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Teilweise rekonstruiert: Die Unglücksmaschine – auf der linken Seite des Cockpits schlug die Rakete ein. 
Bild: EPA/ANP

MH17 wurde von russisch-produzierter Buk-Rakete abgeschossen  ++ Piloten waren sofort tot ++ Nach dem Abschuss führten noch 160 Flüge über umkämpftes Gebiet

13.10.2015, 10:28

Unglücksflug MH17 – was geschah

  • Am 17. Juli 2014 kommt es zum Unglück: Eine Boeing 777 der Malaysia Airlines stürzt im Kriegsgebiet der Ostukraine ab. 298 Menschen sterben.
  • Hinweise deuten darauf hin, dass die Maschine von einem russisch-produzierten Buk-Flugabwehrraketensystem vom Himmel geholt wurde. Allerdings verfügt auch die ukrainische Armee über das Waffensystem.
  • Russland verhindert mit seinem Veto ein UNO-Tribunal.
  • Die niederländische Flugsicherheitsbehörde (OVV) übernimmt die Untersuchung – beteiligt sind Experten aus aller Welt, auch aus Russland. Sie moniert, bei den Untersuchungen von den Separatisten behindert worden zu sein.
  • Die wichtigsten Fragen und Antworten: Unten im Artikel.

Jetzt ist es amtlich: Der Malaysia-Airlines-Flug MH17 ist über der Ostukraine von einer russisch-produzierten Buk-Rakete abgeschossen worden. Zu diesem Schluss kommt der Abschlussbericht der niederländischen Flugsicherheitsbehörde OVV.

Demnach wurde die linke Seite des Cockpits von Flug MH17 getroffen, alle drei Piloten waren sofort tot. Das Flugzeug brach auseinander. Trümmerteile wurden auf einer Fläche von insgesamt 50 Quadratkilometern gefunden. In den Körpern von Crew-Mitgliedern seien Granatsplitter der Buk-Rakete gefunden worden, ebenso in Trümmerteilen des Cockpits und des linken Flügels.

Das Buk-Waffensystem
Das Buk-Flugabwehrraketensystem wurde in der Sowjetunion entwickelt und 1980 in Dienst gestellt. Es dient dem Einsatz gegen Flugzeuge, Helikopter und Marschflugkörpern. Moderne Weiterentwicklunger erreichen eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern. Die Bedienung des Systems gilt als schwierig. Eine mehrmonatige intensive Ausbildung gilt Experten zufolge als Minimum, um das Kriegsgerät zu beherrschen. «Das ist kein System, das man so ohne weiteres gleich benutzen kann», sagte Douglas Barrie vom Internationalen Institut für Strategische Studien (IISS) in London dem «Wall Street Journal». (tat)

Vorwürfe an ukrainische Behörden

Nicht klar ist, von wo aus die Buk-Flugabwehrrakete abgeschossen wurde. Der OVV-Vorsitzende Tjibbe Joustra sagte lediglich, dafür käme ein Gebiet von insgesamt 320 Quadratkilometern in der Ostukraine in Frage.

Den ukrainischen Behörden warf Joustra vor, sie hätten die Gefahr des Konflikts mit den pro-russischen Separatisten für den zivilen Flugverkehr unterschätzt und kommt zum Schluss: Der Luftraum über diesem Gebiet hätte geschlossen sein müssen.

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Schierer Unglaube: Eine Frau betrachtet im Juli 2014 nahe der ostukrainischen Stadt Tores die Trümmer der Unglücksmaschine.  
Bild: Getty Images Europe

Zur Tatsache, dass die Route von diversen Airlines geflogen wurde, sagte Joustra: «Niemand hätte gedacht, dass die zivile Luftfahrt vom Konflikt betroffen sein könnte.» Nach dem Crash seien noch 160 zivile Flugzeuge über das Gebiet geflogen.

Insassen waren ohnmächtig

BBC-Journalistin Anna Holligan berichtete unter Berufung auf andere Angehörige von MH17-Opfern, die Flugzeuginsassen seien nicht mehr bei Bewusstsein gewesen, als die Maschine abstürzte.

Kurz vor der Präsentation des Berichts hatte der ukrainische Staatspräsident Petro Poroschenko mit dem niederländischen Premierminister Mark Rutte telefoniert. Er habe habe abermals sein Beileid für die 188 niederländischen Opfer ausgedrückt, so Poroschenko. Der Bericht sei ein weiterer Schritt dazu, dass die Verantwortlichen für das Flugzeugdrama der Justiz zugeführt werden könnten

Russischer Hersteller gibt Ukraine die Schuld

Während Kiew an vorderster Front, aber auch der Westen die pro-russischen Separatisten für den Abschuss verantwortlich machen, präsentierten die russischen Staatsmedien eine ganze Kakophonie von Theorien. Moskau macht die ukrainische Armee verantwortlich.

Der russische Rüstungskonzern Almas-Antej hat gegenüber der Agentur Interfax erneut bekräftigt, das Flugzeug sei von ukrainisch kontrolliertem Gebiet aus abgeschossen worden. Ein Test habe frühere Erkenntnisse des Unternehmens bestätigt, sagte Firmenchef Jan Nowikow.

Die wichtigsten Fragen, die jetzt noch bleiben

Wer trägt Schuld?

Das internationale strafrechtliche Ermittlerteam veröffentlichte Videos und abgehörte Telefongespräche der Separatisten. Die deuten darauf hin, dass die Separatisten über ein Buk-System verfügten und zum fraglichen Zeitpunkt eine Rakete abgefeuert haben. Die Schuldfrage wird eine Untersuchung der niederländischen Kriminalbehörden klären. Dieser Bericht wird erst 2016 erscheinen.

Wie reagiert Moskau auf Vorwürfe?

Russland betont stets, im Grunde nicht in die Tragödie im Nachbarland verwickelt zu sein. Gleichwohl verfüge man über "wichtige Hinweise" zur Aufklärung. Moskau kritisiert die internationalen Untersuchungen als voreingenommen. Der Kreml gibt der Ukraine auch eine Mitschuld an der Tragödie, weil sie trotz bekannter Gefahren den Luftraum über dem Gebiet nicht komplett gesperrt hatte.

Werden die Verantwortlichen jemals bestraft werden?

Russland hatte mit einem Veto im Weltsicherheitsrat die Einsetzung eines Uno-Tribunals zu MH17 blockiert und dies damit begründet, dass die Untersuchungen noch gar nicht abgeschlossen seien. Nun wollen die am meisten von der Katastrophe betroffenen Länder ein internationales Tribunal errichten. Allerdings ist offen, wie Moskau reagiert, wenn das Gericht russische Verdächtigte vorlädt.

(tat/spon)

Mal Absicht, mal Irrtum: Abschüsse von Zivilmaschinen
Oktober 2001: Nach einem versehentlichen Raketentreffer explodiert eine russische Tupolew 154 in elf Kilometern Höhe über dem Schwarzen Meer. Keiner der 78 Insassen überlebt. Die ukrainische Armee hatte auf der Halbinsel Krim eine Übung veranstaltet.               Oktober 1998: Im Ostkongo schiessen Rebellen mit einer tragbaren Boden-Luft-Rakete eine Boeing 727 der Congo Airlines ab. 41 Menschen sterben, darunter viele Kinder.                                             September 1993: Eine Rakete abtrünniger Rebellen trifft eine georgische Passagiermaschine beim Landeanflug. Nur 24 der 132 Menschen an Bord überleben. Einen Tag zuvor hatten Rebellen eine Maschine über dem Schwarzen Meer abgeschossen. Bilanz: 27 Tote. Juli 1988: Eine iranische Linienmaschine wird auf dem Weg nach Dubai über dem Persischen Golf von der Rakete eines US-Kriegsschiffs getroffen. Alle 290 Menschen an Bord sterben, die USA sprechen von einem tragischen Irrtum.                                                 September 1983: Ein südkoreanischer Jumbo-Jet wird wegen angeblicher Verletzung des damaligen sowjetischen Luftraums von einem Kampfjet über dem japanischen Meer abgeschossen. Alle 269 Insassen sterben.

Der Absturz von MH17 – die Chronik

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Der Unglücksflug #MH17 – eine Chronik
quelle: x02994 / antonio bronic
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