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Schüsse auf Nationalgardisten: Vom CIA-Verbündeten zum Attentäter

This photo combo shows, National Guard members, from left, Staff Sgt. Andrew Wolfe and Specialist Sarah Beckstrom. (U.S. Attorney’s Office via AP)
National Guard Shooting
Die Nationalgardisten Andrew Wolfe und Sarah Beckstrom wurden am Mittwoch Opfer eines Angriffs.Bild: keystone

Schüsse auf Nationalgardisten: Vom CIA-Verbündeten zum Attentäter

Der 29-jährige Afghane kämpfte jahrelang an der Seite der Amerikaner. Das soll seine mentale Gesundheit beeinträchtigt haben.
29.11.2025, 12:2129.11.2025, 12:21
Natasha Hähni / ch media

Am Mittwochnachmittag schoss ein Mann auf zwei Nationalgardisten. Der 24-jährige Andrew Wolfe schwebt aktuell noch in Lebensgefahr, die 20-jährige Sarah Beckstrom erlag ihren Verletzungen, wie Präsident Donald Trump am Donnerstag verkündete. Auf Facebook schrieb ihr Vater, Gary Beckstrom: «Mein kleines Mädchen ist in die Herrlichkeit heimgegangen.»

Warum genau Wolfe und Beckstrom Ziel des Angriffs wurden, ist unklar. Trump sprach von einem «Akt des Terrors».

Der mutmassliche Täter ist ein 29-jähriger afghanischer Staatsbürger namens Rahmanullah Lakanwal. Er kam nach dem chaotischen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan und der darauffolgenden Machtübernahme der Taliban in die USA. Dies, weil er jahrelang mit der US-Regierung, unter anderem mit der CIA, zusammengearbeitet hatte.

Teil einer geheimnisvollen Spezialeinheit

Lakanwal war Teil einer sogenannten «Zero Unit» in Kandahar, einer Provinz im Süden Afghanistans. Die Spezialeinheiten waren laut der «Washington Post» oft an gefährlichen und häufig tödlichen Kampfeinsätzen beteiligt, um mutmassliche Terroristen der Taliban, al-Kaida oder des Islamischen Staates festzunehmen oder zu töten. Das brachte ihnen den Übernamen «Todeskommandos» (englisch: «Death Squads») ein. Laut eines Berichts von Human Rights Watch (2019) werden ihnen in diesem Zusammenhang Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen.

This photo provided by the U.S. Attorney's Office on Thursday, Nov. 27, 2025, show Rahmanullah Lakanwal. (U.S. Attorney’s Office via AP)
National Guard Shooting
Der mutmassliche Täter, Rahmanullah Lakanwal, kämpfte jahrelang an der Seite von US-Truppen.Bild: keystone

Die geheimnisvollen Einheiten waren offiziell Teil des afghanischen Geheimdienstes, wurden jedoch laut dem Magazin «Rolling Stone» von der CIA und US-Spezialeinheiten ausgebildet, rekrutiert, ausgerüstet – und oft sogar bezahlt. Lakanwal stiess laut der Nachrichtenagentur AP als Teenager zur Einheit, wo er fast zehn Jahre blieb und als Teamleiter sowie GPS-Spezialist arbeitete.

Afghanische Mitglieder dieser Spezialeinheiten galten als hochangesehene, effektive Kämpfer und unterstützten die USA laut US-Beamten sogar bei der hektischen Evakuierung aus Kabul im August 2021. Sie mussten vor ihrem Eintritt umfassende Sicherheitsüberprüfungen durchlaufen und wurden während ihres Dienstes eng überwacht. Daher wandte sich während des gesamten Krieges kein einziges afghanisches Mitglied gegen US-Truppen.

Seine psychische Gesundheit litt stark

Welche Rolle Lakanwal bei den «Zero Units» genau ausübte, ist bisher nicht bekannt. Sicher ist nur, dass er im September 2021 – wie rund 70'000 weitere Afghaninnen und Afghanen, darunter etwa 10'000 «Zero Unit»-Mitglieder – im Rahmen der «Operation Allies Welcome» in die USA kam. Die Zeit in der Spezialeinheit setzte ihm jedoch stark zu. «Wenn er Blut, Leichen und Verletzte sah, konnte er das kaum aushalten», sagte ein Kindheitsfreund des mutmasslichen Täters gegenüber der «New York Times».

Angeblich stand Lakanwal unter enormem Stress, seine mentale Gesundheit litt stark. Offenbar versuchte er, sich mit Marihuana-Missbrauch selbst zu helfen. Wie der Freund zur «NYT» sagte, sei er gegen Ende seiner Zeit bei der «Zero Unit» so neben der Spur gewesen, dass er seine zweite Frau heiratete – und sich innerhalb weniger Tage wieder scheiden liess.

Seit rund einem Jahr lebte er mit seiner Frau und seinen fünf Kindern in einer Wohnung in Bellingham im Bundesstaat Washington, im Nordwesten der USA. Nachbarn beschrieben ihn gegenüber der «Washington Post» als höflich. Ein Nachbar sagte, er habe Lakanwal seit Wochen nicht mehr gesehen.

Behörden zufolge fuhr er quer durch das Land, um am Mittwoch seinen Angriff auf die beiden Nationalgardisten auszuüben.

Nach der Verkündung von Sarah Beckstroms Tod drohte Trump damit, die Migration «aus allen Drittweltländern» vollständig zu stoppen. Zugleich teilte die US-Behörde für Staatsbürgerschaft und Einwanderung mit, dass sämtliche Einwanderungsanträge afghanischer Staatsangehöriger vorerst ausgesetzt wurden. Zudem wurden 500 weitere Mitglieder der Nationalgarde in die Landeshauptstadt geschickt. (aargauerzeitung.ch)

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