International
Deutschland

Hochwasser: Warum wurden nicht mehr Menschen gewarnt?

ABD0053_20210715 - SCHULD - DEUTSCHLAND: 15.07.2021, Rheinland-Pfalz, Schuld: Die mit einer Drohne gefertigte Aufnahme zeigt die Verw
Die Flutkatastrophe verursachte in Westdeutschland grosse Schäden.Bild: keystone

In Deutschland fragt man sich: Warum wurden nicht mehr Menschen gewarnt?

Bei der Flutkatastrophe in Westdeutschland wurde nur ein Teil der Menschen gewarnt, zum Beispiel durch Sirenenalarm. Denn laut Innenministerium gibt es vielerorts kaum noch solcher Anlagen.
17.07.2021, 15:5417.07.2021, 15:54
Ein Artikel von
t-online

Die Hydrologin Hannah Cloke von der britischen Universität Reading erhebt schwere Vorwürfe gegen den Katastrophenschutz in Deutschland. Die hohen Todeszahlen durch die Flutkatastrophe seien ein «erhebliches Versagen des Systems». Sie hätte erwartet, dass Menschen evakuiert werden «und nicht, dass im Jahr 2021 so viele Menschen in einer Flut sterben», sagte die Wissenschaftlerin dem Magazin «Politico».

Tatsächlich hatte das Europäische Hochwasserwarnsystem (EFAS), für das auch Hannah Cloke arbeitet, schon zu Anfang der Woche eine «extreme Flutwarnung» herausgegeben. Auch der Deutsche Wetterdienst ( DWD ) habe die Warnung an die Behörden weitergeleitet, sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche «Politico». Trotzdem gab es Vorwarnungen durch Sirenen oder Lautsprecherdurchsagen oft nicht oder erst zu spät. Nur ein Teil der Bevölkerung sei mit Sirenengeheul gewarnt worden, räumte jetzt auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ein.

Niemand weiss genau, wo die Sirenen stehen

Das liegt laut Seehofer daran, dass es vielerorts gar keine oder nur noch wenige funktionsfähige Sirenen gibt. Ein von seinem Ministerium aufgesetztes Förderprogramm für die Länder, die für den Katastrophenschutz in Friedenszeiten die Verantwortung tragen, ist zwar geplant, aber noch nicht umgesetzt. «Seit dem Frühjahr laufen mit den Ländern Abstimmungen zum Förderprogramm für den Aufbau und die Ertüchtigung der Sirenen», so Ministeriumssprecher Steve Alter. Der Prozess sei auf der Zielgeraden.

Der Bund hatte den Ländern insgesamt 88 Millionen Euro angeboten. Die Wartungskosten für die Anlagen müssen die Länder aber selber aufbringen. Hinzu kommt, dass es aktuell keine bundesweite Übersicht gibt, wo überall Warnsirenen stehen und wo nicht. An der Erstellung einer solchen Übersicht, zu der alle Länder und Kommunen beitragen müssen, arbeitet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) seit dem Frühjahr. Gegen Ende des Jahres soll es fertig sein.

In einem Konzept zur Neuausrichtung der Bonner Behörde vom März heisst es: «Ungeachtet der Möglichkeiten, die sich aus der fortschreitenden Digitalisierung ergeben, ist auch der Ausbau und Betrieb analoger Warnmedien, wie zum Beispiel ein modernes Sirenennetz, wichtig.» Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigten, dass Sirenen mit ihrem Weckeffekt auch Teile der Bevölkerung zügig und zuverlässig warnen könnten, die andere Warnmittel – etwa per Smartphone – nicht nutzen.

1 / 15
Unwetter in Deutschland, Juli 21
quelle: keystone / rhein-erft-kreis
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Verwendete Quellen:

(dpa/t-online)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Drohung: Austrian-Airlines-Flugzeug muss in Sofia landen
Wegen einer Drohung hat ein Flugzeug der österreichischen Fluggesellschaft Austrian Airlines einen ungeplanten Zwischenstopp in Sofia einlegen müssen. Die Maschine befand sich am Sonntagabend auf dem Weg von Tel Aviv nach Wien, als es die Kursänderung gab. «Das betroffene Flugzeug – ein Airbus A320 – wird nunmehr entsprechend durchsucht», hiess es nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA in einer Mitteilung von Austrian Airlines. Das Unternehmen bestätigte darin die Drohung.
Zur Story