Trumps Power Play ist gescheitert – jetzt setzt er in Grönland auf 5 neue Tricks
US-Präsident Donald Trump droht nicht mehr damit, Grönland mit Gewalt an sich zu reissen. Der entschlossene Widerstand Europas und des Königreichs Dänemark, aber auch des US-Kongresses haben ihn zum Umdenken bewegt. Doch Trumps Interesse an der Insel ist ungebrochen. Seine Vertrauten gehen jetzt einfach unauffälliger vor – mit fünf Schachzügen.
Helfer in die Unabhängigkeit
Jeff Landry, Trumps Sondergesandter, versuchte diese Woche in Nuuk Freunde zu werben und einen Keil zwischen Grönland und Dänemark zu treiben. Er betonte, wie die USA Grönland zur Unabhängigkeit verhelfen könnten – mit einer besseren Wirtschaft, so wie das Island habe. Der US-Präsidenten habe dazu «die Tür geöffnet» und biete «unglaubliche Möglichkeiten». Gleichzeitig machte Landry aber klar, wer die Bedingungen stellt: Er erklärte offen, die USA müssten der Sicherheit wegen wieder ihren «Fussabdruck» in Grönland hinterlassen.
Das Öl-Szenario
Parallel zur politischen Charmeoffensive läuft eine wirtschaftliche. Mit Landry kamen die Chefs des US-Unternehmens Greenland Energy nach Nuuk. Sie vermuten in Nordostgrönland eines der grössten unerschlossenen Ölfelder der Welt und wollen mit Millionen-Kapital bereits im Herbst Probebohrungen starten. Dies, obwohl Grönland eigentlich die in der Arktis besonders riskante Ölförderung 2021 gestoppt hat. Doch Greenland Energy besitzt durch Firmen-Aufkäufe eine noch gültige Lizenz; allerdings fehlen noch Umweltabklärungen und Bewilligungen der grönländischen Behörden.
CEO Robert Price glaubt dennoch bereits an ein Ölabenteuer, wie es Norwegen und Alaska erlebt hätten. Auch er verspricht Grönland Unabhängigkeit, Reichtum und gleichzeitig Energiesicherheit für die USA und Europa. Mehrere Experten sehen darin einen direkten Zusammenhang mit Trumps Grönland-Ambitionen. Es sei eine «starke geopolitische Investition», sagt die dänische Energie-Forscherin Anne Merrild. Der Arktis-Experte Gorm Winther befürchtet, dass allfällige Gewinne vor allem bei den ausländischen Investoren landen werden.
Diplomatischer Druck
Dänemark und Grönland hatten gehofft, in den seit Januar laufenden diplomatischen Verhandlungen eine einvernehmliche Lösung mit der Trump-Regierung finden zu können. Doch laut Berichten der «New York Times» und der BBC stellen die USA dort inakzeptable Forderungen: So wollen sie drei zusätzliche Militärstandorte, für die Grönland aber permanent Land abtreten müsste.
Zudem fordern die Amerikaner offenbar ein Veto-Recht für Investitionen anderer Länder auf der Insel – und für sich selbst Spezialrechte, wenn es um Rohstoffen geht. Kopenhagen und Nuuk sehen dies als Eingriff in die Souveränität, weshalb sich die Verhandlungen in die Länge ziehen. Der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen erklärte nach einem Treffen mit Landry erneut, sein Land sei offen für Zusammenarbeit, aber Grönlands «rote Linien» müssten respektiert werden.
Wuchtige Präsenz
In Nuuk bauen die USA ihren Einfluss auch mit Beton aus. Mitten in der Hauptstadt haben sie am Donnerstag ein neues, 3000 Quadratmeter grosses Konsulat in einem wuchtigen Neubau eröffnet. Es gab für die Gäste Häppchen wie Moschusochsen-Hotdogs, doch von der grönländischen Regierung tauchte niemand auf. Dafür demonstrierten vor dem Gebäude Hunderte gegen Trumps Politik.
US-Botschafter Ken Howery gab sich betont freundlich, lobte die starke grönländische Gesellschaft, die «selbst über ihre Zukunft entscheide». Es war derselbe Botschafter, der noch vor kurzem Gewaltanwendung gegen Grönland nicht klar ausschliessen wollte, und die Bevölkerung erinnert sich nur zu gut an Medienberichte, dass das Konsulat in Beeinflussungsaktivitäten involviert sei – durch Geheimdienste oder Trump-Berater, die in Nuuk Netzwerke aufbauen wollen.
Ein bezahlter Grönländer
Mindestens ein Trump-Berater ist Grönländer: Jørgen Boassen hilft mit Kontakten und Übersetzungen, wenn immer die USA ihn brauchen. Er vermittle «amerikabegeisterte» Leute, zeige die positive Seite seines Landes, erklärte der 52-jährige Maurer. Er hat keine offizielle Anstellung, wird aber von «Landrys Freunden» bezahlt, sagt er dem Sender TV2. Es war Boassens Idee, die USA sollten das grönländische Gesundheitsystem anschauen – worauf Trump und Landry das US-Spitalschiff für Grönland lancierten, das allerdings nie aus den USA ablegte. (aargauerzeitung.ch)
