International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A Turkish military officer, center, is escorted by policemen as he leaves a building of the Greek Asylum Service in Athens, Wednesday, July 27, 2016. Two of the eight Turkish military officers who are seeking asylum in Greece after a failed military coup appeared in the service and took a postponement for their interview for August 19. (AP Photo/Yorgos Karahalis)

Wo viele der knapp 20'000 verhafteten Menschen, die angeblich am Putschversuch beteiligt waren, hingebracht wurden, ist völlig unklar.  Bild: Yorgos Karahalis/AP/KEYSTONE

Amnesty schlägt Alarm: Verbleib vieler Festgenommener nach Putschversuch in der Türkei unklar



Mehr als zwei Wochen nach dem Putschversuch in der Türkei ist nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Amnesty International der Verbleib vieler Gefangener noch immer unklar. Vor allem von mutmasslichen Rädelsführer fehlten Spuren.

Viele Festgenommene seien aus Kapazitätsgründen überall im Land in Sporthallen oder Reitställen unter teils menschenunwürdigen Bedingungen untergebracht, sagte der Türkei-Experte der Organisation, Andrew Gardner, in Istanbul.

«Die Festgenommenen müssen mit ihren Familien kommunizieren können und Zugang zu ihren Anwälten haben», forderte er. Es gebe jedoch keine offiziell zugängliche Liste, aus der hervorgehe, wo wer untergebracht werde. Vor allem der Verbleib der mutmasslichen Rädelsführer des Putsches sei nicht bekannt.

Militärputsch in der Türkei

Amnesty hatte vergangene Woche in einem Bericht auf mögliche Folter in Polizeigewahrsam hingewiesen. Die türkische Regierung streitet die Vorwürfe vehement ab. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte am Dienstag gesagt, es könne sein, dass Soldaten «während der Tumulte Tritte und Schläge abbekommen haben». Für Folter gebe es jedoch null Toleranz. Gardner hält solch ein Dementi für «nicht glaubhaft».

Rund 20'000 Festnahmen

Nach dem Putschversuch von Teilen des Militärs am 15. und 16. Juli hat Präsident Recep Tayyip Erdogan einen 90-tägigen Ausnahmezustand verhängt. In dem Land läuft eine «Säuberungswelle» im Militär und bei der Polizei, in den Medien, der Justiz und im Bildungsbereich. Nach offiziellen Angaben von Ende vergangener Woche wurden bislang fast 19'000 Menschen festgenommen, gegen mehr als 10'100 von ihnen ergingen Haftbefehle.

Natürlich habe die Regierung nach dem Putschversuch das Recht, den Ausnahmezustand zu verhängen, sagte Gardner. Es habe jedoch bereits zuvor Hinweise auf Menschenrechtsverletzungen gegeben. Dass die Regierung nun mehr Macht erhalte, sei daher besorgniserregend.

Ministerpräsident Binali Yildirim sagte zudem am Dienstag, es seien mehr als 58'600 Staatsbedienstete suspendiert und fast 3500 dauerhaft entlassen worden. Die EU haben sich besorgt gezeigt über die hohe Zahl an Festnahmen und Suspendierungen. Und auch der jüngst errichtete «Friedhof der Verräter» für getötete Putschisten, zu dem Angehörige der Toten keinen Zugang haben, steht in der Kritik. (sda/dpa/oku)

Der Putsch-Versuch in der Türkei und seine Folgen:

Nadal, Thiem und Serena Williams sicher weiter

Link zum Artikel

Wegen «Terrorismus»: Türkei zensiert weitere kritische Sender

Link zum Artikel

Jetzt schlägt Gülen zurück: «Erdogan hat Putschversuch selbst inszeniert»

Link zum Artikel

Türkische Regierung setzt 28 gewählte Bürgermeister ab

Link zum Artikel

Türkei schafft Platz für Putschisten und entlässt fast 36'000 Verurteilte aus Gefängnissen

Link zum Artikel

Schweiz muss die Menschenrechte in der Türkei überprüfen – wir sind gespannt auf das Resultat

Link zum Artikel

Eklat in der Türkei: Minister lässt nach Interview mit deutschem TV-Sender den Film beschlagnahmen

Link zum Artikel

Erdogan droht Rom: «Italien sollte sich um die Mafia kümmern, nicht um meinen Sohn»

Link zum Artikel

Türkei fordert von den USA offiziell die Verhaftung Gülens

Link zum Artikel

Warum der missglückte Putsch in der Türkei für die USA gefährlich ist

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Zwei Tote nach Schüssen bei Kommunalwahl in der Türkei

In der Türkei hat am Sonntagmorgen die Kommunalwahl begonnen. Im ostanatolischen Malatya sind zwei Menschen erschossen worden – es soll sich um Wahlbeobachter einer kleinen Oppositionspartei handeln.

Präsident Recep Tayyip Erdogan bestätigte nach seiner Stimmabgabe in Istanbul zwei Todesopfer in Malatya. Ermittlungen zum Hintergrund des Vorfalls seien eingeleitet worden.

Der Chef der kleinen Oppositionspartei Saadet, Temel Karamollaoglu, schrieb auf Twitter, die Opfer seien zwei Wahlbeobachter seiner Partei. Die beiden hätten gegen eine offene Stimmabgabe protestiert und seien daraufhin getötet worden.

Rund 57 Millionen Türken sind landesweit dazu aufgerufen, Bürgermeister, Gemeinderäte und …

Artikel lesen
Link zum Artikel