Syrische Regierung kündigt Militäroperation in Aleppo an
Nach erneuten Zusammenstössen zwischen kurdischen Kräften und Regierungstruppen in der nordsyrischen Stadt Aleppo hat die Übergangsregierung dort eine «begrenzte Militäroperation» angekündigt.
Die Führung in Damaskus wirft den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) vor, in Aleppo Wohngebiete, Verkehrsstrassen und Sicherheitskräfte anzugreifen.
Die Operation erfolge auf Grundlage «einer lokalen Entscheidung sowie einer öffentlichen Forderung von Anwohnern», hiess es in einer Erklärung der Übergangsregierung. Ziel sei es, die Sicherheit wiederherzustellen und Zivilisten zu schützen. Es gehe um die gezielte Bekämpfung von bewaffneten Gruppen, nicht von Zivilisten.
Geplante Eingliederung der Kurden bisher nicht umgesetzt
Seit dem Umbruch in Syrien Ende 2024 streben die neuen Machthaber in Damaskus eine Zentralregierung für das Land an. Syrien wurde durch die jahrzehntelange Herrschaft der Assad-Familie und den fast 14 Jahre dauernden Bürgerkrieg tief gespalten. Unter den ethnischen Minderheiten in Syrien stellen Kurden die grösste Gruppe. Sie leben vor allem im Nordosten in einem selbstverwalteten Gebiet. Dort liegen auch die meisten Öl- und Gasreserven des Landes.
Im März vergangenen Jahres hatten sich die Kurden und die Übergangsregierung auf eine Eingliederung der bisher autonomen Institutionen in die staatlichen Strukturen geeinigt. Der Vereinbarung nach sollten auch die kurdischen Kämpfer in die Armee eingegliedert werden. Bis heute wurde die Vereinbarung nicht umgesetzt.
Zum Jahresende 2025 lief eine Frist aus. Bis dahin sollten Mechanismen zur konkreten Umsetzung ausgehandelt werden. Bisher treten die Verhandlungen auf der Stelle. Die Kurden ihrerseits fürchten sich vor erneuter Diskriminierung. Sie bevorzugen eine dezentrale Staatsordnung, um ihre Rechte nicht wieder zu verlieren.
SDF beschuldigen Regierung
Die SDF beschuldigten mit der Regierung verbündete Gruppierungen, sie angegriffen zu haben. Die SDF meldeten Beschuss. Mindestens sieben Zivilisten seien seit dem erneuten Aufflammen der Gefechte am Dienstag getötet worden. Mehr als 50 Menschen seien verletzt worden. Panzerbeschuss und Drohnenangriffe dauerten weiter an.
Die Übergangsregierung gab an, dass bei SDF-Angriffen gestern drei Zivilisten getötet worden seien. 15 weitere seien verletzt worden. Darunter seien auch Kinder, hiess es.
Nach kurdischen Angaben standen die Stadtteile Scheich Maksoud und Aschrafija unter vollständiger Belagerung. Die Einfuhr von Lebensmitteln, medizinischer Hilfe werde blockiert. Das syrische Militär erklärte die beiden Stadtviertel ab 15 Uhr (Ortszeit) zu «militärisch gesperrten Zonen». Dort gelte dann eine Ausgangssperre. (rbu/sda/dpa)
