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Wegen eines Fehlalarms glaubten rund 1,5 Millionen Hawaiianer 38 Minuten lang, Kim Jong Un habe einen atomaren Erstschlag ausgeführt. bild: twitter / alexronga

Fehlalarm im Paradies: So lacht das Internet über den grössten Push-Fail der Geschichte

Ein falscher Knopfdruck sorgt im US-Bundesstaat Hawaii für Panik. Keller, Tiefgaragen und Badewannen wurden kurzerhand zu Raketen-Schutzbunkern umfunktioniert. 



Studenten rennen panisch über den Campus der Universität von Hawaii. Touristen räumen den berühmten Sandstrand von Waikiki. Familien verbarrikadieren sich im Badezimmer, suchen Zuflucht in der Kanalisation. Für mehr als eine halbe Stunde herrschte am Samstag im US-Bundesstaat Hawaii der Ausnahmezustand.

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Der Grund: Raketenalarm. Die Katastrophenschutzbehörde EMA des Bundesstaats hatte am Samstagmorgen die Bevölkerung per SMS-Nachricht vor einer Rakete gewarnt, die im Anflug auf Hawaii sei. «Dies ist keine Übung», hiess es in der Nachricht am Samstagmorgen (Ortszeit), die auch über Radio und Fernsehen verbreitet wurde. Die Bevölkerung solle unverzüglich Schutz suchen.

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Dieser Push-Alarm sorgte für die Panik.

Schuhe anziehen und in die Tiefgarage

«Ich habe meinem Sohn sofort gesagt, ‹Schuhe anziehen und raus zur nächsten Tiefgarage›. Der hat sich noch eine lange Hose angezogen und gemütlich Socken ausgesucht. Ich fing an die Minuten zu zählen, da wir nur zehn bis 15 Minuten haben, um unter Tage zu kommen», berichtet Denis Salle, der Honorarkonsul für die Bundesrepublik Deutschland in Hawaii, der Nachrichtenagentur DPA.

Der Hawaii-Parlamentsabgeordnete Matt LoPresti berichtete dem Nachrichtensender CNN: «Ich sass mit meinen Kindern in der Badewanne und wir haben gebetet.» In einem Video auf den sozialen Netzwerken war sogar zu sehen, wie eine Familie in einem Kanalisationsschacht Unterschlupf suchte.

Die deutsche Reporterin Katharina Kerzdörfer, die in den Ferien auf Hawaii den Fehlalarm miterlebte, berichtete im Bayerischen Rundfunk: «Im Hotel brach sofort Panik aus, Leute rannten über die Gänge und schrien im Innenhof. Aus der Ferne hörte man Sirenen. Nur mit dem Allernötigsten (Handy ...) liefen die meisten in den Keller, wo ein Hotelangestellter einen Technikraum spontan zum Bunker für etwa zwei Dutzend Menschen erklärte. Niemand hatte Handynetz, es herrschte also für einige Minuten völlige Ungewissheit.»

Für Besucher der Pearl-Harbor-Gedenkstätte war die Falschmeldung ein besonders emotionaler Moment. Sie mussten in einem Vorführraum ausharren, in dem ein Film die Ereignisse des 7. Dezembers 1941 schildert. Damals wurde der US-Militärstützpunkt auf Hawaii von japanischen Kampfflugzeugen angegriffen – Auslöser für den Kriegseintritt der USA.

Falschen Knopf gedrückt

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Die Katastrophenschützer korrigierten ihre eigene Nachricht 38 Minuten später auf gleichem Weg, kurz zuvor bereits via Twitter und Facebook. Beim Schichtwechsel habe jemand fälschlicherweise die Informationskette ausgelöst, die zu der Handy-Warnung geführt habe, hiess es zur Erklärung später.

Erst nach 38 Minuten folgte die Entwarnung per Push-Alarm

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In der Zeit zwischen dem Auslösen des Fehlalarms und der späteren Korrektur verzeichneten die Behörden in der Landeshauptstadt Honolulu mehr als 5000 Notrufe, erklärte Bürgermeister Kirk Caldwell auf einer Medienkonferenz. «Mehr als diese bewältigen konnten», so Caldwell weiter.

Insgesamt leben auf der Inselkette im Pazifik etwa 1,5 Millionen Menschen. «Im Ernstfall wäre der grösste Teil der Bevölkerung völlig ungeschützt gewesen. Die Geschwindigkeit der Ereignisse ist so verheerend, dass eigentlich auch ein funktionierendes Warnsystem nur wenig ausrichten kann», sagte Salle.

Die Regierung von Hawaii schätzt das anders ein: Im Falle eines echten Angriffs aus Nordkorea blieben den Bürgern zwischen Alarmierung und Einschlag 12 bis 15 Minuten Zeit, sich in Sicherheit zu bringen, wurde im Oktober 2017 in einem Informationsschreiben vorgerechnet. Es werde damit gerechnet, dass 90 Prozent der Inselbewohner so einen Angriff überleben könnten.

Trump wetterte zuvor gegen Kim: «Mein Atomknopf ist grösser als deiner»

Die Furcht vor einem Raketeneinschlag begleitet die Menschen in Hawaii seit Monaten – verstärkt durch nordkoreanische Tests, aber auch durch die verbale Aufrüstung sowohl des nordkoreanischen Staatschefs Kim Jong Un wie des US-Präsidenten Donald Trump. Dieser hatte jüngst damit geprahlt, er habe einen «grösseren Atomwaffenknopf» als sein Widersacher in Pjöngjang.

Auf Twitter wurde Trump nach dem Fehlalarm scharf angegriffen. Schauspieler Jim Carrey, der sich am Samstag in Hawaii aufhielt, schrieb: «Wenn wir es diesem Ein-Mann-Gomorra und seinem korrupten republikanischen Kongress weiterhin erlauben, die Welt zu verprellen, dann bewegen wir uns in Richtung Leid, das über unser Vorstellungsvermögen geht.»

Seine Kollegin Jamie Lee Curtis warf dem Präsidenten vor: «Für die Raketenangst sind Sie verantwortlich, Herr Trump. Für die echte Angst, die Mütter und Väter und Kinder hatten, sind Sie verantwortlich.»

Trump verbringt das Wochenende auf seinem Golf-Anwesen

Die Reaktionen im Netz

Ungefähr so stellen wir uns den Mitarbeiter der Katastrophenschutzbehörde mit dem nervösen Finger vor

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Beim Schichtwechsel mal eben den falschen Knopf erwischt:

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Währenddessen in Nordkorea:

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Warum es wirklich zum Fehlalarm kam:

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Eine alternative Theorie:

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(sda/dpa)

Donald Trump vs Kim Jong Un: Wer hat den Grösseren?

Nordkorea testet immer wieder Raketen

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Video: srf/SDA SRF

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22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 15.01.2018 01:17
    Highlight Highlight Da lacht keineswegs nur „das Internet“ darüber, denn ich gehe davon aus, dass Kim Jong Un ein äusserst vergnügliches Weekend vor der Glotze verbrachte 😉!
  • Crissie 14.01.2018 21:27
    Highlight Highlight Gem. Titel lacht also das Internet darüber! Ich finde diesen Vorfall überhaupt nicht zum Lachen, wenn ich mir vorstelle, welche Todesängste die Menschen ausgestanden haben müssen! Vor Allem, wenn man bedenkt, wie Trump und Kim sich zuvor gegenseitig mit ihren "roten Knöpfen" provoziert haben. Und dann dauerte es tatsächlich 39 Minuten - eine Ewigkeit - bis endlich die Entwarnung kam? Unglaublich!
    • ShadowSoul 15.01.2018 13:40
      Highlight Highlight Danke! Bin auch deiner Meinung. Krieg nur schon beim lesen die Panik...
  • xHascox 14.01.2018 20:55
    Highlight Highlight Ein Schweizer Luftschutzkeller nützt immerhin was gegen eine Atombombe. Die USA sollte lieber mal ein paar von denen Bauen lassen. Militärbudget haben sie ja genug, aber dass man in einer Badewanne schutz suchen muss, obwohl die Gefahr relativ hoch ist (und oft geübt), find ich lächerlich...
  • Alju 14.01.2018 18:34
    Highlight Highlight In Teilen der ETH wurde vor c.a. 2 Jahren auch ein Fehlalarm ausgelöst. Amoklauf.
    Nach 1 Stunde war der Spuk vorbei.

    Weil die Lautsprecherdurchsagen sehr vage waren, herrschte grosse Unklarheit. "Bitte schliessen Sie die Türen" ==> einige haben die Türen nur zu gemacht und nicht abgeschlossen, oder konnten nicht.

    Bin erstaunt darüber, dass dies nicht am die Öffentlichkeit gelangte.
  • Pogo 14.01.2018 17:53
    Highlight Highlight Den grösseren Knopf zu haben ist wohl doch nicht immer ein Vorteil...
  • galgenhumor 14.01.2018 17:50
    Highlight Highlight Für die Forschung über Notfallszenarien dürfte die Reaktion der Bevölkerung auf solche Fehlalarme interessant sein. Noch interessanter wäre aber die Reaktion eines gewissen Donald Trump auf einen Fake-Alarm (in einer Art Trumpman-Show) zu sehen. Wetten dass er den roten Knopf schneller drücken würde als er sonst unüberlegte Tweets absetzt? In echt will ich seine Reaktion aber eher nicht sehen. Bleibt die Hoffnung, dass er im Ernstfall von cooleren Leuten umgeben ist. Bitte recherchiert doch, wann er von diesem Alarm erfahren hat, ob vor oder nach dem Dementi.
  • Asmodeus 14.01.2018 16:45
    Highlight Highlight "Nur mit dem Allernötigsten (Handy ...) liefen die meisten in den Keller, wo ein Hotelangestellter einen Technikraum spontan zum Bunker für etwa zwei Dutzend Menschen erklärte."

    Angenommen man würde die Atombombe dort unten überleben. Was dann? Man würde ja eh jämmerlich verhungern/verdursten/verstrahlt.

    Da bleibt man lieber oben und holt sich die Bräunung seines Lebens.
    • SemperFi 14.01.2018 18:02
      Highlight Highlight @Asmodeus: Ohne Verharmlosung: eine Atombombe lässt sich überleben und es gibt ein Leben danach. Die Überlebenschancen sind ein einem Schutzraum massiv besser als draussen.
    • Asmodeus 14.01.2018 19:39
      Highlight Highlight Ein Schutzraum. Mit Essen, Trinken etc.

      Aber nicht in einer Badewanne oder einem Keller
    • Asmodeus 15.01.2018 08:24
      Highlight Highlight Trotzdem würden dabei 116 000 Menschen sofort sterben (Touristen nicht miteinberechnet).

      Das ist 1/3 der gesamten Bevölkerung Honolulus.

      Weitere 100 000 würden verletzt werden (also Verbrennungen dritten Grades)

      Die Verluste erhöhen sich noch um 50% falls die Bombe nicht einschlägt sondern wie geplant in der Luft detoniert.
  • Schreiberling 14.01.2018 16:43
    Highlight Highlight Meine Eltern wanderten einfach weiter. Typisch Schweizer 😅
    Benutzer Bild
  • Denk-mal 14.01.2018 16:12
    Highlight Highlight @raues....Genau!
    Ich denke, dass es da überhaupt weder zu lachen, noch zu witzeln gibt.
    Der heutige Mensch in "unserer" Gesellschaft sitzt zuviel am/im virtuellen. Wir werden uns noch wundern, wohin das führt. Garantiert!
  • jjjj 14.01.2018 15:38
    Highlight Highlight „Someone should be fired...“

    Mehr kommt der Twitter Dame nicht in den Sinn? ‘murica!
  • DerRabe 14.01.2018 15:24
    Highlight Highlight So kann man auch damit umgehen...
    Benutzer Bild
    • redeye70 14.01.2018 18:36
      Highlight Highlight Wenn ich schon den Abgang machen müsste dann ganz bestimmt mit einem guten Essen.
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 14.01.2018 15:18
    Highlight Highlight Ein spannendes Phänomen. Ich vertrete ja die Minderheitsposition, dass auch über jedes noch so kritische Thema Witze gemacht werden dürfen, deswegen kann ich auch sehr gut über die Tweets lachen. Auf der anderen Seite haben muss man sich auch vor Augen halten, das die Menschen auf Hawaii Todesängste ausgestanden habe. Ist es PC über die Angst von Menschen zu lachen?
  • malu 64 14.01.2018 15:16
    Highlight Highlight Das ist absolut nicht lustig! Darüber können sich nur Idioten amüsieren, die sich der Konsequenzen gar nicht bewusst sind!
    • Asmodeus 14.01.2018 16:47
      Highlight Highlight Die einzige Gefahr ist die Massenpanik von den Leuten. Und das wird in den USA (und mittlerweile auch bei uns) seit Dekaden von Politik und Medien geschürt.

      Wenn die Bombe kommt, dann kommt sie. Da hilft auch in eine Badewanne sitzen nichts mehr.
      Genauso wie "Duck and Cover" nie was gebracht hätte.
  • fw_80 14.01.2018 15:04
    Highlight Highlight 38 Minuten bis Entwarnung ausgesprochen wird? Was mussten sie da alles überlegen?
  • sichernit 14.01.2018 14:51
    Highlight Highlight Ups...man denke an; Der Hirtenjunge und der Wolf „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht!“
    • Anam.Cara 15.01.2018 07:52
      Highlight Highlight Hoffen wir mal, dass es nie wieder soweit kommt, dass ein solcher Alarm ausgelöst werden muss...

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