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Lizenz zum Töten: Wie sich ein texanischer Jäger auf einer Auktion den Skalp eines Schwarzen Nashorns sicherte und CNN über die Jagd berichtete



Es ist die Geschichte von einem Spitzmaulnashorn, einem Kamerateam, 350'000 Dollar und zwei Shitstorms, und sie wirft Fragen auf. Zum Beispiel: Dürfen Tiere gejagt werden, auch wenn sie keine Gefahr für Menschen darstellen? Und: Wie gehen Medien mit unbequemen und unpopulären Themen um? 

Shitstorm Nummer 1: Corey Knowlton, ein amerikanischer Jäger, hatte am Montag nach drei Tagen Jagd in der Steppe von Namibia ein Schwarzes Nashorn erlegt. Shitstorm Nummer 2: Der amerikanische Nachrichtensender CNN begleitete Knowlton auf seinem Unternehmen mit einem Kamerateam. 

Kurz nachdem CNN den Bericht auf seiner Plattform aufgeschaltet hatte, entlud sich in den sozialen Medien ein Protest-Gewitter. Wütende Leser beklagten sich darüber, dass CNN einem Jäger eine derartige Plattform bot. Der Artikel, der auf einem Videobeitrag basiert, der am Mittwoch Abend ausgestrahlt werden soll, wird als unkritisch und voreingenommen kritisiert. Zudem laufe er den Bemühungen zuwider, den Wilderern in Afrika Einhalt zu gebieten, indem die Jagd glorifiziert wird.

CNN hätte wissen müssen, dass man sich mit der Berichterstattung einer Grosswildjagd auf unsicheres Terrain begibt, so der Tenor. Tatsächlich geniessen Jäger keine allzu grosse Reputation – erst recht nicht in den sozialen Medien. Die Reaktion auf die Geschichte um die «Jägerin mit dem eiskalten Herzen» steht dafür exemplarisch. Nur sind es üblicherweise die porträtierten Personen, die im Kreuzfeuer der Kritik stehen, und nicht die schreibende oder filmende Zunft. 

Bei aller Aufregung um die angebliche fehlende Distanz von CNN geht das eigentliche Thema unter. Es lohnt sich, drei Punkte genauer anzuschauen:

1. Bei dem Schwarzen Rhinozeros handelt es sich um eine rare Spezies – wieso dürfen sie überhaupt getötet werden?

In den 90er-Jahren war die Zukunft der Schwarzen Nashörner ungewiss. Auf dem ganzen afrikanischen Kontinent lebten nur noch einige Tausend der Tiere. Wilderer hatten, um an die begehrten Hörner des Tieres zu kommen, fast die gesamte Population zugrunde gerichtet. In Afrika werden die Hörner zu Schmuck oder Waffenteilen verarbeitet, in Asien sind sie in Pulverform als Heilmittel gegen Gebrechen aller Art – von Rheuma bis Kopfschmerzen – beliebt. Auf dem Schwarzmarkt erzielen die Hörner Preise bis zu 60'000 Dollar pro Kilogramm – was irgendwo zwischen Gold und Kokain liegt, wie CNN vorrechnet. 

Mittlerweile ist der Bestand der Schwarzen Nashörner in Namibia wieder gewachsen, dank Schutzprogrammen der Regierung und internationaler Organisationen. 

Trotzdem werden die Tiere gejagt – und zwar ganz legal. Die Tötung von Spitzmaulnashörnern im Rahmen einer sogenannten «Trophäenjagd» ist von der Regierung gewollt, um den Bestand der Herden zu sichern. Geschossen werden nur alte, nicht mehr fortpflanzungsfähige Männchen, die den jüngeren Artgenossen das Territorium streitig machen. Befürworter der Trophäenjagd führen zudem ins Feld, dass mit den Einnahmen aus der Trophäenjagd (im Fall von Knowlton 350'00 Dollar) die Wilderei eingedämmt und die lokale Wirtschaft gestärkt werden könne. Das namibische Umwelt- und Tourismusministerium vergibt jährlich drei Lizenzen zur Trophäenjagd auf die Schwarzen Nashörner.

2. Corey Knowlton hatte sich die «Lizenz zum Jagen» auf einer Auktion in Dallas gesichert

Die Auktion wurde vom Dallas Safari Club ausgerichtet, mit ausdrücklicher Genehmigung der namibischen Regierung. Der Erlös soll vollumfänglich dem Schutz und dem Fortbestand von bedrohten Tierarten zugute kommen, das verkündete die Regierung des Subsahara-Staates. Der Anlass im Januar vergangenen Jahres war der erste, der im Ausland durchgeführt wurde, aber das Umweltministerium hat Auktionen zur Jagd von Grosswild schon seit einiger Zeit als alternative Einnahmequelle entdeckt. Der Entscheid, die Auktion im Ausland durchzuführen, hat einen einfachen Grund: Dort fliesst deutlich mehr Geld. Knowlton hat 350'000 Dollar hingeblättert. 

epa04119803 (04/22) A mutilated corpse of a seventeen-year-old, three-months pregnant poached black rhino with horns removed is left to decay on a hillside in the Lewa Wildlife Conservancy, Isiolo, northern Kenya, 20 November 2013. Rangers of the Lewa Conservancy discovered the corpse without horns on 19 November after hearing the shots fired at dawn.  EPA/DAI KUROKAWA ATTENTION EDITORS: GRAPHIC CONTENT PLEASE REFER TO ADVISORY NOTICE (epa04119799) FOR FULL FEATURE TEXT

Ein von Wilderern erlegtes Nashorn im Norden Kenias: Die Hörner des weiblichen Tieres sind auf dem Schwarzmarkt begehrt. Bild: DAI KUROKAWA/EPA/KEYSTONE

3. Tierschutzverbände kritisieren die Jagd – aber nicht generell

Natürlich sei man prinzipiell gegen den Abschuss von Tieren, sagt der Artenschutz-Experte von WWF Schweiz. Wann immer möglich, müsse man Alternativen zur Jagd bevorzugen. «Allerdings kann die Trophäenjagd in bestimmten Fällen einen Beitrag zum Schutz der Tierart leisten – nämlich wenn die Abschüsse streng limitiert und Teil eines umfassenden Artenschutzkonzepts sind.»

Namibia wird denn auch auf der Website des Tierschutzverbandes als lobendes Beispiel für eine streng reglementierte Trophäenjagd erwähnt. 

Umgekehrt könne die kompromisslose Bekämpfung der Trophäenjagd auch negative Auswirkungen haben, so das WWF-Statement. Dies sei am Beispiel Botswana gut ersichtlich. Als in den Jahren 2001 bis 2003 ein Verbot der Trophäenjagd herrschte, stieg die Wilderei sprunghaft an. 

Andere Tierschutzorganisationen wie etwa der International Fund for Animal Welfare (IFAW) bezweifeln die Wirksamkeit der Trophäenjagd. Es sei wissenschaftlich nicht erwiesen, dass die Abschüsse von einzelnen Tieren tatsächlich einen positiven Effekt auf den Bestand habe. 

«Bis zu meinem Tod»

Am Montag erreichte Knowlton sein Ziel. Er erlegte das zum Abschuss freigegebene Nashorn nach einer dreitägigen Jagd. Als er nach dem Blattschuss von den Journalisten zu seiner Gefühlslage befragt wird, wischt sich Knowlton eine Träne aus den Augen und senkt demütig den Kopf. Er sei gerade sehr, sehr emotional. 

Knowlton ist überzeugt, mit dem Abschuss des Nashorns das einzig Richtige getan zu haben, und «zwar vom ersten Tag bis zu meinem Tod». Im Hintergrund ist der leblose Körper des Spitzmaulnashorns zu sehen. (wst)

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