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«Heil Trump, Sieg Heil»: Richard Spencer gilt als Anführer der Alt-­Right­-Bewegung.
«Heil Trump, Sieg Heil»: Richard Spencer gilt als Anführer der Alt-­Right­-Bewegung.Bild: AP/The Washington Post

Hipsterisierung – deshalb werfen sich die Rechtsextremen in Schale

Extremismus: Faschistische Bewegungen nutzen in den USA Mode, um ihr Gedankengut salonfähig zu machen.
29.11.2016, 03:0229.11.2016, 10:09
Benno Tuchschmid / Aargauer Zeitung

Vorn am Rednerpult sagte der Mann mit der Hipster-­Frisur: «Heil Trump, Heil unserem Volk, Sieg Heil.» Und im Publikum hoben adrett behemdete Schnösel den Arm zum Hitler-­Gruss. Die vom amerikanischen Monats-­Magazin «The Atlantic» publizierte Filmaufnahme, die diese Szene festhielt, sorgte vor einer Woche für Schockwellen.

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Nur knapp zwei Wochen nach der US­-Präsidentschaftswahl schienen in diesem Konferenzraum irgendwo in Washington DC die schlimmsten Befürchtungen einzutreten.

«Die Typen im Anzug sind jene, die uns Sorgen machen müssen.»
Heidi Beirich, Rechtsextremismus-Expertin

Es war nicht die Masse, die schockierte. Gerade einmal ein paar hundert Rassisten, Ultra-­Rechte und Neo­-Faschisten hatten sich im Saal versammelt.

Es war das Wissen, dass diese Rechtsextremen mit aerodynamischen Frisuren im Windschatten des gewählten amerikanischen Präsidenten gefährlich nah an die Macht geglitten waren. Und es war diese Mad-­Men-­Optik, diese trendige, moderne Verpackung, in dem der toxische Inhalt steckte.

«Die Typen im Anzug sind jene, die uns Sorgen machen müssen», sagt Heidi Beirich, Expertin der auf Rechtsextremismus spezialisierten US­-Nichtregierungsorganisation Southern Poverty Law Center der «Los Angeles Times». Durch sie würden die extremen Ideen mehrheitsfähig.

Einer dieser Männer ist Richard Spencer. Er war es, der im gut sitzenden Anzug und mit sauber ausrasiertem Nacken Trump hochleben liess. Der 38­-Jährige aus dem US-Bundesstaat Massachusetts gilt als Anführer der sogenannten Alternative­-Right-­Bewegung (auch Alt-­Right genannt), eines Biotops für Rechtsextremisten verschiedenster Schattierung.

Mode als Mittel zum Zweck

Die Extremismus­-Experten vom Southern Poverty Law Center nennen den ehemaligen Doktoranden einen «führenden akademischen Rassisten» der USA. Spencer träumt unter anderem von einem arischen Staat für alle Europäer.

Und Spencer hat Mode als Mittel zum Zweck begriffen. «Wir müssen gut aussehen», sagte er dem amerikanischen Portal Salon schon 2013. Die Bewegung dürfe nicht mehr durchgeknallt, hässlich, bösartig oder dumm wirken, wenn sie die weisse Mittelschicht gewinnen wolle.

Also spricht Spencer, wie wenn seine wahnhaften Ideen ein wissenschaftliches Fundament hätten. Und kleidet sich, wie wenn er ein normaler, moderner Mann wäre.

Es gibt sogar ein Wort für den modischen Rechtsextremen. Fashy. Eine Mischung aus den Wörtern Fashion und Fascism. Vertreter der Popkultur wie das ehemalige Reality­-TV­-Sternchen Tila Tequila fühlen sich hingezogen.

Die asiatischstämmige Tequila verbreitete von der Konferenz in Washington ein Bild von sich mit Hitlergruss über den Kurznachrichtendienst Twitter

Jubel über Trumps Wahl

Spencer jubelt über den Wahlsieg von Donald Trump. «Mit ihm gibt es eine echte Chance, dass wir Politik und Kultur beeinflussen können», sagt er.

Und tatsächlich wird mit Trumps Chefberater Steve Bannon ein Mann ins Weisse Haus einziehen, der mit der Bewegung sympathisiert. Bannon hat die einflussreiche rechte Newsseite Breitbart.com mitbegründet und nannte sie eine «Plattform der Alt­-Right».

Einreiseverbot nach Europa

Die Hipsterisierung des Rechtsextremismus hat ihr Vorbild in Europa. Hier begann vor ein paar Jahren in Frankreich eine Gruppierung namens die Identitären ihre völkischen Ideen in cooler Verpackung zu vermarkten.

In aufwendig inszenierten und pseudowissenschaftlich untermauerten Video-­Clips verbreiten sie ihre Theorien über die Islamisierung und biologisch begründbare Kultur Europas.

Die Identitären haben mittlerweile Ableger in Deutschland und Österreich. Sie mischten bei den Pegida-­Demonstrationen mit, werden vom Verfassungsschutz beobachtet und von staatlichen Stellen in Deutschland dem Neonazismus zugerechnet.

Spencer und die Alt-­Right-­Bewegung stehen in engem Kontakt mit ihren europäischen Verbündeten. 2014 war Spencer für eine internationale Konferenz der identitären Bewegungen nach Ungarn gereist.

Doch die Regierung von Viktor Orban verbot die Konferenz kurzfristig. Spencer wurde nach seiner Einreise verhaftet und ist noch bis nächstes Jahr mit einem Einreiseverbot in Schengen-­Länder belegt.

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