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USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen zurück

USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen zurück – die wichtigsten Punkte

08.01.2026, 06:0808.01.2026, 06:28

Was ist neu?

Die USA ziehen sich aus 66 internationalen Organisationen zurück. Das geht aus einer Anordnung von US-Präsident Donald Trump hervor, die das Weisse Haus veröffentlichte.

President Donald Trump walks off stage after speaking to House Republican lawmakers during their annual policy retreat, Tuesday, Jan. 6, 2026, in Washington. (AP Photo/Evan Vucci)
Donald Trump
Präsident Donald Trump zieht die USA einmal mehr aus internationalen Organisationen zurück.Bild: keystone

Der Rückzug soll laut Anordnung so bald wie möglich erfolgen. Dies könne bedeuten, dass man den Organisationen die Finanzierung entziehe oder sich nicht mehr an ihnen beteilige.

Aus der Anordnung Trumps ging nicht hervor, wie viel Geld die US-Regierung durch den Rückzug einsparen will.

Welche Organisationen sind betroffen?

Bei vielen der genannten Organisationen geht es etwa um Bereiche wie Umwelt und Klima, Geschlechtergerechtigkeit, Bildung sowie die Förderung von Demokratie, Zivilgesellschaft und Rechtsstaatlichkeit.

Der Weltklimarat IPCC wird genannt wie auch das International Institute for Democracy and Electoral Assistance, das den demokratischen Wandel weltweit fördert.

Auf der Liste stehen auch zahlreiche Organisationen der Vereinten Nationen. So finden sich dort zum Beispiel die Hauptabteilung Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten, die sich mit Fragen rund um Bevölkerung, Armut und internationaler Handelspolitik beschäftigt ebenso wie das Umweltabkommen UN Framework Convention on Climate Change, das den Klimawandel in den Blick nimmt. Die Vereinten Nationen mit Hauptsitz in New York reagierten nicht sofort auf die Ankündigung der USA, sondern verwiesen auf ein für Donnerstag geplantes Statement.

epa12466792 The UN logo and the UNCTAD logo are pictured during the UNCTAD 16 intergovernmental meeting, convened by the United Nations Conference on Trade and Development, at the European headquarter ...
Auch zahlreiche Organisationen der Vereinten Nationen wären betroffen.Bild: keystone

Auf der Liste stehen auch Organisationen mit Europa-Bezug. So etwa im Fall des European Centre of Excellence for Countering Hybrid Threats in Finnland, die sich für die Bekämpfung hybrider Bedrohungen einsetzt.

Wie begründen die USA diesen Entscheid?

Laut US-Aussenminister Marco Rubio habe die Trump-Regierung festgestellt, dass die nun betroffenen Institutionen unter anderem «überflüssig» und «schlecht verwaltet» seien, dass deren Interessen denen der USA zuwiderliefen, oder sie «eine Bedrohung für die Souveränität, die Freiheiten und den allgemeinen Wohlstand unserer Nation» darstellten. Die Organisationen versuchten aktiv, «die Souveränität der Vereinigten Staaten einzuschränken», heisst es weiter.

epa12634345 US Secretary of State Marco Rubio (C), alongside Secretary of Defense Pete Hegseth (L), speaks to reporters after briefing US Senators about the capture of Venezuelan President Nicolas Mad ...
Marco Rubio, Aussenminister der USA.Bild: keystone

Rubio sprach auf der Plattform X von «antiamerikanischen, nutzlosen oder verschwenderischen internationalen Organisationen», aus denen man austrete. Die Überprüfung weiterer internationaler Organisationen dauere an.

Die US-Regierung argumentiert, dass sich aus einer ursprünglich pragmatisch organisierten Struktur internationaler Organisationen ein weit verzweigtes System entwickelt habe, das von Ideologie geprägt sei und sich von nationalen Interessen entfernt habe. Im US-Aussenministerium war auch die Rede von «elitären Netzwerken». Man lehne «Trägheit und Ideologie» ab, hiess es.

Gab es das nicht schon einmal?

Doch – es ist nicht der erste Rückzug der Trump-Regierung aus internationalen Organisationen: Zuvor hatten die USA bereits ihren Austritt etwa aus der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie aus der UN-Kulturorganisation Unesco angekündigt.

Trump hat bald das erste Jahr seiner zweiten Amtszeit als Präsident hinter sich. Sie ist geprägt von der Strategie «America first» – Amerika zuerst. Immer wieder kritisiert der US-Präsident, dass die Vereinigten Staaten für andere Länder zahlten und im Gegenzug nichts zurückbekämen. Die Argumentation benutzte er nicht nur bei internationalen Organisationen, sondern auch bei seiner Zollpolitik und bei den Nato-Verbündeten, um Veränderungen zugunsten der USA durchzusetzen.

(dab/sda/dpa)

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Die beliebtesten Kommentare
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Andi7
08.01.2026 06:26registriert November 2019
Die zunehmende Isolation der USA ist selbstverschuldet. Dieser Präsident wurde gewählt, und die Folgen müssen nun getragen werden.
Erschreckend ist allerdings, wie leicht ein einzelnes Amt jahrzehntelang aufgebaute Strukturen zerstören kann.

Nun, gerade deshalb sollten wir unsere Zusammenarbeit mit anderen Staaten intensivieren.
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Kei Luscht
08.01.2026 06:21registriert Dezember 2015
Das passiert, wenn Menschen ohne jegliche Empathie an die Macht kommen. Die einzige Frage, die sich Leute wie Trump stellen ist "was nützt es mir bzw meinen Stiefelleckern?" - Es ist wichtiger denn je, dass Europa sich endlich aufrafft und die Lücke, die die USA seit Jahren aufgerissen haben, schliesst.
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CogitoErgoSum
08.01.2026 06:23registriert August 2018
Wie lange noch lässt man diesen Präsidenten machen, was er will?
Bis zu den nächsten Wahlen dauert es gefühlt noch ewig.
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