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Hunderte Wähler warten in Marietta auf ihre Stimmabgabe. Marietta liegt im Cobb County mit 760'141 Einwohnern. In der republikanischen Hochburg sind <a target="_blank" rel="nofollow" href="https://elections.sos.ga.gov/Elections/advancedVotingInfoResult.do">laut offiziellen Angaben</a> 11 Wahlbüros geöffnet.
Hunderte Wähler warten in Marietta auf ihre Stimmabgabe. Marietta liegt im Cobb County mit 760'141 Einwohnern. In der republikanischen Hochburg sind laut offiziellen Angaben 11 Wahlbüros geöffnet. Bild: keystone

Rekordaufmarsch bei Wahlstart in Georgia – und 11 Stunden Wartezeit

14.10.2020, 11:5514.10.2020, 14:08

Seit Montag können 1,5 Millionen Stimmberechtigte im US-Bundesstaat Georgia ihre Stimmen zur Präsidentschaftswahl 2020 in die Urnen werfen. Das sogenannte «early voting», die «frühe Wahl», hat begonnen.

Augusta ist nach Atlanta die zweitgrösste Stadt in Georgia. Die 195'844 Einwohner können ihre Stimme in drei Wahlbüros abgeben.
Augusta ist nach Atlanta die zweitgrösste Stadt in Georgia. Die 195'844 Einwohner können ihre Stimme in drei Wahlbüros abgeben.Bild: keystone

Und die Georgianer strömen in Scharen an die Urnen. 126'876 Stimmen wurden laut State Departement am ersten Tag abgegeben – das ist Rekord für einen ersten Wahltag. Dass viele Einwohner des «Pfirsich-Staats» sich die Zeit nehmen konnten, um am Montag wählen zu gehen, hängt mit dem Feiertag zusammen. Am Montag war «Columbus Day» – viele Arbeitnehmer hatten deshalb frei.

In Suwanee warteten die Wähler zum Teil Stunden – auch im Regen.
In Suwanee warteten die Wähler zum Teil Stunden – auch im Regen.Bild: keystone

Im Bundesstaat mit über 10 Millionen Einwohnern überforderten die 126'876 persönlich erscheinenden Wähler die Wahlbüros sichtlich. Lokale Medien berichten von Computerproblemen, Problemen mit dem elektronischen Wahlregister, von Klagen über zu wenig Personal in den Wahlbüros und überfüllten Parkplätzen. Videoaufnahmen von Warteschlangen gingen viral.

Wähler geben ihre Stimme ab in der State Farm Arena in Atlanta. Die Spieler der US-Basketball-Liga NBA solidarisierten sich mit den landesweiten Menschenrechtsprotesten im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung. Sie drohten mit Streik – eine ihrer Bedingungen war, dass nach der Saison sämtliche Stadien in Wahlbüros umfunktioniert werden.
Wähler geben ihre Stimme ab in der State Farm Arena in Atlanta. Die Spieler der US-Basketball-Liga NBA solidarisierten sich mit den landesweiten Menschenrechtsprotesten im Zuge der Black-Lives-Matter-Bewegung. Sie drohten mit Streik – eine ihrer Bedingungen war, dass nach der Saison sämtliche Stadien in Wahlbüros umfunktioniert werden.Bild: keystone

Zum Teil mussten die Wähler stundenlang im Freien ausharren. Die Rede ist von über 600 Meter langen Warteschlangen. Die kolportierte Rekordwartezeit betrug 11 Stunden.

Auch in Decatur mit knapp über 25'000 Einwohnern entstanden lange Schlangen.
Auch in Decatur mit knapp über 25'000 Einwohnern entstanden lange Schlangen.Bild: keystone

Die Verhältnisse in den USA sind mit denen in der Schweiz nicht vergleichbar. In einer Vielzahl der 159 Counties in Georgia existiert nur ein einziges Wahlbüro für early voting. Zum Vergleich: Allein in der Stadt Zürich sind es 51.

Wähler reihen sich ein und halten Abstand in Stone Mountain.
Wähler reihen sich ein und halten Abstand in Stone Mountain.Bild: keystone

Die Wahlbeobachterin Jessica Huseman relativiert gegenüber CNN Ängste, dass die langen Warteschlangen nur als Zeichen eines kaputten Wahlsystems gesehen werden. Der enorme Aufmarsch gleich am ersten Tag sei ein Zeichen der Wählereuphorie – zu vergleichen mit Warteschlangen vor einem Apple-Store, wenn ein neues Produkt erscheint. Erst wenn sich auch am zweiten und dritten Tag die Warteschlangen nicht verkürzen würden, würden die Alarmglocken läuten. Ausserdem seien die Warteschlangen eine Ausnahme. Die meisten Stimmberechtigten hätten fast oder gar nicht angestanden.

Studentin Courtney Wetzel nimmt während der Wartezeit an einem Zoom-Kurs ihrer Universität teil. Sie wartete drei Stunden in Suwanee.
Studentin Courtney Wetzel nimmt während der Wartezeit an einem Zoom-Kurs ihrer Universität teil. Sie wartete drei Stunden in Suwanee.Bild: keystone

Bereits begonnen hat in Georgia die Briefwahl. Über 450'000 Wähler haben bereits davon Nutzen gemacht. Das erklärte Ziel der Wahlbehörde von Georgia ist, dass mindestens 80 Prozent aller Stimmen vor dem 3. November abgegeben werden.

Viele Wahlbüros mussten länger geöffnet bleiben. Auch nach der Dämmerung warten in Stone Mountain noch immer diverse Menschen auf ihre Stimmabgabe.
Viele Wahlbüros mussten länger geöffnet bleiben. Auch nach der Dämmerung warten in Stone Mountain noch immer diverse Menschen auf ihre Stimmabgabe.Bild: keystone

Neben den Präsidentschaftswahlen dürfen Georgianer auch zwei Senatoren wählen. Beide stellen derzeit die Republikaner. Seit 1996 gewann nie mehr ein Demokrat die Mehrheit in diesem Staat. Der hohe Wähleranteil wird hingegen in der Regel als gutes Zeichen für die Demokraten gedeutet.

(tog)

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