International
USA

Was die neuen Epstein-Files enthüllen – und wie es nun weitergeht

A document that was included in the U.S. Department of Justice release of the Jeffrey Epstein files is photographed Sunday, Feb. 1, 2026, shows the report when Epstein was taken into custody on July 6 ...
Am Freitag veröffentlichte das US-Justizministerium die bisher umfangreichste Sammlung von Epstein-Akten.Bild: keystone

Diese prominenten Namen sind in den Epstein-Files – das Wichtigste in 6 Punkten

Vergangenen Freitag veröffentlichte das US-Justizministerium die bisher umfangreichste Sammlung von Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Welche prominenten Namen auftauchen und wie es im Fall Epstein nun weitergeht. Ein Überblick.
02.02.2026, 11:3102.02.2026, 13:35

Was ist passiert?

Drei Millionen Seiten, 180'000 Bilder und 2000 Videos – das ist der Umfang der neuen Epstein-Files, die am Freitag öffentlich zugänglich gemacht wurden.

Eigentlich hätten alle Dokumente im Zusammenhang mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bereits sechs Wochen zuvor, am 19. Dezember 2025, veröffentlicht werden sollen. Dann lief eine vom US-Kongress angeordnete Frist ab, die US-Präsident Donald Trump bewilligt hatte, um den Anschuldigungen und Spekulationen ein Ende zu setzen.

Todd Blanche, stellvertretender US-Generalstaatsanwalt, bezeichnet die Veröffentlichung am Freitag als «das Ende eines sehr umfassenden Prozesses der Identifizierung und Überprüfung von Dokumenten, um Transparenz gegenüber der amerikanischen Bevölkerung und die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten.»

Deputy Attorney General Todd Blanche answers a question during a news conference after the Justice Department announced the release of three million pages of documents in the latest Jeffrey Epstein di ...
Stellvertretender US-Generalstaatsanwalt Todd Blanche.Bild: keystone

Das Weisse Haus habe mit der Prüfung der nun freigegebenen Dokumente «nichts zu tun gehabt». Blanche erklärt:

«Sie hatten keinerlei Aufsicht und haben unserer Behörde nicht vorgeschrieben, wie wir die Prüfung durchzuführen haben, worauf wir achten sollten und was wir schwärzen sollten oder nicht.»
Was sind die Epstein-Files?

Jeffrey Epstein war ein sehr reicher US-Amerikaner. Der Investmentbanker hat viele Jahre Mädchen und Frauen sexuell missbraucht und sie auch anderen einflussreichen Männern vermittelt.

2019 starb Epstein in einer Gefängnis-Zelle in New York, unter nicht restlos aufgeklärten Umständen. Die Ermittler sprachen von Suizid.

2025 hat die US-Regierung damit begonnen, Ermittlungsakten zum Fall zu veröffentlichen. In diesen Epstein-Files sind etwa Fotos, Briefe oder Zeugenaussagen. Die Opfer des Sexualstraftäters haben schon lange die Veröffentlichung gefordert. Sie sagen, viele Menschen hätten von den Verbrechen gewusst. Das müsse alles aufgeklärt werden.

Jeffrey Epstein hatte auch viele berühmte und mächtige Freunde und Bekannte in der Politik, darunter der frühere US-Präsident Bill Clinton und der zweifache US-Präsident Donald Trump.

Im Wahlkampf um die Präsidentschaftswahl 2024 versprach Trump, die Epstein-Akten zu veröffentlichen. Nach seiner Wahl war er aber lange dagegen, bis der öffentliche Druck immer weiter zunahm. Bisher wurde nur ein Teil der Dokumente veröffentlicht. Und in diesen Akten sind viele Textpassagen und Fotos geschwärzt worden.

Das US-Justizministerium sagt, die Schwärzungen dienten dem Schutz von Betroffenen. Und es gelte die Unschuldsvermutung.

Editorial Bild

Gibt es neue Enthüllungen zu Trump?

Es gibt neue Hinweise und Behauptungen zur Verbindung zwischen Trump und Epstein – allerdings sind sie unbestätigt. In mindestens 4500 der nun veröffentlichten Dokumente soll Trump erwähnt worden sein. Eines davon ist demnach eine Zusammenfassung, die FBI-Beamte im vergangenen Sommer aus mehr als einem Dutzend Hinweisen von Bürgerinnen und Bürgern zusammengestellt hatten, die Trump und Epstein betrafen. Warum Ermittler diese Zusammenfassung erstellt hatten, ist unklar.

Besonders brisant ist ein File, das zur E-Mail-Korrespondenz eines Agenten der Taskforce gegen Kinderausbeutung und Menschenhandel gehört. Darin werden diverse Vorwürfe gegen Jeffrey Epstein gesammelt – und auch der Name Donald Trump taucht an vielen Stellen auf.

Dieses Dokument wurde vom Justizministerium wieder gelöscht:

1 / 8
Epstein-Files vom 30.01.2026
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Sowohl das Weisse Haus als auch das US-Justizministerium verweisen auf eine Passage in einer Pressemitteilung, die den neuen Akten beigefügt ist:

«Einige der Dokumente enthalten unwahre und reisserische Behauptungen gegen Präsident Trump, die dem FBI kurz vor der Wahl 2020 vorgelegt wurden. Um es klarzustellen: Die Behauptungen sind unbegründet und falsch, und wenn sie auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit hätten, wären sie mit Sicherheit schon längst gegen Präsident Trump eingesetzt worden.»

Auch in der Vergangenheit hatte Trump jegliches Fehlverhalten im Zusammenhang mit Epstein stets bestritten.

Welche prominenten Namen sind aufgetaucht?

Zu viele, um sie alle im Detail aufzuführen. Alle genannten Personen haben jegliche Beteiligung an Epsteins sexuellem Missbrauch von Mädchen und jungen Frauen bestritten.

Diese Namen tauchten – unter anderen – in den neuen Akten auf:

  • Elon Musk: Eine E-Mail-Korrespondenz zwischen Epstein und Musk aus dem Jahr 2012 offenbart, dass der reichste Milliardär der Welt auf die Frage «Wie viele Personen werden mit dem Hubschrauber auf die Insel kommen?» mit «An welchem Tag/in welcher Nacht findet die wildeste Party auf unserer Insel statt?» antwortete.
  • Bill Gates: Laut veröffentlichter E-Mails verfasste Epstein 2013 Notizen an und über den Microsoft-Gründer, in denen er andeutete, dass dieser ausserehelichen Sex hatte.
  • Prinz Andrew: Andrew Mountbatten-Windsor (ehemals Prinz) nahm offenbar Monate nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis an einer privaten Feier mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein teil. Das Justizministerium veröffentlichte ausserdem neue Bilder von Andrew, auf denen er über einer Frau kniet.
  • Howard Lutnick, Trumps Handelsminister: Lutnick, Trumps Handelsminister, soll im Dezember 2012 einen Besuch auf Epsteins Privatinsel geplant haben. Aus den E-Mails geht hervor, dass Epsteins Assistent Lutnick eine Nachricht von Epstein weitergeleitet hatte, in der stand: «Schön, Sie zu sehen.»
  • WEF-Chef Børge Brende: In den Jahren 2018 und 2019 hatte Børge Brende mehrfach Kontakt mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Im Juni 2019 sendete Epstein Brende per Mail ein Foto einer Frau. Brende antwortete: «Ich hatte Recht, nicht wahr? Ein Riesenspass.»
  • Kronprinzessin Mette-Marit: Die Kronprinzessin habe vier Tage lang gemeinsam mit einer Freundin auf Epsteins Anwesen in Palm Beach, Florida, gewohnt. Während dieses Besuchs habe sie auch Epstein getroffen. Die Kronprinzessin entschuldigte sich noch am Freitag: Sie habe «Epsteins Hintergrund nicht besser geprüft».
  • Richard Branson, Gründer der Virgin Group: In einer E-Mail vom 11. September 2013 schrieb Branson an Epstein: «Wenn Sie mal wieder in der Gegend sind, würde ich mich sehr freuen, Sie zu sehen. Solange Sie Ihren Harem mitbringen!»
  • Steve Tisch, Vorsitzender und Miteigentümer der New York Giants: Eine Nachricht vom Mai 2013 zeigte, dass Epstein Tisch anbot, ihn mit einer russischen Frau in Kontakt zu bringen. Tisch antwortete eine Minute später mit der Frage: «Macht sie Spass?» (Engl.: «Is she fun?»).
  • Sergey Brin, Mitbegründer von Google: Brin besuchte Jeffrey Epsteins Privatinsel, plante ein Abendessen in Epsteins Haus und korrespondierte mit Ghislaine Maxwell.
  • Jay-Z, Pusha T und Weinstein: Laut einem FBI-Krisenbericht gab ein anonymes Opfer an, über Jahre hinweg mehrfach unter Drogen gesetzt und sexuell missbraucht worden zu sein. Pusha T (Terrence LeVarr Thornton) sei einer ihrer «Handler» gewesen. In dem Bericht heisst es ausserdem, das Opfer sei einmal in einem Zimmer aufgewacht, in dem sich Weinstein und Jay-Z (Shawn Carter) befanden.

Wie wird mit den Opfern umgegangen?

In den neuen Dokumenten habe man unter anderem persönliche Daten von Opfern geschwärzt, um deren Privatsphäre zu schützen. Von der Veröffentlichung ausgenommen wurde den Angaben zufolge auch pornografisches Material, auf dem Kinder zu sehen sind, sowie alles, was die Ermittlungen auf Bundesebene behindern könne.

In der jüngsten Veröffentlichung seien zahlreiche Namen von Überlebenden genannt worden, darunter auch einige, die zuvor nicht öffentlich identifiziert worden waren. Das kritisiert Gloria Allred, eine Anwältin für Frauenrechte, gegenüber BBC. «In manchen Fällen sind die Namen durchgestrichen, aber man kann sie trotzdem lesen», sagte Allred. «In anderen Fällen wurden Fotos von Opfern gezeigt – Überlebenden, die nie ein öffentliches Interview gegeben, nie ihren Namen öffentlich genannt haben.»

Das US-Justizministerium erklärte, es arbeite «rund um die Uhr daran, alle Anliegen der Opfer zu bearbeiten, weitere Schwärzungen personenbezogener Daten vorzunehmen sowie alle Akten zu bearbeiten, die gemäss dem Gesetz weitere Schwärzungen erfordern, einschliesslich Bilder sexueller Natur».

Gibt es weitere, noch unveröffentlichte Akten?

Ja. Allerdings ist es zum jetzigen Zeitpunkt unwahrscheinlich, dass diese in der nahen Zukunft an die Öffentlichkeit gelangen.

Zunächst waren sechs Millionen Seiten an Dokumenten als «potenziell relevant» identifiziert worden, erklärte Blanche, der stellvertretende US-Justizminister. Die Behörden hätten jedoch zu viele Seiten gesammelt, weshalb sich die Veröffentlichung unter anderem verzögert habe. Sie hätten beschlossen, nur die Hälfte freizugeben. Einige demokratische Abgeordnete warfen dem Ministerium am Freitag einen Gesetzesverstoss vor und forderten die Herausgabe aller sechs Millionen Seiten.

Wie geht es weiter?

Die Demokraten im US-Repräsentantenhaus fordern die Herausgabe der vollständigen Akten – auch angesichts der Tatsache, dass die jüngsten Veröffentlichungen eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Schwärzungen enthalten. In einer Pressekonferenz deutete Blanche jedoch an, dass es sich um die letzte grössere Veröffentlichung von Epstein-Files handelt.

Das US-Justizministerium plant ausserdem vorerst keine weiteren Anklagen. Bei der Prüfung der Epstein-Akten sei darin nichts gefunden worden, was dem Ministerium eine Strafverfolgung ermöglichen würde, sagte Blanche gegenüber CNN. Die ganze Welt könne sich nun das veröffentlichte Material ansehen und selbst «beurteilen, ob wir uns geirrt haben», sagte er weiter.

Mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DPA.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Neue Fotos in Epstein-Affäre veröffentlicht
1 / 12
Neue Fotos in Epstein-Affäre veröffentlicht

Einen Tag vor Ablauf der Frist für das US-Justizministerium, alle Akten freizugeben, haben die US-Demokraten weitere Fotos aus dem Nachlass von Jeffrey Epstein veröffentlicht.

quelle: house oversight democrats
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Trump-Ankunft in Grossbritannien – er wird mit Epstein-Fotos auf Schloss Windsor begrüsst
Video: ch media
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
52 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
giandalf the grey
02.02.2026 11:52registriert August 2015
Wäre die USA ein Rechtsstaat müssten die bisherigen Veröffentlichungen locker reichen um praktisch dem gesamten politischen Establishment einen Lebensabend im Knast zu verschaffen. Das Establishment wäre aber nicht das Establishment, wenn es das nicht zu verhindern wüsste.
846
Melden
Zum Kommentar
avatar
oettli
02.02.2026 11:46registriert Februar 2020
Erwähnenswert ist auch der Regisseur des Filmes Melania, Brett Ratner. Der verurteilte Sexualstraftäter taucht mehrere male in den Files auf, unter anderem auf Fotos zusammen mit Epstein und minderjährigen Mädchen.
Das ist alles ein einziger, miteinander verknüpfter Dreckshaufen.
Es wird niemals eine richtige Untersuchung geben so lange die obersten Vorgesetzten der Untersuchungsbehörde (und ihre Buddies) persönlich involviert sind.
723
Melden
Zum Kommentar
avatar
Pointless Piraña
02.02.2026 11:55registriert Dezember 2019
Ginge alles mit rechten Dingen zu, wäre einen guten Teil des obersten 1% im Knast.
633
Melden
Zum Kommentar
52
Diese prominenten Namen sind in den Epstein-Files – das Wichtigste in 6 Punkten
Vergangenen Freitag veröffentlichte das US-Justizministerium die bisher umfangreichste Sammlung von Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Welche prominenten Namen auftauchen und wie es im Fall Epstein nun weitergeht. Ein Überblick.
Drei Millionen Seiten, 180'000 Bilder und 2000 Videos – das ist der Umfang der neuen Epstein-Files, die am Freitag öffentlich zugänglich gemacht wurden.
Zur Story