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epa07169793 People hold photo of slain Saudi journalist Jamal Khashoggi as they perform a prayer at Fatih Mosque in Istanbul, Turkey, 16 November 2018. According to reports, Saudi Arabia's Attorney General Saud al-Mujeb on 15 November told a press conference that an order to bring back Saudi journalist Jamal Khashoggi to Saudi Arabia, even by force, was issued on 29 September by the former Deputy President of the General Intelligence Presidency. Al-Mujeb announced he had requested the death penalty for five people who have allegedly confessed to their involvement in the killing of Khashoggi at the kingdom's consulate building in Istanbul on 02 October and confirmed that 11 people had been accused of participating in the assassination of Khashoggi.  EPA/TOLGA BOZOGLU

Protest in Istanbul nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi. Bild: EPA/EPA

Laut CIA befahl saudischer Kronprinz Mord an Khashoggi



Der US-Auslandsgeheimdienst CIA kommt nach Medienberichten zur Einschätzung, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi angeordnet hat. Riad bestritt bislang jegliche Beteiligung des Kronprinzen am Mord.

US-Vize Pence droht:

Die USA werden die Verantwortlichen für die Tötung des saudiarabischen Journalisten Jamal Khashoggi nach Worten von US-Vize-Präsident Mike Pence zur Rechenschaft ziehen. «Die USA sind entschlossen, all diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die für diese Tötung verantwortlich sind», sagte Pence am Samstag am Rande des Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Papua Neuguinea. (sda/afp)

Die CIA sei zu dieser Schlussfolgerung gekommen, nachdem sie mehrere Quellen ausgewertet habe, darunter ein Telefongespräch zwischen dem Bruder des Kronprinzen und Khashoggi, berichtete die «Washington Post» am Freitag unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

epaselect epa07113469 A handout photo made available by the Saudi Royal Palace shows Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman (R) meeting with Salah bin Jamal Khashoggi (L), son of late Saudi journalist Jamal Khashoggi, in Riyadh, Saudi Arabia, 23 October 2018. Reports state Turkish President Recep Tayyip Erdogan said on 23 October that murder of Saudi journalist Jamal Khashoggi at his country's consulate in Istanbul was premeditated and requested the Arab kingdom hand over those responsible to face trial in Turkey. Saudi Arabian official media on 19 October reported that journalist Jamal Khashoggi died as a result of a physical altercation inside the kingdom's consulate in Istanbul, where he was last seen entering on 02 October for routine paperwork.  EPA/BANDAR ALGALOUD HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (r) und Salah bin Jamal Khashoggi (l), Sohn des verstorbenen Journalisten.  Bild: EPA/SAUDI ROYAL PALACE

Bei dem Telefonat habe Khalid bin Salman Khashoggi gesagt, dass er in das saudische Konsulat nach Istanbul gehen soll, um Dokumente abzuholen, schrieb die Zeitung. Er habe dem Journalisten zugesagt, dass dies sicher sei. Khalid bin Salman ist saudischer Botschafter in den USA. Er habe den Anruf auf Anordnung seines Bruders getätigt. Die Zeitung schrieb aber, dass es unklar sei, ob der Botschafter davon gewusst habe, dass Khashoggi ermordet werden würde.

Kronprinz-Bruder bestreitet Kontakt

Khalid bin Salman selbst schrieb auf Twitter, er habe nicht mit Khashoggi am Telefon gesprochen und er habe ihm auch nicht empfohlen, in die Türkei zu reisen. Sein letzter Kontakt mit dem Journalisten sei am 26. Oktober 2017 per Textnachricht gewesen. Die «Washington Post» schrieb, der Anruf sei von US-Geheimdiensten abgehört worden.

Chalid bin Salman reagierte im Kurzbotschaftendienst Twitter auf den Bericht: «Das ist eine schwere Anschuldigung, die nicht anonymen Quellen überlassen werden sollte», schrieb der Botschafter. Ein Botschaftssprecher erklärte, Chalid bin Salman habe «niemals irgendein Telefonat» mit Khashoggi geführt. Die CIA wollte sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP nicht äussern.

Auch das «Wall Street Journal» und die Nachrichtenagentur AP berichteten über die Einschätzung der CIA. Die Zeitung zitierte eine Quelle mit den Worten, die Tötung des Journalisten sei ohne die Beteiligung des Kronprinzen nicht möglich gewesen.

Die «Washington Post» berichtete, US-Regierungsvertreter hätten der CIA-Einschätzung eine hohe Glaubwürdigkeit attestiert. Die saudiarabische Regierung dagegen hatte bislang eine Verstrickung des Kronprinzen in den Mord an Khashoggi stets bestritten. Die CIA-Analyse könnte die Bemühungen von US-Präsident Donald Trump erschweren, die amerikanischen Interessen mit seinem saudischen Verbündeten zu wahren.

Trump war wegen des Falls unter Druck geraten. Auch unter seinen Republikanern wurden die Stimmen immer lauter, die forderten, die Regierung müsse Sanktionen gegen Verantwortliche verhängen. Trump hatte in dem Fall lange Zeit einen Zick-Zack-Kurs hingelegt und einen Bruch mit Saudi-Arabien vermieden. Der US-Präsident pflegt enge Verbindungen zu dem Land und sieht es als wichtigen Partner in der Region und bedeutenden Käufer amerikanischer Waffen.

epa07171209 US President Donald J. Trump (R) and First Lady Melania Trump (L) prepare to award the Presidential Medal of Freedom to seven individuals in the East Room of the White House in Washington, DC, USA, 16 November 2018. The medal is the nation’s highest civilian honor, and awarded at the discretion of the President.  EPA/JIM LO SCALZO

US-Präsident Donald Trump pflegt enge Verbindungen zum saudischen Königshaus. Bild: EPA/EPA

Im Konsulat in Istanbul umgebracht

Der im US-Exil lebende saudische Regierungskritiker Khashoggi war Anfang Oktober in dem Konsulat seines Heimatlandes in Istanbul umgebracht worden. Er wollte Dokumente für seine Hochzeit mit einer Türkin abholen. Unter immensem internationalen Druck auf Saudi-Arabien gab die autokratische Regierung in Riad schliesslich den Tod von Khashoggi zu, der auch für die «Washington Post» schrieb. Sein Leichnam blieb bislang verschwunden.

Saudi-Arabien beschuldigt hochrangige Regierungsmitarbeiter, ein 15-köpfiges Spezialteam zur Ausführung der Tat auf eigene Faust losgeschickt zu haben. Der saudische Generalstaatsanwalt forderte die Todesstrafe für fünf an der Tat Beteiligte. Insgesamt sind elf Männer angeklagt. Nach offizieller Darstellung Saudi-Arabiens gilt als Drahtzieher der ehemalige Vizechef des Geheimdienstes, Ahmed al-Asiri. Die USA planen Sanktionen gegen 17 Staatsbürger Saudi-Arabiens. (leo/sda/reu/dpa/ap)

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    Alle Leser-Kommentare
  • swisskiss 17.11.2018 13:23
    Highlight Highlight Trump akzeptiert die Einschätzung des CIA=unwahrscheinlich, da dies härteres Vorgehen gegen die Saudis bedeuten würde.

    Trump widerspricht der Einschätzung des CIA= dem eigenen Geheimdienst nicht glauben? Nicht das erste Mal.

    Trump ignoriert die Einschätzung des CIA= der Sturm im Kongress, auch von Reps. ist sicher.

    Und dann kommt man zur eigentlichen Frage: Wie wenig hat Trump seine Laden im Griff, dass er nicht mal verhindern kann, dass ein ihm unterstellter Dienst, eine solche Einschätzung öffenlich machen kann und ihn so unter Druck setzten kann.

    Unfähigkeit und Führungsschwäche!
  • Sauäschnörrli 17.11.2018 12:59
    Highlight Highlight Er wird es immer noch so sehen.

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  • Vanessa_2107 17.11.2018 12:21
    Highlight Highlight Mir scheint, über diese Version hat man schon ganz am Anfang gelesen und die scheint auch am plausibelsten.
  • BananaJoe 17.11.2018 11:42
    Highlight Highlight Was? Damit hätte wohl wirklich niemand gerechnet.
  • who cares? 17.11.2018 10:21
    Highlight Highlight Interessante Herz - Blitz Verhältnisse in den Kommentaren hier...
  • Alphonse Graf Zwickmühle 17.11.2018 09:39
    Highlight Highlight Ich sage es nur ungern, dass ist mir langsam alles Kamel wie Ziege...
  • Lacaduc 17.11.2018 09:31
    Highlight Highlight Ich kenne die Situation nicht. Ob der Kronprinz pro USA ist oder nicht weiss ich auch nicht. Ist er es nicht, würde ich ein Sch.... auf die Beweise der CIA geben. Oder hat sich noch niemand gefragt, wieso die Amis sich so ins Zeug legen einen Mord aufzuklären?
    • swisskiss 17.11.2018 10:24
      Highlight Highlight Lacaduc: Und wenn er es ist? Was machst Du dann mit Deiner Meinung, die so komplett wissensfrei ist?

      In die Tonne treten? Gute Idee!

      Und danach mal etwas im Intenet recherchieren, welche Interessen die USA in Saudi Arabien vertreten, welch wichtiger wirtschaftlicher und militärstrategischer Partner die Saudis sind und wie Trump den Kronprinzen hofierte.

      Kleiner Tipp: Etwas in Frage zu stellen und Jemandem Motive zu unterstellen, bedingt ein Mindestmass an Wissen. Also husch ins Netz und ein wenig Wissensfundament aufbauen!
  • The Writer Formerly Known as Peter 17.11.2018 09:15
    Highlight Highlight Es wird eng für den Kronzprinzen. Fordert der Staatsanwalt in Riad nun auch seinen Tod oder untersucht er wenigstens? Er scheint aber schon vor Tagen davon überzeugt gewesen zu sein, dass der Kronprinz nichts damit zu tun hat...
    • meliert 17.11.2018 09:38
      Highlight Highlight MbS kriegt vom Papa 1 Tag Stubenarrest und seine Kreditkarte wird für 24 Std gesperrt.

      Sarkasmus Ende
  • Gawayn 17.11.2018 08:52
    Highlight Highlight Wenn nicht der Prinz oder die Regierung den Mord in Auftrag gegeben haben, wer dann?

    Es ist ja ein ganzes Team für die Tötung hin beordert worden.
    Das kann unmöglich was anderes, als von höchster Regierungsstelle befohlen sein.
  • tnr 17.11.2018 08:46
    Highlight Highlight Die Türkei verhält sich hier taktisch sehr klug. Sie lassen immer wieder ein wenig Beweismittel durchsickern damit die Internationale Gemeinschaft Druck auf die Saudis üben. Zuletzt wurde vom türkischen Inlandsgeheimdienst die Audioaufzeichnungen zur ermordung von Kashoggi an die USA , England , Deutschland und Frankreich abgegeben.
    Es soll noch Leichenteile gefunden worden sein vom Herr Kashoggis Schädel und Videoaufzeichnungen vom mord. Diese 2 Beweismittel werden die Türkei als letztes Druckmittel benutzen. Man kann Erdogan hassen oder lieben, aber er ist ein sehr guter taktiker
    • swisskiss 17.11.2018 10:39
      Highlight Highlight tnr: Von eigenen Verfehlungen ablenken, ist keine Taktik, da die Machthaber innerhalb "der interationalen Gemeinschaft" ihr eigenes Süppchen kochen und die Saudis als useful idiots für den eigenen Oelbedarf mit Sicherheit nicht wirklich nachhaltig bestrafen werden.

      Das beste Beispiel die USA, wo Trump schon im Vorfeld verkündete, dass weder Waffenlieferungen noch ihre Militärbasen in Saudi Arabien zur Disposition stehen.

      Symbolpolitik mit Kontensperrungen und Einreiseverbote sind ein Witz!

      Da wird die Aufkärung der Türkei auch nicht als hilfreich betrachtet, sondern stört höchstens.
  • Therealmonti 17.11.2018 07:46
    Highlight Highlight Keine Bange. Wie schon bei der vom CIA aufgedeckten Einmischung Russlands in die US-Wahlen, wo Trump Putin glaubt und nicht seinen Geheimdiensten, wird der US-Präsident auch dieses Mal dem Saudi-Kronprinzen mehr Glauben schenken als dem CIA. Schliesslich will er seine Geschäfte mit den Saudis und die Milliarden-Waffenverkäufe nicht gefährden und sein Schwiegersohn ist ja ein guter Freund vom Saudi- Herrscher Mohammed bin Salman. Interessant auch: MbS-Bruder Chalid, Saudi-Botschafter in den USA, ist kurz nach dem Mord an Kashoggi aus den USA abgehauen und wart dort seither nicht mehr gesehen.

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