International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04854921 Three people hold flags and a banner outside the Office of US interests in Cuba, in Havana, Cuba, 20 July 2015. The United States and Cuba are reestablishing diplomatic relations and reopening their embassies in the two capitals after half a century of enmity, a milestone that Cuban Foreign Minister Bruno Rodriguez will mark by making an historic visit to Washington for the ceremony, after which he will meet with his US counterpart, John Kerry. Seven months after US President Barack Obama and Cuban President Raul Castro surprised the world by announcing a process of bilateral rapprochement, the two governments will put an end to decades of hostility by reopening their diplomatic headquarters and resuming the ties broken in 1961.  EPA/Ernesto Mastrascusa

Kubaner feiern das diplomatische Tauwetter. Bild: EPA/EFE

Liebe Kubaner, wünscht euch jetzt kein Happy Meal!

Das diplomatische Tauwetter lockert womöglich das unselige US-Wirtschaftsembargo. Dann gingen die Läden wieder auf – und genau davor werden Kubaner jetzt schon wieder gewarnt.

Max Dohner / Aargauer Zeitung



Ein Artikel der

Der Hinweis auf Übersättigung macht die beiden staubig. Der Hinweis kommt vom Europäer. Die anderen sind Journalisten in Kuba, Gründer der ersten regimekritischen Internetzeitung des Landes. «Bei uns geigt jeder frei seine Meinung», doziert der Europäer, «wann er will, wo er will – im Netz, also überall. Und keiner kräht danach. Ihr hingegen bloggt einen Satz, und gleich wird der Staat nervös. Famos! Ihr findet Beachtung weit über euer Land hinaus.» Ist das so kreuzfalsch? Hat der Mann etwa nicht recht?

Prominent Cuban dissident and blogger Yoani Sanchez (R) walks with her husband Reinaldo Escobar outside Havana's Jose Marti International Airport in this May 30, 2013 file photo. Sanchez said police detained her husband and government opponent Eliecer Avila on Tuesday in what would be the highest profile detentions since Cuba and the United States agreed to end five decades of hostility. Escobar is a senior editor of the dissident news and opinion website 14ymedio.com and Avila is the leader of the opposition group Somos Mas (We Are More). A Cuban government official could not immediately confirm the report. REUTERS/Desmond Boylan/Files (CUBA - Tags: POLITICS CRIME LAW MEDIA)

Yoani Sànchez und Reinaldo Escobar. Bild: DESMOND BOYLAN/REUTERS

Nein. Der Ärger der beiden Blogger ist berechtigt. Sie heissen Yoani Sánchez und Reinaldo Escobar (ihr Mann). Yoani ist mittlerweile weltberühmt. Sie hatte im Internet illegal eine Art Tagebuch zu schreiben begonnen. Sie schilderte einfach das, was einer jungen Mutter mit wachem Geist in Havanna widerfährt – und widerstrebt. Yoani war mutig genug, das nach eigener Fasson elegant und stilsicher zu formulieren. Es genügte, um von Staats wegen mit altem Starrsinn darauf zu reagieren. Die Bloggerin wurde als «Söldnerin» im Dienst des Feindes hingestellt. Erst nachdem das Regime die Reisebeschränkungen gelockert hatte, nahm auch die Bewegungsfreiheit der beiden stark zu.

«Wir wollen mal Velo fahren»

Aber zurück zum Thema: Soll man Kubaner gönnerhaft belehren, wie sie mit Freiheit umzugehen haben? Mit Medienüberreizung? Westlichem Konsum? Die Frage stellt sich vor allem jetzt, da zwischen Kuba und den USA Tauwetter einsetzt. Womit ein Ende der unseligen Wirtschafts-Blockade näher rückt. 

«Tut um Gotteswillen alles, um kein zweites Miami zu werden!»

Was in der Folge die Sorge nährt, das «konsum-naive» Kuba werde von einem Trash-Schwall erfasst und untergehen. In einer Entwertungswoge aus Starbucks-Kaffee, Castings im Privat-TV und McDonald’s-Happy-Meals. In den düstersten Farben wird das an die Wand gemalt, gipfelnd im mahnenden Satz: «Tut um Gotteswillen alles, um kein zweites Miami zu werden!»

Kuba-USA: 54 Jahre Feindschaft

USA – Kuba: Der Vergleich


USA
Bevölkerung: 318 Mio.
Bevölkerungsdichte 34,6/km2
Stimmrechtsalter: 18
Parlamentssitze Frauen: 22 %
Wachstumsrate: 2,22 %
BIP pro Kopf: 53,04 $
Arbeitslosenrate: 7,4 %
Urbane Bevölkerung: 81,3 %
Netto-Migration: +5 Mio.
Geburtsrate: 12,5 pro 1000 Einwohner

Kuba
Bevölkerung: 11,3 Mio.
Bevölkerungsdichte: 100,7/km2
Stimmrechtsalter: 16
Parlamentssitze Frauen: 45 %
Wachstumsrate: 2,71 %
BIP pro Kopf: 6,05 $
Arbeitslosenrate: 3,2 %
Urbane Bevölkerung: 76,9 %
Netto-Migration: -140’000
Geburtsrate: 9,5 pro 1000 Einwohner

In anderen Worten: Es sind die neuen Möglichkeiten, die Kubaner fiebrig machen, egal ob vermeintliche Möglichkeiten oder nicht. Was gut sei und was schlecht, wurde ihnen lang genug vorgekaut. Wenn in der «Nordwestschweiz» gestern ein Kubaner zitiert wird mit den fröhlich besinnungslosen Worten: «Wir wollen mehr Internet, mehr Smartphones, mehr geile Klamotten!», dann schüttelt der fromme Revolutionspilger natürlich gramvoll den Kopf. Und die Esel von der Warenbörse glauben wieder mal, sie hätten gesiegt.

epa04854684 US Secretary of State John Kerry (R) and Cuban Foreign Minister Bruno Rodriguez (L) meet at the State Department in Washington, DC, USA, 20 July 2015. Cuba and the United States have re-established diplomatic relations, reopening embassies in one another's capitals for the first time since 1961.  EPA/MICHAEL REYNOLDS

Die Aussenminister Bruno Rodriguez und John Kerry. Bild: MICHAEL REYNOLDS/EPA/KEYSTONE

Jurassic Park oder Gotham

In Zürich und Basel, in Suhr und Sursee prallt der Bekümmerte mit jedem Schritt an einen McDonald’s. Aber vom Kubaner erwartet er jetzt, am Scheideweg zwischen Fidels Jurassic Park und Uncle Sam’s Shopping-Gotham, mehr politische Reife und Kultur. Mehr Unschuld, mehr Utopie. Wie Griechenland in den letzten Tagen, muss Kuba fast im Alleingang solche Hoffnungen tragen. Gefragt, ob sie das wollen, wurden Kubaner auf faire Weise bis heute nicht. 

Sind die kultigen Oldtimer auf Kuba Auslaufmodelle?

Das könnte dich auch interessieren:

Die Influencer der Zukunft sind nicht menschlich – und sind jetzt schon Millionen wert

Link zum Artikel

Roger Federer ein Spielball der Strömung – das könnte zum Problem werden

Link zum Artikel

Kassieren SVP und SP eine Schlappe? 7 wichtige Punkte zu den Zürcher Wahlen

Link zum Artikel

Im 30'000-Franken-Outfit – so rückt Leroy Sané in die DFB-Elf ein

Link zum Artikel

Bye-bye Beno: Wie der ehemalige Gassen-Mönch in die völkische Szene abrutschte

Link zum Artikel

Das sind die 3 typischen Phasen eines Pyro-Vorfalls

Link zum Artikel

Wie Trump im Fall Manafort schachmatt gesetzt wurde

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Angelo C. 21.07.2015 09:52
    Highlight Highlight Einerseits schön, wenn gewisse Sanktionen gelockert werden Kuba wieder etwas mehr wirtschaftlichen support erfährt! Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, die der vordergründigen Speckseite. Insider befürchten jedoch, dass sich die Geschichte wiederholen wird und ganz Kuba erneut ein einziges US-Bordell und ein grosser Ableger amerikanischer Spielcasinos wird. Genau wie zu Zeiten des letzten Diktators Batista, welcher sein Land zum unwürdigen Hinterhof und mafiösen Handlanger der USA degradierte, bis ihn Castro, Che Guevara und die Partisanen in die Flucht schlugen. Unlängst war ich an einer kubanischen Familienfeier in Basel eingeladen, wo man den Schweizer Gästen mehrfach einbläute : "Geht JETZT noch möglichst rasch nach Havanna, in wenigen Jahren wird Kuba seinen Charme wieder an die Amis und den Dollar verloren haben!"

Ocasio-Cortez nimmt Trump und Cohen auseinander – und das mit Folgen

Die jüngste Abgeordnete hat in nur vier Minuten den US-Präsidenten weiter in die Ecke gedrängt.

Die Anhörung von Michael Cohen sorgt in den Staaten weiterhin für viel Gesprächsstoff.

Stundenlang musste sich der ehemalige Anwalt von Donald Trump den Fragen von demokratischen und republikanischen Kongress-Abgeordneten stellen. Diese waren nicht immer gleich interessant, manchmal ging es den Politikern wohl eher darum, sich selber zu profilieren, als neue Erkenntnisse über Trumps Geschäftspraktiken zu erlangen. Kein Wunder, klebte doch die halbe USA vor den Bildschirmen.

Eine, welche wohl das …

Artikel lesen
Link zum Artikel