Trumps Gesandter auf Grönland: Kommt ohne Einladung und verteilt Schoggi an Kinder
Er war ohne Einladung gekommen und ohne reservierten Platz. Jeff Landry, ein enger Vertrauter von Präsident Donald Trump und dessen Sondergesandter für Grönland, hatte einfach ein Billett für die grösste Wirtschaftskonferenz Grönlands gekauft.
Der Anlass, an dem über Investitionen und die strategische Zukunft der Arktis diskutiert wird, begann am Dienstag; am Sonntag waren Landry und sein Team in der Hauptstadt Nuuk gelandet, mit Schokolade und kistenweise «Make America Great Again»-Käppis im Gepäck.
Auf einem Spaziergang durch Nuuk verteilte er Schoggi-Münzen an Kinder. Darauf war seine Regierungsresidenz im US-Bundesstaat Louisiana zu sehen, dessen Gouverneur der 55-Jährige ist. Wenn sie ihn dort besuchten, erklärte er einer Gruppe junger Grönländerinnen und Grönländer, könnten sie so viele Schoko-Cookies essen, wie sie wollten.
Es war, als sei der reiche, joviale Onkel aus dem Süden angekommen. Er sei von Trump beauftragt worden, sagte Landry offenherzig, «so viele Freunde zu machen wie möglich». Er wolle darum «zuhören und lernen», ob sich die Beziehungen zwischen den USA und Grönland vertiefen liessen.
Einheimische reagieren irritiert
In Grönland kommt diese Charmeoffensive allerdings denkbar schlecht an. Die wiederholten Drohungen Trumps, dass die USA «auf irgendeine Art» die Kontrolle über die strategisch wichtige Insel übernehmen wollten, sitzen bei den 57'000 Einwohnern nach wie vor tief.
Beim Wirtschaftsverband reagierte man irritiert auf Landrys Besuch, und der auf die Arktis spezialisierte Politologe Ulrik Gad erklärte, es sei schwierig, mit jemandem Freundschaft zu schliessen, der einen «vorher in die Weichteile getreten hat». In Nuuk hingen am Dienstag «Stop USA»-Plakate.
Noch im Januar hatte Dänemark eilig Spezialeinheiten auf die arktische Insel verlegt, die bereit gewesen wären, Landebahnen in die Luft zu sprengen, sollte der Nato-Partner USA tatsächlich Grönland militärisch angreifen. Seither hat sich die Lage etwas beruhigt; Grönland, Dänemark und die USA haben sich darauf geeinigt, in diplomatischen Verhandlungen über ein Kooperationsabkommen eine Lösung zu finden für Trumps Forderung, dass die USA «die Insel für ihre Sicherheit brauchen». Laut Berichten von US-Medien geht es dort momentan darum, dass die USA zusätzliche Militärstützpunkte in Grönland bekommen.
Dagegen hat man auf der Insel grundsätzlich wenig einzuwenden, doch Trump habe seine Haltung bezüglich der Kontrolle über Grönland nicht geändert, erklärte der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen, nachdem er Landry kurz empfangen hatte. Nielsen sprach von einem «Höflichkeitstreffen», bei dem er erneut klargemacht habe, dass Grönland nicht über territoriale Fragen verhandle.
Aufgebracht ist man in Nuuk zudem, weil Jeff Landry einen Arzt mitgebracht hat, der sich die medizinische Versorgung auf der Insel anschauen soll. Die grönländische Gesundheitsministerin nannte dies «tief problematisch»: Grönländer seien keine «Versuchsobjekte in einem geopolitischen Projekt». Denn auch wenn das Gesundheitssystem wegen der extremen Distanzen und der abgelegenen Siedlungen unbestrittene Probleme hat, empfindet Grönland die Einmischung respektlos.
Die Regierung hatte bereits im Januar klar widersprochen, als Donald Trump ankündigte, ein Spitalschiff nach Grönland zu schicken. «Nein danke», erwiderte Jens-Frederik Nielsen damals. Und Jeff Landry, der Gesandte, der jetzt möglichst viele grönländische Freunde möchte, antwortete darauf: «Schäm dich, Regierungschef!»
Möglicherweise zeigt der kühle Empfang in Nuuk Wirkung. Am Dienstag verliess der Gouverneur die Wirtschaftskonferenz bereits nach 45 Minuten wieder. Sein weiteres Programm in Grönland blieb zunächst offen. (aargauerzeitung.ch)
