Super-Kampfjet im Blindflug: Neue Lieferprobleme beim F-35
Die US-Streitkräfte stehen vor einem ungewöhnlichen Problem bei ihrem modernsten Kampfflugzeug: Neue F-35 sollen ab Herbst teilweise ohne Radar ausgeliefert werden. Das könnte ihre Einsatzfähigkeit vorübergehend massiv einschränken.
Wie das Fachportal «Breaking Defense» exklusiv berichtet, werden erste Maschinen der neuesten Produktionslose ohne das geplante neue APG-85-Radar an die Truppe übergeben. Stattdessen wird an dessen Stelle lediglich Ballast eingebaut, damit die Jets überhaupt flugfähig bleiben. Kampfeinsätze sind damit jedoch nicht möglich.
Betroffen sind zunächst Varianten für das US Marine Corps, später dürften auch Luftwaffe und Marine entsprechende «blinde» Flugzeuge erhalten. Die Maschinen gelten zwar als flugtauglich, können dann aber lediglich für Ausbildung und eingeschränkte Trainingsmissionen genutzt werden.
Hintergrund ist eine Verzögerung beim neuen Radarsystem APG-85, das vom Rüstungskonzern Northrop Grumman entwickelt und an den F-35-Hersteller Lockheed Martin zum Einbau weitergereicht wird. Dieses ist leistungsfähiger als das bisherige APG-81, benötigt jedoch eine veränderte Struktur im Flugzeug.
Da Produktion und Entwicklung parallel laufen, entstehen nun Jets, die für das neue Radar ausgelegt sind – dieses aber noch nicht für den Einbau verfügbar ist. Eine Übergangslösung mit dem alten System ist aufgrund baulicher Unterschiede nicht möglich.
Im besten Fall könnte sich das Problem auf wenige Flugzeuge beschränken, falls das Radar bereits im kommenden Jahr einsatzbereit ist. Sollte sich die Entwicklung weiter verzögern, könnten jedoch über hundert Maschinen betroffen sein, die nachträglich umgerüstet werden müssten. Dauer und Kosten eines solchen Retrofits sind derzeit unklar.
US-Politiker zeigen sich besorgt. Der republikanische Abgeordnete Rob Wittman warnte gegenüber «Breaking Defense», die Streitkräfte könnten vorübergehend über «viele Flugzeuge verfügen, die aber nicht kampfbereit sind». Hauptgrund für die Verzögerung seien langwierige Zertifizierungsprozesse für das neue System.
Die Schweiz ist nicht betroffen
Für internationale Kunden hat das Problem vorerst keine direkten Folgen: Das APG-85 ist noch nicht für den Export freigegeben, weshalb ausländische F-35 weiterhin mit dem bisherigen Radar ausgeliefert werden. Das trifft auch auf die – nach letztem Stand 30 – von der Schweiz zu beschaffenden US-Kampfjets zu.
A US F-35 fighter jet damaged by suspected Iranian fire makes an emergency landing at an US air base in the Middle East, sources say https://t.co/X8qbrc4O4W pic.twitter.com/DETguvCEaF
— CNN (@CNN) March 19, 2026
Militärexperten betonen, wie zentral das Radar für die Kampffähigkeit ist. Ohne dieses sei die F-35 «nahezu kurzsichtig» und auf externe Sensoren angewiesen – ein klarer Nachteil in einem möglichen Konflikt mit technologisch ebenbürtigen Gegnern wie China. Aktuell sorgt in Aviatikkreisen die Meldung für Aufregung, dass im Iran-Krieg eine F-35 mit vermuteten Beschussschäden notlanden musste; der erste derartige Vorfall mit dem bisher im Nahen Osten unverwundbar scheinenden US-Superjet. (aargauerzeitung.ch)

