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«Ich habe Angst, dass ich heute Abend sterbe» – Siebenjährige twittert aus Aleppo

Lena Rhyner
Lena Rhyner



Das Mädchen steht im Nachthemd vor dem Fenster und hält sich die Ohren zu. Bomben explodieren lautstark in der Dunkelheit, in der Ferne schreien Menschen. «Ich will das nicht mehr hören!», ruft die Kleine. Panische Angst ist ihr ins Gesicht geschrieben.

Das Mädchen heisst Bana Al-Abed. Sie ist sieben Jahre alt und lebt mir ihrer Mutter und ihren Brüdern in Aleppo. Seit September berichtet sie mit Hilfe ihrer Mutter auf Twitter täglich, was in der heftig umkämpften Stadt passiert. Die Tweets erschüttern.

Ihre Tweets sind auf Englisch, da ihre Mutter Lehrerin ist. Fatemah Al-Abed brachte ihrer Tochter schon sehr früh Englisch bei. Auch Bana möchte einmal Lehrerin werden.

Mit ihren Tweets hat Bana in nur fünf Wochen 27'000 Follower gewonnen. Unter dem Hashtag #SaveAleppo loben viele das Engagement des kleinen Mädchens.

«Wir können kein normales Leben führen», sagte ihre Mutter dem «Guardian» bei einem Skype-Gespräch. «Ständig hört man die Bomben, nicht einmal in der Nacht hören sie auf. Wenn man vier Stunden Schlaf kriegt, ist das ein Wunder.»

«Wir haben viele Träume für uns selber und unsere Kinder», sagt Fatemah. «Wir wollen sie schützen. Wir konnten unser Leben bereits leben, unsere Kinder nicht.»

Das Haus zu verlassen ist für die Kinder keine Option. Bana vertreibt sich die Zeit, indem sie Bücher liest oder mit ihren Brüdern spielt. Der Spielplatz vor ihrem Haus wurde gerade durch Bomben zerstört.

Eines der grössten Probleme der Menschen in Aleppo sei jedoch die Wasser- und Lebensmittelknappheit, ergänzt Bana bei Mashable. Frisches Gemüse oder Früchte gibt es schon lange nicht mehr, die Pasta- und Reisvorräte sind auch bald aufgebraucht. Das Wasser, wenn überhaupt welches vorhanden ist, sei schmutzig.

Doch warum ist die Familie nicht geflüchtet? «Du kannst deine Heimat nicht einfach so verlassen. Aleppo ist da, wo meine Eltern lebten, es ist unser Land, unser Zuhause, unser Atem», so Mutter Fatemah.

Bomben-Regen über Aleppo

Sie sind alle kleine Abads: Die Kinder in Kriegsregionen

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    Alle Leser-Kommentare
  • opwulf 05.10.2016 13:48
    Highlight Highlight Das erste Opfer eines Krieges, ist immer die Wahrheit...
    Ich weiss nicht mehr was ich glauben soll, da es der Wahrheit entspricht, oder ob es ein Fake ist, der uns emotional auf die eine oder andere Seite ziehen möchte?
    Ein Bsp.? Hier:

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    und hier:

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    und hier noch einen Zeitungsartikel über die Macht der Bilder:

    http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/diverses/Krieg-der-Bilder--und-der-Blick-dahinter/story/24923539
  • Der Beukelark 05.10.2016 07:07
    Highlight Highlight Und ihr als kritische Journalisten glaubt also, dass die Kleine diese Tweets selber verfasst? Mit sieben Jahren in perfektem Englisch. Ehm?
    • Laurent 05.10.2016 08:20
      Highlight Highlight @Der Beukelark: Nein, darum steht da: «Seit September berichtet sie mit Hilfe ihrer Mutter auf Twitter täglich, was in der heftig umkämpften Stadt passiert.»
    • Fumo 05.10.2016 08:43
      Highlight Highlight Und was wenn hier eine Mutter ihr Kind instrumentalisiert? Auch daran gedacht?
      Warum sind die Kritiken in den Tweets an Putin gerichtet? Bomben da nicht auch die USA mit den Türken?
      Könnte es nicht sein dass es eine Desinformations- und Hetzkampagne ist?
    • auslandbasler 05.10.2016 10:26
      Highlight Highlight Instrumentalisiert? Dort leben Kinder und sie haben Angst. Hunger. Träume. Und diese werden zerstört. Ob diese Tweets nun echt sind oder nicht, es ist eine Schande, dass dieser Krieg so viel Leid verursacht und wir dabei zusehen und es nur um allfällige Schuldzuweisungen an die falschen geht.
      Die Kinder sind unschuldig, sie müssen um jeden Preis geschützt werden.
    Weitere Antworten anzeigen

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