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Alex Jones wurde zu 4,1 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt.
Alex Jones wurde zu 4,1 Millionen Dollar Schadenersatz verurteilt.Bild: keystone

Diese Szenen aus dem Gerichtsprozess von Alex Jones werden bleiben

Verschwörungstheoretiker Alex Jones wurde zur Zahlung von 4,1 Millionen Dollar Schadenersatz an zwei Eltern verurteilt. Der Prozess war sehr sehenswert – nicht zuletzt auch wegen der Richterin.
05.08.2022, 19:5809.08.2022, 15:03

Der ultrarechte US-Moderator und Verschwörungstheoretiker Alex Jones (48) musste sich diese Woche für seine Lügen über das Sandy-Hook-Massaker vor Gericht verantworten. Das Urteil vom Donnerstag verdonnerte ihn zur Zahlung von 4,1 Millionen Dollar Schadenersatz. Der Radiomoderator hatte in der Vergangenheit auf seiner Plattform «Infowars» wiederholt behauptet, dass das 2012 im US-Bundesstaat Connecticut verübte Schulattentat, bei dem 20 Erstklässler und sechs Erwachsene getötet wurden, inszeniert gewesen sei.

Ziel dieser «Inszenierung» laut Jones: «Die Verschärfung des amerikanischen Waffengesetzes.» Die Opferfamilien? Alles «instruierte Schauspieler» im Auftrag des «Deep State». Dies und vieles mehr hatte Jones immer wieder ekstatisch in die Kamera gebrüllt und damit Millionen Aufrufe seiner Videos generiert, sowohl auf YouTube als auch auf seinen Social-Media-Kanälen – auf denen er mittlerweile überall gesperrt ist. Dabei hatte er sich auch nicht davor gescheut, Eltern, die kurz nach dem Attentat bei Pressekonferenzen zusammenbrachen, in seinen Videos nachzuäffen und sie bei seinen Millionen Zuschauern als «schlechte Schauspieler» abzustempeln.

Richterin Maya Guerra Gamble musste  während des Prozesses Alex Jones mehrmals ermahnen, dass er unter Eid nicht lügen darf.
Richterin Maya Guerra Gamble musste während des Prozesses Alex Jones mehrmals ermahnen, dass er unter Eid nicht lügen darf. Bild: keystone

Mutter des Opfers zu Alex Jones: «Wahrheit ist die Basis für unsere Realität»

Die Eltern eines sechsjährigen Opfers sind nun vor Gericht gezogen und hatten einen Schadenersatz von 150 Millionen Dollar verlangt. Ein texanisches Geschworenengericht hat den Eltern in einem ersten Schritt 4,1 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen, wobei Jones für seine Lügen noch zu einer wesentlich höheren Summe verurteilt werden könnte: Die Geschworenen müssen noch über einen Strafschadenersatz richten, der in der Regel viel höher ausfällt. Zudem war dies der erste von drei Verleumdungsklagen für Alex Jones. Zwei weitere Gerichtsprozesse gegen den Trump-Supporter sind für nächsten Monat angesetzt.

In einem sehr emotionalen Prozess richtete sich eine betroffene Mutter eines 6-jährigen Opfers direkt an Jones: «Mein Sohn hat existiert.» Sie fügte weiter hinzu: «Wahrheit ist die Basis für unsere Realität.» Alex Jones hat vor Gericht schliesslich eingestanden: «Das Attentat ist zu 100 Prozent real.»

Doch selbst während des Prozesses, sowohl im als auch ausserhalb des Gerichtssaales, blieb Jones seiner Linie treu: Auf seiner Internetseite Infowars wurde beispielsweise die Richterin in einem Bild mit Feuerflammen dargestellt. In einem Video bezeichnete Jones den betroffenen Vater des Opfers als «langsam» und «autistisch» und dass dieser von «schlechten Menschen» manipuliert sei.

Dass ihr Bild auf Infowars mit Feuer und Flammen publiziert wurde, fand die Richterin noch amüsant. Worüber sie jedoch überhaupt nicht lachen konnte, war die Tatsache, dass Jones sich auch während des Gerichtsprozesses immer wieder in Lügen verstrickte. Richterin Maya Guerra Gamble ermahnte Alex Jones, dass er unter Eid die Wahrheit sagen müsse und nicht lügen dürfe. Die Richterin weiter: «Das ist nicht Ihre Show.»

In einer weiteren Szene scheint die Richterin von Alex Jones' Anwalt genervt zu sein und pikst ihn mit einem Stift von ihrem Pult weg:

Auch einen weiteren Infowars-Moderator muss die Richterin ermahnen und ihn wiederholt über die Gepflogenheiten und Regeln eines Gerichtsprozesses aufklären.

Aufgefallen war auch die Szene, als der Verteidiger der betroffenen Eltern des Sandy-Hook-Massakers Alex Jones darüber informierte, dass sein eigener Anwalt ihm versehentlich den gesamten Inhalt seines Telefons, und damit alle Textnachrichten der letzten zwei Jahre, versendet hatte.

Das Urteil brachte Jones aber nicht zur Besinnung. Nach dem Prozess schimpfte er auf seiner Plattform: «Die Demokraten und alle Medienkonzerne haben sich gemeinsam gegen Infowars verschworen.» Und: Gegen das Recht eines jeden US-Amerikaners auf «freie Meinungsäusserung».

Der Anwalt der Kläger sieht das Urteil laut «New York Times» hingegen als Warnung für Jones' Gleichgesinnte: «Ich hoffe, dass alle anderen Medien-Leute, die das sehen und sich denken, dass sie Menschen derart diffamieren können, nun wissen, dass es dafür sehr teure Konsequenzen gibt.»

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45 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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PVJ
05.08.2022 21:06registriert Februar 2014
Zum Schluss kommt - wenig überraschend - die Lieblingsrhetorik aller Rechten: Er ist das Opfer, darf seine Meinung nicht äussern, die anderen sind Schuld. Der Typ armselig, und seine Anhänger noch viel mehr. Dank ihnen kann er die Strafe aus der Portokasse zahlen.
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kleine_lesebrille
05.08.2022 20:23registriert Mai 2022
Bei (teilweise gewollt) uneinsichtigen Menschen, deren Stimmorgan zehnmal schneller als deren Denkorgan funktioniert, braucht es eine/n Richter/in, welche ganz einfach kurzen Prozess macht.

Manchmal muss es halt via das Portemonnaie gehen. Die eine oder der andere wird vielleicht erst dann einsichtig werden,
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Subjekt
05.08.2022 20:32registriert Januar 2022
Lernprozess? Null.
Der lief da raus und machte weiter.
Und auch die, die ihm dahingehend gleichen, werden sich durch Prozesse, Urteile und Strafen nicht ändern. 🤷‍♀️
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