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Wieder Schusswaffengewalt in Chicago – Trump will sich äussern



Bei einer Schiesserei in Chicago sind nach Angaben der Polizei mehrere Menschen verletzt worden. Die Tat ereignete sich bei einer Beerdigung, wie der Polizist Eric Carter am Dienstagabend (Ortszeit) mitteilte. 14 Personen seien mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht worden. Wie es um sie steht, war zunächst unklar.

US-Präsident Donald Trump beklagt die Zunahme von Gewaltverbrechen in mehreren US-Grossstädten. Das Weisse Haus kündigte am Dienstagabend - unabhängig von dem jüngsten Vorfall - an, dass sich Trump am Mittwoch zur Bekämpfung von Gewaltverbrechen in US-Städten äussern werde.

Die Regierung in Washington hat in einem ungewöhnlichen Schritt gegen den erklärten Willen der lokalen Regierungen Sicherheitskräfte des Bundes in die Stadt Portland entsandt. Bei Protesten, die nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz vor knapp zwei Monaten begannen, kam es wiederholt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei sowie Sachbeschädigungen. Am Montag hatte Trump angedroht, auch in anderen Metropolen des Landes einzugreifen.

US-Medien hatten am Montag berichtet, das Heimatschutzministerium plane, Bundesbeamte zur Verbrechensbekämpfung in die Millionenmetropole Chicago zu schicken. Hintergrund ist die grassierende Gewalt in der drittgrössten Stadt der USA, die unter anderem auf eine grosse Anzahl illegaler Waffen, zersplitterter Gangs und sozialer Probleme zurückgeht. Mit Blick auf Schusswaffengewalt am vergangenen Wochenende hatte Trump gesagt: «Das ist bei weitem schlimmer als Afghanistan

Am Dienstagabend (Ortszeit) gaben Unbekannte in Chicago Schüsse aus einem schwarzen Auto auf Gäste einer Beerdigung ab, sagte der Polizist Carter vor Journalisten. Teilnehmer der Zeremonie hätten ihrerseits auf die Insassen in dem Auto geschossen. Der Wagen sei davongefahren, die Unbekannten hätten allerdings weiter Schüsse abgegeben, bis sie einen Unfall gebaut hätten und zu Fuss in verschiedene Richtungen geflüchtet seien. Eine Person sei festgenommen worden und werde befragt. Es werde ermittelt, ob es sich bei den Gruppen um Gangs handele und diese schon früher aufeinander getroffen seien, sagte Carter. Aus Sicherheitsgründen sei eine Polizeistreife bei der Beerdigung gewesen. Nähere Details nannte Carter nicht.

Chicago police investigate the scene of a mass shooting where more then a dozen people were shot in the Gresham neighborhood, of Chicago, Tuesday, July 21, 2020.  (Tyler LaRiviere/Chicago Sun-Times via AP)

Tatort Chicago: Die Polizei sichert nach der wilden Schiesserei den Bild: keystone

Die Bürgermeisterin von Chicago, die Demokratin Lori Lightfoot, hatte angesichts des möglichen Einsatzes von Bundesbeamten in ihrer Stadt von «grossen Bedenken» gesprochen, insbesondere angesichts der Erfahrungen in Portland im US-Bundesstaat Oregon: «Wir brauchen keine Bundesbeamten ohne Abzeichen, die Menschen von der Strasse holen und sie, wie ich glaube, unrechtmässig festhalten.» Führende Demokraten werfen der Regierung im Streit um den Einsatz der Sicherheitskräfte der Bundesregierung vor, Oregon zum Spielball eines Wahlkampfs zu machen, in dem sich der Republikaner Trump als Mann für Recht und Ordnung inszenieren wolle.

Die Regierung beruft sich bei dem seit einigen Tagen andauernden Einsatz auf das Recht, vor Ort ein Bundesgericht zu schützen. Trump macht seit Wochen Wahlkampf mit einer Botschaft von «Recht und Ordnung». In Videos seiner Kampagne wird nahegelegt, dass die USA bei einem Wahlsieg der Demokraten in Chaos und Anarchie versinken würden.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums stellte am Dienstag klar, dass keine Kräfte des Militärs in Oregon im Einsatz seien. Verteidigungsminister Mark Esper habe mit Blick auf die Tarnuniformen der Beamten Bedenken innerhalb der Regierung geäussert, dass die Sicherheitskräfte des Bundes mit Soldaten verwechselt werden könnten, sagte Jonathan Hoffman bei einer Pressekonferenz im Pentagon.

Auch der amtierende Heimatschutzminister Chad Wolf betonte am Dienstag, dass es sich bei den Beamten um zivile Kräfte handelte. Er verteidigte den Einsatz in Portland. An die Demonstranten gerichtet sagte Wolf: «Wenn Sie friedlichem Protest in Portland nachgehen, respektiert mein Ministerium Ihr Recht, das zu tun.» Die nächtliche Gewalt müsse aber ein Ende haben. «Wir werden uns nicht zurückziehen», sagte Wolf.

Trumps Regierung hatte zum Höhepunkt der friedlichen Floyd-Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt auch in der Hauptstadt Washington Kräfte des Bundes eingesetzt - und dafür heftige Kritik von Bürgermeisterin Muriel Bowser geerntet. Demokraten warfen Trump vor, die Sicherheitskräfte des Bundes wie eine private Miliz einzusetzen. (meg/sda/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • mrgoku 22.07.2020 18:23
    Highlight Highlight USA Besuch nur mit Schussweste und am besten selber bewaffnet sein.

    Bester Schutz aber: Erst gar nicht hingegen.
  • Tchnologicaaa 22.07.2020 14:06
    Highlight Highlight Finde nur ich die Formulierung "Wieder Schusswaffengewalt" komisch?

    Da hat wieder einer Schusswaffengewalt angewendet.
    Halt oder ich wende Schusswaffengewalt an?
    Mir wurde Schusswaffengewalt angetan?

    Das selbe dann auch mit Stichwaffengewalt etc?
  • walsi 22.07.2020 12:27
    Highlight Highlight "in dem sich der Republikaner Trump als Mann für Recht und Ordnung inszenieren wolle."

    Wenn die Bürgermeisterin sich nicht darum kümmert, dürfen die Demokraten sich nicht beklagen, wenn der Bund übernimmt.
  • De-Saint-Ex 22.07.2020 11:38
    Highlight Highlight Ist natürlich für diesen Nero ein gefundenes Fressen. Soll er doch seine grünen Männchen überall hinschicken. Demokratie war mal... vor Trump. Oder um es mit seinen Worten zu formulieren: das ist weitaus schlimmer als China mit HK...
    • Wild Turkey 101 22.07.2020 15:31
      Highlight Highlight "das ist weitaus schlimmer als China mit HK..."

      Ist es aus Dutzenden von Gründen nachweislich nicht. Aber wenn wir schon beim Thema sind, dann frage dich doch mal warum denn die Freiheitskämpfer in HK die US-Hymne singen und deren Flaggen schwenken, während linke Demonstranten im Westen amerikanische Flaggen verbrennen?
    • De-Saint-Ex 22.07.2020 20:27
      Highlight Highlight aus Dutzenden von Gründen... die da wären?
  • Bivio 22.07.2020 11:06
    Highlight Highlight Gerade das Chicago zeigt das Problem der Gewalt und der Polizei. Seit einigen Jahren macht die Polizei nur noch Dienst nach Vorschrift, da die Bürgermeisterin sich massiv in die Polizeiarbeit eingemischt hat. Es gab immer wieder verzweifelte Aufrufe von versc. Stadträten, dies zu unterlassen und der Polizei mehr Spielraum zu geben.
    Hier sieht man gut was passiert, wenn man die Polizeiarbeit politisiert. Die Leidtragenden sind primär Minderheiten.
    Es sind USA-weit in den letzten 2 Monaten mehr Schwarze durch Schwarze umgekommen, als unbewaff. Schwarze durch die Polizei in den letzten Jahren.
    • Purscht 22.07.2020 11:43
      Highlight Highlight Mit deinem Post bin ich sowas von nicht einverstanden.
      1. Hoffentlich mischt sich die Politik in die Polizeiarbeit ein. Gerade in Amerika sieht man das Resultat wenn die Polizei zu viel Gestaltungsfreiheit hat. Die Polizei ist der Diener des Volkes. Nicht umgekehrt. Vieleicht sollte man nicht die Polizei aufrüsen sonder die Gewaltprävention und das soziale Auffangnetz.
    • Purscht 22.07.2020 11:43
      Highlight Highlight 2. Hoffentlich kommen mehr Schwarze durch Schwarze um, als unbewaffnete Schwarze durch Polizisten. ( Was für ein Vergleich). Durch Polizisten sollte eigendlich sozusagen niemand umkommen. Aber wenn die Polizei so unkontrolliert, militarisiert und zu schlecht ausgebildet ist wie in Amerika passiert das halt.
    • Papisco 22.07.2020 11:43
      Highlight Highlight Ein zwiespältiger Beitrag. Was heisst hier "eingemischt"? Hat die Bürgermeisterin keine Weisungsbefugnis gegenüber ihrer Polizei? Wenn doch die Polizei selber "Dienst nach Vorschrift" macht, also offenbar ihre Tätigkeit selber reduziert- was für "Spielraum" fehlt denn da? Klingt irgendwie nach "Polizei gut, Schwarze selber schuld"...
    Weitere Antworten anzeigen
  • M&M 22.07.2020 10:49
    Highlight Highlight Uff, ich glaube nicht mehr daran, dass ich das Ende der Waffenprobleme in den USA noch miterleben werde.
  • Chalbsbratwurst 22.07.2020 10:48
    Highlight Highlight Wenn jeder soviele Schusswaffen besitzen kann wie er möchte muss man sich nicht wundern wenn diese auch eingesetzt werden. Aber das kapieren die Amis wahrscheinlich nie weil viele noch dümmer sind als ihr Präsident... und das will was heissen!
    • Wild Turkey 101 22.07.2020 15:18
      Highlight Highlight Was spielt das für eine Rolle?
      Die Gangs und die Gelegenheitskriminellen beziehen ihre Waffen sowieso auf illegale Weise und registrieren diese nicht. Schon mal was von Darknet gehört?
      Da werden auch die strengsten Waffengesetze nichts daran ändern.
    • Electric Elefant 22.07.2020 17:49
      Highlight Highlight Wild Turkey 101: Autsch! Was ist denn das für eine Argumentation? Weil man etwas im Darknet besorgen kann, muss man es nicht verbieten? Mh, mit dieser Logik könnte man ja auch Auftragsmord legalisieren.... Echt jetzt?
  • Hillary Clinton 22.07.2020 10:46
    Highlight Highlight "Wieder Schusswaffengewalt in Chicago"

    Was ist das bitteschön für ein Titel?

    In Chicago herrscht JEDEN Tag der Woche Schusswaffengewalt und das seit Jahren!
  • Wild Turkey 101 22.07.2020 10:24
    Highlight Highlight Die Gewaltspirale in den USA dreht sich immer brutaler weiter. Auch die jüngsten Ereignisse in Europa (Dijon, London, Stuttgart) zeigen, dass auch bei uns mehr und mehr „amerikanische Verhältnisse“ Einzug halten.

    Wenn wir im Westen unsere Sicherheit und Freiheit auch in 50 Jahren noch haben wollen, müssen sich JETZT bestimmte Dinge in unserem Justizapparat radikal ändern. Der Staat muss viel repressiver gegen Renitenz vorgehen, um den unbescholtenen Bürgern und somit der Mehrheit der Gesellschaft ihre Freiheit in Sicherheit zu garantieren.
    • Asho 23.07.2020 01:18
      Highlight Highlight Die USA hat eine der höchsten Gefangenenrate der Welt... Repression allein scheint nicht das Allheilmittel zu sein.
  • Musikuss 22.07.2020 10:10
    Highlight Highlight Das ist eine Privatmiliz Trumps, ohne Kennzeichen, weder an den Uniformen, noch an den Autos. Damit sind sie juristisch nicht verfolgbar. Die posieren nicht nur, sondern verhaften willkürlich Menschen und bringen sie an „einen sicheren Ort“! Missliebige Menschen verschwinden zu lassen, ist gängige Methode von Diktaturen.
  • Goldjunge Krater 22.07.2020 09:59
    Highlight Highlight Leider versinken demokratisch regierte US-Städte immer mehr im Chaos.. Sehr besorgniserregend.

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