USA beschlagnahmen Tanker, der unter russischer Flagge fährt – mit britischer Hilfe
Ein mutmasslich vor einer US-Kontrolle geflohener Öltanker sorgt für Spannungen zwischen Russland und den USA im Nordatlantik. Das Frachtschiff «The Marinera» soll sich unter russischer Flagge fahrend derzeit zwischen Island und Schottland befinden.
Zuvor soll es – noch mit anderem Namen auf dem Weg nach Venezuela – plötzlich den Kurs geändert haben, um der Durchsuchung durch die US-Küstenwache zu entgehen, wie das «Wall Street Journal» und der Sender CBS berichteten.
Russland hat den Berichten zufolge ein U-Boot und weitere Schiffe zum Schutz des Tankers entsendet. Die Nachrichtenagentur PA berichtete, ein britisches Aufklärungsflugzeug soll entlang der Route des Schiffes unterwegs gewesen sein.
Die Beschlagnahmung des Tankers wurde von der US-Küstenwache und dem US-Militär ausgeführt. Die New York Times schreibt, die US-Coast Guard habe den Tanker erfolgreich geentert und sei dabei auf keinen Widerstand der Besatzung gestossen.
The @TheJusticeDept & @DHSgov, in coordination with the @DeptofWar today announced the seizure of
— U.S. European Command (@US_EUCOM) January 7, 2026
the M/V Bella 1 for violations of U.S. sanctions. The vessel was seized in the North Atlantic pursuant to a warrant issued by a U.S. federal court after being tracked by USCGC Munro. pic.twitter.com/bm5KcCK30X
Das europäische Kommando der Vereinigten Staaten bestätigte die Beschlagnahmung über die Plattform «X» und veröffentlichte eine entsprechende Stellungnahme.
Britisches Militär unterstützte US-Operation
Das britische Verteidigungsministerium gab bekannt, dass es die Beschlagnahmung der USA des unter russischer Flagge fahrenden Tankers unterstützt hat. Dazu setzte das britische Militär unter anderem Flugzeuge der Royal Air Force ein. Die Aktion war laut des britischen Verteidigungsministers John Healey «Teil der weltweiten Bemühungen zur Bekämpfung von Sanktionsverstössen», berichtet BBC.
«Die USA sind der wichtigste Verteidigungs- und Sicherheitspartner des Vereinigten Königreichs», so ein Sprecher des britischen Premierministers Keir Starmer.
USA: Beschlagnahmter Tanker transportiert Öl auch aus Iran
Der Tanker transportiert nach US-Angaben nicht nur Erdöl aus Venezuela, sondern auch aus dem Iran. US-Justizministerin Pam Bondi schrieb auf der Plattform X, die USA hätten einen Befehl zur Beschlagnahmung des Rohöltankers vollstreckt, «der für den Transport von sanktioniertem Öl aus Venezuela und dem Iran verantwortlich ist». Wohin das Öl aus dem nun beschlagnahmten Schiff transportiert werden sollte, wird aus Bondis Mitteilung nicht deutlich.
Das Schiff sei wegen seiner Rolle «in einem Netzwerk zur Umgehung von Sanktionen, das für die Unterstützung ausländischer terroristischer Organisationen verantwortlich ist», in das Visier der USA geraten, schrieb Bondi.
Bondi schrieb weiter, gegen die Besatzungsmitglieder des Schiffs werde umfassend ermittelt, weil sie den Anweisungen der Küstenwache nicht Folge geleistet und versucht hätten zu fliehen. Gegen alle schuldigen Akteure würden strafrechtliche Schritte eingeleitet.
Das Justizministerium überwache zudem mehrere andere Schiffe im Hinblick auf ähnliche Durchsetzungsmassnahmen. «Jeder, der sich auf einem Schiff befindet und den Anweisungen der Küstenwache oder anderer Bundesbeamter nicht Folge leistet, wird überprüft und mit der ganzen Härte des Gesetzes verfolgt.»
US-Militär: Zweiter Öltanker in der Karibik beschlagnahmt
Das US-Militär hat ausserdem bekannt gegeben, einen zweiten mit Venezuela in Verbindung stehenden Öltanker in der Karibik beschlagnahmt zu haben.
Das Schiff, ein «staatenloser, sanktionierter Tanker der dunklen Flotte», wurde in einer Operation vor Tagesanbruch aufgebracht, heisst es in einer Erklärung des US-Militärs.
Kristi Noem, US-Ministerin für Innere Sicherheit, bestätigt auf ihrem X-Account die Beschlagnahmung zweier Tanker. Beide Schiffe hätten entweder zuletzt in Venezuela vorgehabt, Anker zu setzen oder seien auf dem Weg dorthin gewesen.
Russland betrachtet die Lage mit Sorge
US-Präsident Donald Trump hatte bereits vor der militärischen Operation in Venezuela mit der Gefangennahme von Präsident Nicolás Maduro eine Seeblockade für sanktionierte Öltanker angeordnet, die Richtung Venezuela steuern oder einen Hafen des rohstoffreichen Landes verlassen.
«The Marinera» soll den Berichten zufolge zuvor als «Bella 1» Öl aus Venezuela und dem Iran transportiert haben. Russland wird von den westlichen Alliierten beschuldigt, alte Tanker zu nutzen, um Sanktionen zu umgehen.
Das Aussenministerium in Moskau teilte der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge mit, Russland betrachte die aussergewöhnliche Situation mit Besorgnis. Das russische Aussenministerium fordert eine ungehinderte Heimkehr der Seeleute auf dem von der US-Marine im Nordatlantik aufgebrachten Öltanker.
«Angesichts der Berichte, dass russische Bürger zur Besatzung gehören, verlangen wir von der amerikanischen Seite, ihre humane und würdige Behandlung sicherzustellen, ihre Rechte und Interessen strikt zu wahren und eine schnellstmögliche Rückkehr in die Heimat nicht zu behindern», hiess es vom Ministerium nach Angaben russischer Nachrichtenagenturen.
Das russische Verkehrsministerium kritisierte das US-Vorgehen unter Verweis auf die UN-Seerechts-Konvention von 1982. Demnach habe kein Staat das Recht, in internationalen Gewässern die freie Fahrt ordnungsgemäss registrierter Schiffe zu behindern. Der Tanker habe am 24. Dezember eine vorläufige Erlaubnis erhalten, unter russischer Flagge zu fahren, hiess es. Diese sei ordnungsgemäss und nach internationalem Recht erteilt worden.
Das Schiff befahre derzeit unter der Flagge der Russischen Föderation in Übereinstimmung mit den Normen des internationalen Seerechts die Gewässer des Nordatlantiks.
Aus unverständlichen Gründen schenkten das US-Militär und die Nato seinem zivilen Status nicht angemessene erhöhte Aufmerksamkeit, hiess es. Schon seit einigen Tagen folge dem Tanker ein Schiff der US-Küstenwache, obwohl er ungefähr 4000 Kilometer von der US-Küste entfernt sei.
Dem «Wall Street Journal» zufolge wollte der Tanker ursprünglich in Venezuela anlegen und soll derzeit ohne Fracht unterwegs sein.
Nach der Kursänderung soll die US-Küstenwache dem Schiff gefolgt sein – erst dann soll die Besatzung die russische Flagge auf die Seite des Schiffes gemalt und die Registrierung geändert haben.
Das Southern Command der USA schrieb am Dienstag auf der Plattform X, sich sanktionierten Schiffen und Akteuren entgegenzustellen. (nib/hkl/sda/dpa)
