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Russland

Ukraine Krieg: Russlands Armee hat nach vier Jahren Krieg Soldatenmangel

157 tote Russen pro Kilometer: Putins Armee am Wendepunkt

Nach vier Jahren Krieg wird viel über den ukrainischen Soldatenmangel berichtet. Dabei steht auch Russland vor einem möglicherweise kriegsentscheidenden Dilemma.
24.02.2026, 12:5324.02.2026, 12:53
Bojan Stula

Vier Jahre nach dem Überfall auf die Ukraine könnte sich der Abnutzungskrieg an einer nüchternen Kennzahl entscheiden: dem Verhältnis zwischen Gefallenen und dauerhaft kampfunfähigen Verwundeten. Hinter dieser Statistik steht die strategische Kernfrage: Schrumpft Russlands Armee? Oder wächst sie trotz enormer Verluste weiter?

Nicht mehr genug Freiwillige: Am Tag der «Verteidiger des Vaterlandes» wird diesen russischen Kindern in Krasnogorsk (nahe Moskau) der Waffengebrauch schmackhaft gemacht.
Nicht mehr genug Freiwillige: Am Tag der «Verteidiger des Vaterlandes» wird diesen russischen Kindern in Krasnogorsk (nahe Moskau) der Waffengebrauch schmackhaft gemacht.Bild: Getty Images

Der US-Militäranalyst Sasho Todorov beziffert die russischen Verluste anhand eigener Datenbanken und externer Quellen wie Todesanzeigen. Im vergangenen Jahr 2025 rechnet er mit 140’000 bis 175’000 Toten – im Schnitt also 11’500 bis 14’500 pro Monat.

Dem stellt Moskau nach eigenen Angaben rund 33’000 neue Freiwillige pro Monat gegenüber. Auf den ersten Blick gleicht Russland seine Verluste damit mehr als aus. Doch diese Rechnung greift laut Todorov zu kurz.

So zynisch diese Rechnerei auch klingen mag: In einem Abnutzungskrieg zählen eben nicht nur die Toten, sondern die «permanenten Verluste» – also die Gefallenen plus jene Vermissten und Verwundeten, die dauerhaft nicht mehr einsatzfähig sind. 2022 lag das Verhältnis auf beiden Seiten bei vier Verwundeten auf einen Gefallenen. Inzwischen scheint es eher bei 2:1 zu liegen. Das deutet darauf hin, dass mehr Verwundete sterben oder gar nicht erst medizinisch erfasst werden. Gleichzeitig ist die Zahl schwerster Verletzungen – etwa Amputationen – aussergewöhnlich hoch.

Je nach Annahme ergeben sich unterschiedliche Szenarien: Konservativ gerechnet verzeichnet Moskau monatlich 20’000 bis 26’000 permanente Verluste. Das hiesse im Umkehrschluss: Putins Armee wächst auch ohne Zwangsmobilisierung weiter. Rechnet man aggressiver, ergeben sich 30’000 bis 38’000 – Russlands Truppen stagnieren oder schrumpfen sogar.

Hinzu kommen gemäss Todorov Faktoren, die in keiner Frontstatistik erscheinen: Das Medianalter der russischen Soldaten liegt bei sehr hohen 41 Jahren, ein Viertel ist sogar älter als 47. Viele Rekruten stammen aus strukturschwachen Regionen mit mangelhafter Gesundheitsversorgung. Krankheitsausfälle, Vertragsauflösungen oder nicht kampfbedingte Verletzungen dürften die effektive Truppenstärke zusätzlich schmälern.

Entscheidender Wendepunkt: Putins Position bröckelt

In einem Interview vom Montag sagte der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski, Russland verliere derzeit bis zu 35’000 Soldaten pro Monat. 8000 bis 10’000 davon könne Moskau inzwischen nicht mehr ersetzen. «Wir haben berechnet, dass Russland jeden Kilometer, den es vorrückt, mit 157 getöteten Soldaten bezahlen muss.»

ARCHIV - 15.12.2025, Berlin: Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Pr
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski.Bild: DPA

Unabhängig überprüfen lassen sich diese Angaben nicht. Westliche Thinktanks kommen jedoch zu ähnlichen Grössenordnungen. Das Center for Strategic and International Studies (CSIS) spricht in einer Studie von Ende Januar von «beispiellosen Verlusten seit dem Zweiten Weltkrieg» und bezeichnet Russland als «Macht im Abstieg». Die Gesamtzahl der seit Februar 2022 getöteten russischen Soldaten schätzt das in Washington ansässige Zentrum auf 325’000; inklusive Verwundeter und Vermisster summierten sich die Verluste auf rund 1,2 Millionen. Für die Ukraine gehen die Autoren von 600’000 Ausfällen aus, darunter bis zu 140’000 Tote.

Christina Harward vom Institute for the Study of War (ISW) zeichnet in einem Kommentar für die «New York Post» das Bild eines Kremlchefs, der sich gegenüber dem Westen als zwangsläufiger Sieger inszeniert, obwohl seine Position in Wahrheit bröckelt. Dabei stehe seine Armee an einem entscheidenden Wendepunkt.

Für die Analystin steht fest, dass Putin 2026 erstmals nicht mehr genügend neue Freiwillige durch das bisher so erfolgreiche Prämiensystem anwerben kann, um die horrenden Verluste auszugleichen. Folglich könne er den Krieg nur noch dann militärisch gewinnen, wenn er eine neue, unpopuläre Zwangsmobilisierung durchführt. Die erste und bisher einzige solche Massnahme führte 2022 jedoch zur panikartigen Ausreise Hunderttausender junger Russen. (aargauerzeitung.ch)

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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JBV
24.02.2026 13:07registriert September 2021
Ich fürchte Putin lässt sich von diesen Berechnungen nicht beeindrucken. Er ist bereit sehr weit zu gehen, schliesslich zieht er immer wieder Parallelen zum Grossen Vaterländischen Krieg in dem die Sowjetunion Millionen von Soldaten verlor. Sein Regime scheint so gefestigt das er auch vor einer Mobilmachung nicht zurückschreckt, wenn es denn sein muss. Grosser Widerstand ist kaum zu erwarten oder würde bereits im Keim erdrückt.
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Mäni99
24.02.2026 13:03registriert Februar 2020
In dieser Darstellung wird anscheinend nicht berücksichtigt, dass Russland Soldaten aus anderen Ländern rekrutiert ( oder habe ich dies überlesen … ).
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