser geworfen werden. Genützt hat bisher auch das nicht.

Doch dann kam der Winter 2021.

Kältewelle erfasst die Niederlande

Die Niederlande wurde von einer eisigen Kältewelle erfasst. Vielerorts stieg das Thermometer tagelang nicht über die Null-Grad-Grenze. Auf den Kanälen liegt eine Eisschicht – auch Teile des «Ijsselmeers» sind gefroren. Bis und mit Samstag sollen die Temperaturen tief bleiben.

A woman takes pictures of icicles on a jetty at the Afsluitdijk, a dike separating IJsselmeer inland sea, and the Wadden Sea, Netherlands, Thursday, Feb. 11, 2021. The deep freeze gripping parts of Europe served up fun and frustration with heavy snow cutting power to some 37,000 homes in central Slovakia. (AP Photo/Peter Dejong)

11. Februar: Auf dem Ijsselmeer liegt eine Schnee- und Eisschicht. Bild: keystone

Deshalb stieg im ganzen Land plötzlich der Puls. Wird das fast schon Unmögliche doch noch einmal möglich? Gibt es eine 2021 wider aller Erwartens doch noch mal eine Elfstedentocht?

In den sozialen Medien wurde das Thema heiss diskutiert, Eisstandmeldungen wurden durchgegeben, die Zeitungen schrieben Meinungsstücke und die ersten Personen wagten sich bereits aufs Natureis.

People skate on the ice of frozen flood plains of Nederrijn river near Doorwerth, Netherlands, Thursday, Feb. 11, 2021. The deep freeze gripping parts of Europe served up fun and frustration with heavy snow cutting power to some 37,000 homes in central Slovakia. (AP Photo/Aleksandar Furtula)

Ein Schlittschuh-Läufer bei Doorweth: Auf einzelnen Gewässern ist das «Schaatsen» bereits erlaubt. Bild: keystone

Sogar das Parlament und der Premierminister befassten sich mit dem Thema. Letzterer befeuerte die Hoffnungen seiner Landsleute am Montag abermals, als er eine Elfstedentocht nicht kategorisch ausschloss.

Corona als Spielverderber

Doch wie es so ist im Jahr 2021: Das Coronavirus macht auch diesem Volksfest einen Strich durch die Rechnung.

Zwar sagte Rutte: «Vielleicht können wir etwas machen mit den Top-Schaatsers.» Aber: «Eine Elfstedentocht mit Publikum, das geht nicht.» Eine Million Menschen entlang den Kanälen sei momentan einfach nicht sicher.

Wenn es jedoch um die Elfstedentocht geht, hat nicht der Premierminister das Letzte Wort, sondern Wiebe Wieling. Wieling ist der Vorsitzende der «Koninklijke Vereniging De Friesche Elf Steden». Das ist jene Organisation, welche grünes Licht für das Rennen geben müsste. Wieling avancierte vergangene Woche so zum «wichtigsten Mann der Niederlande». Dies schreibt zumindest die Zeitung «Algemeen Dagblad».

Und der «wichtigste Mann der Niederlande» hatte an den Aussagen des Politikers gar keine Freude. «Obschon es eine abendliche Ausgangssperre gibt und alle Läden geschlossen sind, soll es eine Elfstedentocht geben? Das ist doch komisch», sagte er gegenüber Algemeen Dagblad. Wiebeling machte sämtlichen Elfstedentocht-Hoffnungen einen Strich durch die Rechnung. «Mit den heutigen Coronaregeln ist das schlicht unmöglich.» Es werde dieses Jahr keine Elfstedentocht geben, auch wenn genug Eis vorhanden wäre.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Hoffnung, dass jemals wieder eine Elfstedentocht wird stattfinden können, hat Wieling jedoch noch nicht aufgegeben. Er und die 30'000 Mitglieder seiner Vereinigung würden seit 24 Jahren diesen Tag herbeisehnen. Das laufende Jahr habe gezeigt, dass trotz Klimawandel immer noch kalte Winter möglich seien.

Die Geschichte der Elfstedentocht zeige zudem, dass kalte Winter immer kurz hintereinander kämen. So fand die Veranstaltung 1940, 1941 und 1942 gleich drei Mal hintereinander statt. Auch 1985 und 1986 konnte die Elfstedentocht an zwei Winter in Folge durchgeführt werden. Deshalb sagt Wiebeling hoffnungsfroh: «Wer weiss, vielleicht klappt es ja kommendes Jahr!»

Auf dem Twitter-Kanal @gietitaloan ist es mittlerweile wieder ruhiger geworden. Für mindestens die nächsten 300 Tage wird es wieder heissen: «Nee».

Vielleicht auch für immer.

Unvergessen: Als am 4. Januar 1997 die letzte Elfstedentocht stattfand:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Der Autor würde trotz seiner holländischen Wurzeln übrigens nicht gerne an der Elfstedentocht teilnehmen:

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Anonymous verpasst Querdenkern erneut einen Schlag

Heute vor einem Jahr nahm Anonymous den virtuellen Kampf gegen Coronaleugner und rechtsextreme Verschwörungserzähler auf. Zum Jubiläum hat das Hacker-Kollektiv das Reichsbürger-Netzwerk des selbsternannten «Königs von Deutschland» gehackt.

Anonymous versetzt der «Querdenker»-Bewegung einmal mehr einen Schlag. Zum einjährigen Jubiläum der Operation Tinfoil (Operation Aluhut) haben Anonymous-Aktivisten das «Reichsbürger-Netzwerk» von Peter Fizek, dem selbsternannten König von Deutschland, «hopps genommen».

Fizek ist das selbsternannte Oberhaupt eines von ihm gegründeten Fantasiestaates, den er «Königreich Deutschland» nennt. In Fizeks Reich gibt es eine eigene «Reichsbank» und mit der E-Mark eine eigene Währung. Die …

Artikel lesen
Link zum Artikel