Musk gegen Altman: Der Milliardärsstreit um die Zukunft der KI kommt vor Gericht
Der Ton zwischen den beiden Tech-Milliardären war selten sachlich. Am Montag bezeichnete Musk Altman auf seiner Plattform X erneut als «Scam Altman» – Betrugs-Altman. Doch ab Dienstag verlagert sich der Konflikt in einen Bundesgerichtssaal in Oakland, Kalifornien. Dort beginnt ein Prozess, der bis zu einem Monat dauern soll. Beide Männer werden persönlich aussagen.
Gemeinsamer Anfang, bitteres Ende
Musk und Altman gründeten OpenAI 2015 gemeinsam als gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, künstliche allgemeine Intelligenz – also KI, die menschliche Intelligenz übertrifft – zum Wohl der gesamten Menschheit zu entwickeln. Altman, damals noch 14 Jahre jünger als Musk und vor allem in Silicon-Valley-Kreisen bekannt, hatte die Idee zu OpenAI lanciert. Er soll Musk einst als sein Vorbild bezeichnet haben.
Die Zusammenarbeit währte nicht lange. Bereits 2018 verliess Musk das Unternehmen nach einem internen Machtkampf. OpenAI gibt an, Musk habe die alleinige Kontrolle als CEO angestrebt – und sei damit gescheitert. Musk selbst schrieb kurz vor seinem Abgang in einer internen E-Mail: «Entweder macht ihr etwas auf eigene Faust oder führt OpenAI als Non-Profit weiter. Ich finanziere das nicht länger.»
Der Vorwurf: Verrat an der Mission
2022 veröffentlichte OpenAI ChatGPT – und löste damit eine globale KI-Revolution aus. Innerhalb weniger Monate verzeichnete der Chatbot 100 Millionen monatliche Nutzer. Musk hatte das Unternehmen da längst verlassen und beobachtete den Aufstieg seines früheren Projekts von aussen.
2024 reichte er Klage ein. Sein Vorwurf: OpenAI habe seine gemeinnützige Mission verraten und sich stattdessen auf die Gewinnmaximierung zugunsten des Investors Microsoft ausgerichtet. Musk sagt, er habe rund 40 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert, nachdem er von den Gründern getäuscht worden sei. Er fordert Milliarden Dollar an unrechtmässig erzielten Gewinnen – die in den gemeinnützigen Arm von OpenAI fliessen sollen – sowie den Rauswurf von Altman.
OpenAI weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen wirft Musk vor, aus Eifersucht und Reue zu handeln, weil er einst selbst aus der Firma ausgestiegen sei. Tatsächlich betreibt Musk inzwischen mit xAI einen direkten Konkurrenten, der den Chatbot Grok entwickelt.
Interessenkonflikt und pikante Details
Richterinnen Yvonne Gonzalez Rogers, die den Fall leitet, hat bereits klargestellt, dass Reichtum und Prominenz der Beteiligten ihnen «keine Sonderbehandlung» einbringen werden. Sie hat auch öffentlich auf einen möglichen Interessenkonflikt hingewiesen: Musk hatte im vergangenen Jahr versucht, OpenAI für 97,4 Milliarden Dollar aufzukaufen – das Unternehmen lehnte ab.
«Musk hat mehrfach versucht, OpenAI zu übernehmen, und wurde jedes Mal abgewiesen», sagt Columbia-Law-Professorin Dorothy Lund. «Es ist nicht abwegig, seine Motive zu hinterfragen.»
Vor Gericht aussagen werden neben Musk und Altman auch Microsoft-Chef Satya Nadella sowie frühere OpenAI-Führungskräfte. Am Rande sorgen skurrile Details für Aufsehen: Musks Ketaminkonsum wird laut Gerichtsentscheid nicht als Beweismittel zugelassen. Einer seiner Anwälte soll nebenberuflich als Clown auftreten, ein anderer ist Hollywoodproduzent.
Was auf dem Spiel steht
Der Ausgang des Prozesses könnte weit über die beiden Streithähne hinausgehen. OpenAI nähert sich einem Börsenwert von rund 850 Milliarden Dollar. Wer das Unternehmen kontrolliert – oder schwächt –, beeinflusst massgeblich das globale Rennen um die Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz.
«Wenn Musk gewinnt, könnte das zur Niederlage eines seiner wichtigsten Konkurrenten im Rennen um AGI führen», sagt Rose Chan Loui von der Universität UCLA. «Wer dieses Rennen gewinnt, wird sehr viel Macht haben.»
Konfliktforscherin Sarah Federman von der Universität San Diego vergleicht den Streit mit dem Aufeinanderprallen zweier Filmmonster: «In King Kong gegen Godzilla rennen all die kleinen Leute unten weg, während sich die Giganten prügeln. Einer gewinnt am Ende – aber was bleibt, ist ein Pfad der Verwüstung, mit dem der Rest von uns leben muss.» (mke)
