International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

«Ich bin ein Clown und ich bin stolz darauf» – das ist Selenski, Wahlsieger in der Ukraine



Bild: EPA

Gelernter Jurist, erfolgreicher Komiker und schon bald möglicherweise Präsident der Ukraine: Wolodimir Selenski gilt nach der ersten Wahlrunde am Sonntag als chancenreichster Anwärter auf das Präsidentenamt in der Ukraine.

45 Millionen Menschen in einem der ärmsten Länder Europas werden damit möglicherweise bald von einem Mann regiert, der über sich selbst sagt: «Ich bin ein Clown, und ich bin stolz darauf.»

In der Fernsehserie «Diener des Volkes» spielt der 41-Jährige einen Lehrer, der unverhofft zum Präsidenten wird. Selenski stammt aus der Industriestadt Krywy Rig, hat Jura studiert und ist Vater von zwei Kindern.

Wie die beiden politischen Schwergewichte Petro Poroschenko und Julia Timoschenko steht auch er für eine prowestliche Orientierung der Ukraine. «Nein, ich habe keine Erfahrung», räumte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP ein. Er habe aber ausreichend Kraft und Energie und lerne bereits für seine mögliche neue Aufgabe: «Schliesslich will ich nicht wie ein Idiot aussehen.»

Im Kampf um das Präsidentenamt in der krisengeschüttelten Ukraine kommt es zur Stichwahl zwischen dem Komiker Wladimir Selenski (Bildmitte) und Amtsinhaber Petro Poroschenko.

Bild: APA/APA

Seine Kandidatur hatte Selenski medienwirksam am Silvesterabend bekanntgegeben: Ein privater Fernsehsender strahlte die Ankündigung anstelle der Neujahrsansprache von Präsident Petro Poroschenko aus. Das brachte Selenski den Vorwurf ein, er habe nicht genügend Respekt vor dem Staat.

«Als ich meine Kandidatur bekanntgegeben habe, haben sie mich als Clown bezeichnet», sagte Selenski später in einem seiner zahlreichen Facebook-Videos. Und darauf sei er stolz. Soziale Medien waren ein wichtiger Bestandteil von Selenskis Wahlkampf. Auf öffentliche Auftritte oder Interviews verzichtete er dagegen weitgehend.

«Keine konkreten Ideen»

Angesichts kritischer Stimmen, die ihm mangelnden inhaltlichen Tiefgang vorwarfen, hatte der Komiker in den Wochen vor der Wahl zunehmend auf Treffen hinter den Kulissen mit Juristen, Diplomaten und Geschäftsleuten gesetzt. Dabei hinterliess er aber einen durchwachsenen Eindruck.

FILE In this file photo taken on Friday, March 29, 2019, Ukrainian comedian Volodymyr Zelenskiy hosts a comedy show at a concert hall in Brovary, Ukraine. Zelenskiy has no political experience but seems to have won Sunday's presidential vote, putting him in a strong position for the runoff election in three weeks’ time. (AP Photo/Efrem Lukatsky, File)

Bild: AP/AP

Ein westlicher Diplomat sagte AFP, Selenski sei «zu allgemein» und habe «keine konkreten Ideen». Für einen Präsidentschaftskandidaten sei dies ein «furchterregender» Befund. Der Abgeordnete und Journalist Sergej Leschtschenko sagte über Selenski, ihm fehle es an Wissen, er sei aber sehr lernwillig.

Ob das ausreicht, bezweifeln Kritiker angesichts der politischen Lage der Ukraine: Beim Konflikt mit prorussischen Separatisten im Osten des Landes starben in den vergangenen fünf Jahren mehr als 13'000 Menschen. Korruption ist bis in die höchsten politischen Kreise weit verbreitet.

Zu Selenskis Wahlversprechen gehörten daher der «Kampf für den Frieden in der Ukraine» und ein «Sieg über die Korruption». Ausserdem will er regelmässig Referenden zu politischen Themen abhalten. Details blieb er jedoch schuldig.

Geschäfte mit Russland

Zu allem Überfluss berichteten Fernsehjournalisten im Januar, Selenski mache Geschäfte in Russland - ein Vorwurf, der angesichts der politischen Spannungen zwischen den beiden Ländern schwer wiegt. Selenski erklärte, an einer zyprischen Firma beteiligt zu sein, der wiederum eine russische Firmengruppe gehöre.

Er kündigte an, seine Anteile zu verkaufen. Zudem wird Selenski vorgeworfen, hinter ihm stehe der umstrittene Geschäftsmann Igor Kolomojski - ein Erzfeind von Präsident Poroschenko. Selenski weist die Vorwürfe zurück.

Selenskis Anhänger liessen sich von seiner fehlenden Erfahrung nicht abschrecken. «Er wird ja nicht mit einer Kalaschnikow in der Hand durch Felder laufen müssen», sagte kurz vor der Wahl der 42-jährige Andri, der zu einer Live-Show Selenskis in Kiew gekommen war. «Er muss ein Team bilden aus Generälen, Wirtschaftsexperten und Politikern und es leiten.» (aeg/sda/afp)

Andere Bilder aus der Ukraine: Lebensfreude statt Gewalt und Zerstörung

Margret Kiener Nelle als Wahlbeobachterin in der Ukraine

Play Icon

Das könnte dich auch interessieren:

Das sind die besten Rekruten der besten Armee der Welt

Link zum Artikel

9 «Ratschlag»-Klassiker, die du dir in Zukunft einfach mal sparen kannst

Link zum Artikel

Christian Wasserfallen nicht mehr FDP-Vize – wegen der Klimafrage?

Link zum Artikel

Hitzewarnung der höchsten Stufe ++ So bereitet sich die Armee auf die Hitze vor

Link zum Artikel

Das gab's noch nie: Schweizer Mathe-Genie startet als 15-Jähriger mit Master-Studium

Link zum Artikel

Fans raten GNTM-Gewinnerin Stefanie Giesinger zu grösseren Brüsten – aber ihr Konter sitzt

Link zum Artikel

«Die Schweiz ist eine Gold-Weltmacht – ein enormes Risiko»

Link zum Artikel

Turbo Jens ist alles, was du heute gesehen haben musst (wer hat den Typen eingestellt?)

Link zum Artikel

YouTuberin verwandelt Teslas Model 3 in Pick-up – und das Resultat ist grandios

Link zum Artikel

«Ab 30 kann Mann keine kurzen Hosen mehr tragen!» – watson-Chef klärt uns auf 🙄

Link zum Artikel

Diese Schweizer Fussballer haben noch keinen Vertrag für nächste Saison

Link zum Artikel

Herr Matthes, wie gross ist die Schadenfreude bei Nokia über Huaweis Trump-Schlamassel?

Link zum Artikel

Ein Streik kommt selten allein – so wollen die Frauen weitermachen

Link zum Artikel

Nach 27 Jahren kommt der Nachfolger der SMS – das musst du über RCS wissen

Link zum Artikel

Merkel beginnt bei Staatsbesuch plötzlich zu zittern – Entwarnung folgt kurz darauf

Link zum Artikel

Hitzewarnung der höchsten Stufe

Link zum Artikel

Ohrfeige für Bundesanwalt vom Bundesstrafgericht – Lauber ist im FIFA-Fall befangen

Link zum Artikel

40 Millionen Liter Trinkwasser verschwunden? Das Rätsel von Tägerig ist gelöst

Link zum Artikel

OMG – wir haben Knoblauch unser ganzes Leben lang falsch geschält

Link zum Artikel

Warum Donald Trump 2020 wiedergewählt wird – und warum nicht

Link zum Artikel

Ein 3-jähriges Mädchen zerstört eine Fliege – das macht dann 56'000 Franken

Link zum Artikel

«Kann man sich in einen guten Freund verlieben?»

Link zum Artikel

Luzern ruft Klimanotstand aus

Link zum Artikel

Federer vor Halle-Auftakt: «Rasen hat seine eigenen Regeln – vor allem für mich»

Link zum Artikel

We will always love you – vor 60 Jahren veröffentlichte Dolly ihre erste Single

Link zum Artikel

Fazit nach Frauenstreik: Hunderttausende Menschen protestierten für Gleichstellung

Link zum Artikel

«Er hat nicht unrecht» – das sagt Christoph Blocher zu SVP-Glarners Handy-Terror

Link zum Artikel

Du willst dein Handy sicherer machen? Dann solltest du diese 10 Regeln kennen

Link zum Artikel

FCB-Sportchef Streller tritt mit emotionalem SMS zurück: «Es bricht mir s’Herz»

Link zum Artikel

Trump hat sich im Persischen Golf verzockt

Link zum Artikel

5 Action-Heldinnen, die die Filmwelt ordentlich gerockt haben

Link zum Artikel

Preisgeld-Vergleich: So viel mehr kassieren Männer im Sport als Frauen

Link zum Artikel

14 Gründe, warum die Frauen heute streiken

Link zum Artikel

«Das stimmt einfach nicht» – Martullo-Blocher wird in der «Arena» vorgeführt

Link zum Artikel

Nach Handy-Terror: Betroffene Mutter rechnet mit SVP-Glarner ab – und wie

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

9 spannende Geisterstädte und ihre Geschichten

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Kramer 01.04.2019 22:56
    Highlight Highlight Solange er nicht korrupt ist, nehmen wir ihn.
  • Basti Spiesser 01.04.2019 18:03
    Highlight Highlight Vertreter Selenskijs und Timoschenkos berichten von zahlreichen Unregelmäßigkeiten, darunter Stimmenkauf und mehrfache Stimmabgaben.
  • nomoney_ nohoney 01.04.2019 16:37
    Highlight Highlight "Selenski sei «zu allgemein» und habe «keine konkreten Ideen». Für einen Präsidentschaftskandidaten sei dies ein «furchterregender» Befund.
    ...
    Zu Selenskis Wahlversprechen gehörten daher der «Kampf für den Frieden in der Ukraine» und ein «Sieg über die Korruption»."

    Ist doch gut, dass er sich auf zwei (offensichtlich) brennende Themen beschränkt? Wenn er was bewegt hat, können immer noch neue Probleme angegangen werden. Andere lenken einfach ab mit ihren leeren, utopischen Versprechen die sie dann nicht halten können/wollen..
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 01.04.2019 15:59
    Highlight Highlight Schlechter als der Stinkreiche Oligarch Poroschenko wird er es ja kaum machen können
    • PaLve! 01.04.2019 16:49
      Highlight Highlight Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich froh sein würde, wenn einer der sich als Clown bezeichnet zum Präsidenten wird...
  • Albert J. Katzenellenbogen 01.04.2019 14:58
    Highlight Highlight Hoffentlich hat er nicht noch einen "Unfall" oder wird "eines Verbrechens überführt" bevor er zum Präsident werden kann.
  • c-bra 01.04.2019 14:48
    Highlight Highlight Dann wir die Ukraine wohl nach den USA schon die zweite Nation, welche von einem Clown regiert wird.
    • PaLve! 01.04.2019 15:50
      Highlight Highlight Ob das wohl schlimmer wird sein als Poroschenko??..
    • Deckardcain 01.04.2019 15:51
      Highlight Highlight Mit dem groben unterschied das einer sich nicht als Clown ansieht und das einer der 2 sehr lernwillig sein soll. Mal schauen wie sich das entwickeln wird, das einzige was wir machen können ist Spekulieren.

Abschuss des Flugs MH17: 1 Ukrainer und 3 Russen wegen Massenmordes angeklagt

Knapp fünf Jahre nach dem Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ukraine haben die Ermittler die ersten Haftbefehle gegen vier mutmassliche Täter ausgestellt. Vier hochrangige prorussische Rebellen würden wegen mehrfachen Mordes strafrechtlich verfolgt, kündigten die Ermittler am Mittwoch in Nieuwegein bei Utrecht an.

Drei sind den Angaben zufolge russische Staatsbürger, einer ist Ukrainer. Der Strafprozess gegen die vier Männer wegen 298fachen Mordes solle am 9. März 2020 in den …

Artikel lesen
Link zum Artikel