International
Syrien

Türkische Regierung wirft Russland «ethnische Säuberungen» in Syrien vor

Die russischen Luftangriffe in Syrien gehen weiter.
Die russischen Luftangriffe in Syrien gehen weiter.
Bild: HANDOUT/REUTERS

Weitere Eskalation: Türkische Regierung wirft Russland «ethnische Säuberungen» in Syrien vor

Im Konflikt mit Moskau hat die türkische Regierung Russland ethnische Säuberungen in Syrien und eine indirekte Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. 90 Prozent der russischen Angriffe in Syrien gälten der moderaten Opposition.
09.12.2015, 17:5109.12.2015, 17:51

«Russland versucht, ethnische Säuberungen - Sie können das schreiben, ethnische Säuberungen - im Norden Latakias auszuführen», sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu am Mittwoch bei einem Gespräch mit Korrespondenten westlicher Medien in Istanbul.

«Sie wollen dieses Gebiet ethnisch säubern, damit die Basen des Regimes und Russlands in Latakia und Tartus geschützt werden», sagte der türkische Regierungschef weiter. Russland wolle die turkmenische und die sunnitische Bevölkerung aus der Region vertreiben. Die russischen Einsätze richteten sich gegen jene Volksgruppen, die «keine guten Beziehungen zum Regime» hätten.

Russland kämpfe nicht gegen IS. «Russland unternimmt Operationen gegen die moderate Opposition besonders in Asas», sagte Davutoglu. In Asas kämpfe die Opposition aber gar nicht gegen das Regime, sondern gegen den IS. «Wer profitiert davon? Daesch (IS), nicht das Regime», sagte Davutoglu.

Der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu findet gegenüber Russland harte Worte.
Der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu findet gegenüber Russland harte Worte.
Bild: MURAD SEZER/REUTERS

Seine Regierung sei «verärgert und enttäuscht» über die russischen Luftangriffe in Syrien, die einen neuen Ansturm von Flüchtlingen auslösen könnten.

Gespannte Beziehungen

Die Beziehungen zwischen der Türkei und Russland sind sehr angespannt, seit die Türkei am 24. November einen russischen Kampfjet an der syrischen Grenze abgeschossen hatte.

Naher Osten

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow reagierte auf die Vorwürfe Davutoglus, indem er seinerseits der Türkei vorwarf, IS-Terroristen zu unterstützen. Unter anderem würden mit dem Wissen Ankaras verletzte Kämpfer in der Türkei medizinisch versorgt, sagte Lawrow der Agentur Interfax zufolge.

Der russische UNO-Botschafter Witali Tschurkin warnte die Türkei vor einer Eskalation der Lage in Nahost etwa durch eine mögliche Entsendung von Soldaten nach Syrien. Russland erwarte, dass Ankara in Syrien keine neuen «unbesonnenen Schritte» unternehme. (sda/dpa/reu/cma)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Mysteriöses U-Boot
Schweden bricht U-Boot-Suche ab
Die schwedischen Streitkräfte haben die Suche nach einem ausländischen Unterwasserfahrzeug in den Stockholmer Schären am Freitagmorgen abgebrochen. In einer kurzen Pressemitteilung teilte das Militär mit, der Grossteil der Schiffe sei am Morgen in den Hafen zurückkehrt.
Zur Story