DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

NSA spähte Merkel mithilfe des dänischen Geheimdienstes aus

31.05.2021, 05:3731.05.2021, 13:20
Angela Merkel wurde vom dänischen Geheimdienst abgehört.
Angela Merkel wurde vom dänischen Geheimdienst abgehört.Bild: keystone

Der dänische Geheimdienst hat laut Medienberichten dem US-Geheimdienst NSA dabei geholfen, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere europäische Spitzenpolitiker abzuhören.

Der dänische Auslands- und Militärgeheimdienst Forsvarets Efterretningstjeneste (FE) habe der NSA die Nutzung der geheimen Abhörstation Sandagergardan in der Nähe von Kopenhagen ermöglicht, berichteten der Dänische Rundfunk (DR) und weitere europäische Medien, darunter der NDR, der WDR und die «Süddeutsche Zeitung» am Sonntag.

Laut den gemeinsamen Recherchen der Sender und Zeitungen konnte der US-Geheimdienst in den Jahren 2012 bis 2014 dort einen wichtigen Internetknotenpunkt verschiedener Unterseekabel anzapfen. Die Abhöraktion habe sich gegen führende Politikerinnen und Politiker aus Deutschland, Schweden, Norwegen, den Niederlanden und Frankreich gerichtet. In Deutschland war demnach neben Merkel und dem heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier auch der damalige SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück betroffen.

Den Recherchen zufolge wurde die Kooperation der NSA und des dänischen Geheimdienstes bei der Überwachung europäischer Nachbarländer 2015 in einem internen Bericht des FE dokumentiert. Die dänische Verteidigungsministerin Trine Bramsen, die seit Juni 2019 im Amt ist, wurde laut DR im August 2020 darüber informiert. Sie sagte dem Sender, «das systematische Abhören von engen Verbündeten» sei inakzeptabel.

Steinbrück sagte dem Rechercheverbund von NDR, WDR und «SZ», er habe erst durch die Berichte von der Abhöraktion gegen ihn erfahren. «Politisch halte ich das für einen Skandal.» Zwar glaube er, dass auch westliche Staaten funktionsfähige und tüchtige Nachrichtendienste benötigten. Doch zeige diese Art des Abhörens unter Partnern, «dass sie doch ein ziemliches Eigenleben führen».

Auch die deutsche Regierung hatte von der Bespitzelung führender Regierungsmitglieder aus Dänemark demnach keine Ahnung. «Der Gegenstand Ihrer Recherche ist der Bundeskanzlerin durch Ihre Anfrage bekannt geworden», sagte ein Regierungssprecher. Bundespräsident Steinmeier erklärte ebenfalls, er habe von den Abhöraktionen aus Dänemark bislang nichts gewusst.

Der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden hatte 2013 tausende streng geheime Dokumente über die Überwachungspraktiken der US-Nachrichtendienste veröffentlicht. Die Enthüllungen lösten weltweit Empörung aus. Unter anderem stand der Vorwurf im Raum, dass die NSA Merkels Handy angezapft habe. Die Ermittlungen dazu stellte die Bundesanwaltschaft allerdings 2015 ein. (sda/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Mit Büchsenantennen gegen NSA-Bespitzelung

1 / 15
Mit Büchsenantennen gegen NSA-Bespitzelung
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

«Hört auf, uns zu mobben!»: 10-jährige Transaktivistin hält emotionale Rede

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

25 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Überdimensionierte Riesenshrimps aka Reaper
31.05.2021 08:11registriert Juni 2016
Hat Deutschland tatsächlich gedacht wenn sie mit dem BND halb Europa ausspionieren (Staaten und Firmen => Hallo Deutsche Industrie 😏) würde die NSA von ihnen Ablassen?
422
Melden
Zum Kommentar
avatar
eightball
31.05.2021 07:42registriert September 2016
Man wird es erneut zähneknirschend akzeptieren und folgenlos totschweigen. Ist natürlich defakto ein Freipass auch an China, Russland und co.
425
Melden
Zum Kommentar
avatar
Zyniker haben es leichter
31.05.2021 08:13registriert Januar 2018
Also explizit unter Obama-Biden... Man stelle sich den Artikel vor, wenn das unter Trump gewesen wäre.
2515
Melden
Zum Kommentar
25
Der russische Präsident im Ausland: Warum Putin nicht verhaftet wird
Erstmals seit dem Ukraine-Krieg hat der russische Präsident sein Land verlassen. Im Ausland muss er keine Konsequenzen fürchten – das könnte sich noch ändern.

Fast wirkt es so, als würde es den Ukraine-Krieg nicht geben: Bei der offiziellen Mitteilung des Kremls zum Besuch von Wladimir Putin in Tadschikistan wird das Land, gegen das Russland seit Februar Krieg führt, mit keinem Wort erwähnt. Putin selbst spricht am Montag lediglich von Themen, die «sehr heikel» seien und die er mit seinem Amtskollegen Emomali Rahmon besprechen wolle. Stattdessen ist mehr von wirtschaftlichen Aspekten die Rede. Zudem sei der Kremlchef sehr am Nachbarland Afghanistan interessiert, wo er gerne die Beziehungen zu den herrschenden Taliban verbessern würde.

Zur Story