International
Terrorismus

Was Salman Rushdie über Terrorismus sagte

Nach 9/11 sagte Salman Rushdie etwas sehr Gutes über Terrorismus. Es gilt auch heute noch

23.05.2017, 10:50
Mehr «International»
epa04965431 British writer Salman Rushdie poses for photographers as he presents the Spanish edition of his new novel 'Two Years Eight Months and Twenty-Eight Nights' in Madrid, Spain, 06 Oc ...
Der indisch-britische Schriftsteller Salman Rushdie gehört zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Literatur.Bild: EPA/EFE

«Die Fundamentalisten wollen weit mehr als einfach nur Häuser zerstören. Diese Leute sind – es folgt eine knappe Liste – gegen Redefreiheit, gegen ein Multi-Parteien-System, gegen das universelle Stimmrecht, gegen eine rechenschaftspflichtige Regierung, gegen Juden, Homosexuelle, Frauenrechte, gegen Pluralismus, Säkularismus, kurze Röcke, Tanzen, Bartlosigkeit, die Evolutionstheorie, gegen Sex. Sie sind Tyrannen, keine Muslime.

UN-Generalsekretär Kofi Annan sagte, dass wir uns in diesen Zeiten nicht nur dadurch definieren sollen, für was wir einstehen, sondern auch dadurch, wovon wir uns abgrenzen. Ich würde diesen Vorschlag gerne umkehren, denn es ist glasklar, wovon wir uns abgrenzen. Sich suizidierende Mörder, welche riesige Flugzeuge ins World Trade Center und ins Pentagon rammen und dabei tausende Menschen umbringen: Hm ja, da bin ich dagegen. 

Aber wofür stehe ich ein? Wofür würde ich mein Leben riskieren, um es zu verteidigen? Können wir einstimmig übereinkommen, dass sämtliche Dinge der obigen Liste – ja, auch die kurzen Rücke und das Tanzen – es wert sind, dafür zu sterben? 

Der Fundamentalist ist der Überzeugung, wir würden an nichts glauben. Er glaubt, seine Weltanschauung sei in Stein gemeisselt, während wir in Genusssucht untergehen.

Um zu beweisen, dass er falsch liegt, müssen wir als erstes wissen, dass er falsch liegt: Sich in der Öffentlichkeit küssen, Specksandwiches, Meinungsverschiedenheiten, die neuste Mode, Literatur, Grosszügigkeit, Wasser, eine fairere Verteilung der Ressourcen dieser Welt, Filme, Musik, Meinungsfreiheit, Schönheit, Liebe. Das sind unsere Waffen. Nicht mit Krieg, sondern mit unserer furchtlosen Lebensweise werden wir sie besiegen. Wie kann man Terrorismus besiegen? Indem man sich nicht terrorisieren lässt. Lass Angst nicht dein Leben dominieren. Auch wenn du dich fürchtest.»

Salman Rushdie in «Step Across This Line: Collected Nonfiction 1992-2002»

(tog)

Gay-Fotos von den New Yorker Piers: Wo ist deine Hose, Matrose?

1 / 13
Gay-Fotos von den New Yorker Piers: Wo ist deine Hose, Matrose?
Mekka der schwulen Gemeinde: Der New Yorker Pier 52 im Jahr 1977.
Auf Facebook teilenAuf X teilen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
105 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
kEINKOmmEnTAR
23.05.2017 11:44registriert Januar 2014
Auch Watson kann seinen Teil daran beitragen indem es beim nächsten Terroranschlag keine Live-Ticker macht, keine Photos vom Täter und den Opfer verbreitet sondern lediglich eine kurze Agenturmeldung irgendwo weit unten platziert und ganz oben Beiträge zur Demokratie, der Liebe und unserem Verständnis von Freiheit schreiben?

Das wäre mal mutig!
37429
Melden
Zum Kommentar
avatar
Baccaralette
23.05.2017 12:56registriert Oktober 2015
Meiner Meinung nach gibt es eine effektive Waffe im Kampf gegen den Terror (..diesen Terminus schätze ich wirklich nicht besonders). Die Berichterstattung.
Solche Anschläge sollten Randnotizen bleiben.
Nicht, weil man die Opfer geringschätzen will, sondern weil man keine Bühne bieten sollen. Man muss nicht haarklein über Bomben, Vorgehenweise, Hintergrund des Täters und weiss der Geier alles berichten - denn hier gilt: auch er (der Täter) ist jetzt eine Berühmtheit.
Der Ball läge bei den Medien. Aber die Sensationsgeilheit siegt.
19019
Melden
Zum Kommentar
avatar
Lii
23.05.2017 13:38registriert März 2015
Vor einigen Wochen fragten mich Freunde aus den USA, ob ich, wenn ich (ausserhalb der Schweiz) unterwegs sei, Angst habe.
Ich sagte nein. Wenn ich Angst hätte, könnte ich einige meiner besten Freunde nicht mehr besuchen. Ich könnte kein West End Musical schauen gehen. Ich könnte an kein Konzert, kein Festival, keine Party, kein Fussballspiel. Und das ist mir ein falsches Gefühl von Sicherheit einfach nicht wert.
1526
Melden
Zum Kommentar
105
10 Jahre seit Abschuss von Flug MH17: «Die ganze Welt hat gesehen, wer den Krieg begann»
Zehn Jahre nach dem Abschuss des Passagierfluges MH17 über der Ostukraine ist in den Niederlanden und in der Ukraine der 298 Toten gedacht worden.

Im Beisein von König Willem-Alexander verlasen Angehörige am nationalen Monument beim Amsterdamer Flughafen die Namen aller Opfer. Vertreter der Niederlande und Australiens bekräftigten, dass Russland für den Abschuss der Boeing zur Verantwortung gezogen werden müsse. 196 Opfer kamen aus den Niederlanden, 38 aus Australien. Vier Deutsche wurden getötet.

Zur Story