International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04559460 (FILE) A file undated handout image from NASA T.V. released on 20 May 2011 and taken by one of the crew members aboard the space shuttle Endeavour shows the International Space Station (ISS) as the two spacecraft were preparing to link up in Earth orbit. Reports on 14 January 2015 state the US segment of the ISS has been evacuated after a ammonia leak. The US astronauts are in security in the Russian section of the ISS, reports sate.  EPA/NASA TV / HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY

Die ISS: «Die komplexeste, wertvollste & unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat». Bild: EPA/NASA TV FILE

Die Weltraum-WG feiert ihren 20. Geburtstag – ist es der letzte?

Technikfehler, ein Leck und ein Beinahe-Crash: Die Raumstation ISS kämpft kurz vor ihrem 20. Jubiläum mit grossen Problemen. Wie lange hält die Station noch durch?



Die Internationale Raumstation ISS hat schwere Monate hinter sich. Immer wieder geriet die Weltraum-WG rund 400 Kilometer über der Erde in den vergangenen Monaten in unrühmliche Schlagzeilen. Dabei hat die Mannschaft um den deutschen Astronauten Alexander Gerst eigentlich Grund zum Feiern: Die ISS wird 20 Jahre alt. Möglicherweise erlebt sie aber gerade ihre letzte Lebensphase.

Am 20. November 1998 wurde das erste russische Modul «Sarja» (Morgenröte) ins All geschossen. Seither ist die ISS immer weiter gewachsen, inzwischen ist sie etwa so gross wie ein Fussballfeld und technisch vielfältig ausgerüstet. «Die komplexeste, wertvollste & unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat», nennt Gerst seinen derzeitigen Wohn- und Arbeitsort via Twitterbotschaft. Seit dem Jahr 2000 forschen ohne Unterbrechung Raumfahrer im Weltraumlabor. Gerst ist bereits zum zweiten Mal dort.

Die Welt von oben

Internationales Vorzeigeprojekt

Es war US-Präsident Ronald Reagan, der am 25. Januar 1984 die US-Raumfahrtagentur NASA mit der Entwicklung einer bemannten Raumstation beauftragte. Bald schon warben die Amerikaner bei den Europäern um Teilhabe – auch um zu verhindern, dass dort an einer eigenen Station getüftelt wird. Mit dem Ende der Sowjetunion 1990 entstand die ebenfalls nicht ganz selbstlose Idee, die Russen mit ins Boot zu holen. Eine Kooperation mit unzähligen Vorteilen etwa für die Völkerverständigung nach dem Kalten Krieg – aber auch mit Nachteilen. So wurde die Station grösser als eigentlich geplant und gebraucht.

«Die komplexeste, wertvollste & unwahrscheinlichste Maschine, die die Menschheit jemals gebaut hat.»

Der deutsche Astronaut Alexander Gerst

Die meisten Bauteile stammen aus den USA und Russland. Mit dem in Bremen und Turin (Italien) gebauten Forschungslabor Columbus erhielt das Haus im Orbit 2008 auch ein europäisches Zimmer. Mit einer gemütlichen Herberge ist der Koloss nicht vergleichbar. Bei voller Besetzung gibt es kaum Privatsphäre, die speziell vorbereiteten Mahlzeiten kommen aus der Tüte. Waschmöglichkeiten zwischen Kabeln und Computern sind zwar spektakulär, das Prozedere ist aber mühselig, wie die Raumfahrer immer wieder dokumentieren. Viel Arbeitszeit muss für die Wartung von Geräten und zum Putzen aufgewendet werden.

Über den Zustand der ISS gibt es zurzeit viele Spekulationen, auch weil die NASA und die russischen Kollegen von Roskosmos nur spärliche Informationen dazu geben. Die ISS dürfte trotz vieler Nachrüstungen über die Jahre ziemlich gelitten haben. Auch äusserlich: Einschläge verursachen immer wieder kleine Krater. Einige Male musste die ISS Weltraumschrott ausweichen und deswegen kurzfristig ihren Kurs ändern. Einmal durchschlug ein winziger Splitter ein Sonnensegel.

#YearInSpace: Mit diesen atemberaubenden Bildern verabschiedet sich Scott Kelly von der ISS

Zweifel an Sicherheit

Vorfälle wie dieser brachten die Crew bisher noch nie in ernsthafte Gefahr. Konsequenzen für die Zukunft der ISS könnten aber zwei Notfälle haben, die noch immer nicht im Detail geklärt sind.

Seit im Sommer ein kleines Leck in der russischen Sojus-Kapsel einen Druckabfall in der ISS auslöste, kursieren wilde Spekulationen über die Ursache. War es Pfusch, Sabotage oder einfach ein Unglück? Wenige Wochen später kam es erneut zu einem ernsthaften Zwischenfall: Ein Raketenfehlstart mit zwei Raumfahrern an Bord endete zwar glimpflich, brachte aber den ganzen Zeitplan von Gersts Mission durcheinander. Wieder zweifelte man weltweit an der Sicherheit des Projekts.

Das teuerste Gebäude der Welt

Kritiker bezeichnen die ISS gerne als das teuerste Gebäude der Welt - die Gesamtkosten seit 1998 liegen nach Schätzungen bei weit über 100 Milliarden US-Dollar. Zu den exakten Ausgaben halten sich die ISS-Mitglieder bedeckt. Mehr als drei Milliarden Dollar zahlen allein die USA Berichten zufolge jedes Jahr für den Betrieb.

«Wenn wir über Kontinente hinweg so zusammenarbeiten können, dann können wir noch viel mehr zusammen erreichen.»

Der deutsche Astronauten Alexander Gerst

Die europäische Raumfahrtagentur ESA gibt an, bisher zehn Milliarden Euro in die ISS investiert zu haben – davon vier Milliarden in die Entwicklung und sechs in ISS-Operationen zwischen 2008 und 2018. Die grössten ESA-Geber-Länder für die Station sind Deutschland, Italien und Frankreich, wie die Agentur mitteilt.

Die grosse Errungenschaft sei die Einigung auf den gemeinsamen Bau der ISS gewesen, auf einen «Plan für all diese Länder, gemeinsam langfristig erfolgreich zu arbeiten», sagte Lynn Cline, die damals für die NASA die Verhandlungen geleitet hatte. «Ich hoffe, dass dieser Plan in Zukunft ein Meilenstein in der Wissenschaft, der bemannten Raumfahrt und bei der Entwicklung hin zur nächsten Stufe sein wird.»

Nachts, wenn die Milchstrasse aufgeht

Trump will ISS privatisieren

Bislang ist der Betrieb des Raumlabors bis 2024 gesichert. Die ESA hält es für möglich, dass die Mitgliedsstaaten das Projekt bis 2028 verlängern. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump allerdings strebt bei der ISS einen Schnitt an und will eine Privatisierung vorantreiben.

Der Chef der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, Jan Wörner, glaubt aber nicht an ein solches Engagement von Unternehmen. Der Gesamtbetrieb der Raumstation sei einfach zu teuer, sagte er einmal. Will niemand mehr den 450-Tonnen-Koloss nutzen, soll die ISS stufenweise – wie schon der russische Vorgänger Mir – kontrolliert in den Pazifik stürzen.

Alexander Gerst

Erfolgreiche internationale Zusammenarbeit

Ob der politische Konflikt zwischen den beiden grossen Finanzgebern USA und Russland den gemeinsamen Betrieb möglicherweise schon vor 2024 enden lässt, ist derzeit unklar. Im nächsten Frühjahr wollen die USA und Russland über die Perspektiven verhandeln.

Dabei ist die ISS einer der wenigen Bereiche, bei der abseits der grossen Politik gemeinsam erfolgreich Projekte realisiert werden. Hunderte Kilometer über dem Boden könnte sie ein Beispiel für die Erde sein, meint Gerst. «Wenn wir über Kontinente hinweg so zusammenarbeiten können, dann können wir noch viel mehr zusammen erreichen», so der Astronaut. «Wir müssen es nur versuchen.» (sda/dpa)

Augenblicke – Bilder aus aller Welt

Italienischer Astronaut bestellt Pizza ins All

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Geld allein macht nicht glücklich – aber was dann, Herr Glücksforscher?

Link zum Artikel

Love-Scamming: Wie ich einer Russin (fast) auf den Leim gegangen bin

Link zum Artikel

Die Geschichte dieses Bildes steht exemplarisch für den momentanen Gender-Knorz

Link zum Artikel

Bond fährt E-Auto? (00)7 Vorschläge, wie er sich noch besser an die Generation Y anpasst

Link zum Artikel

Vegane Influencerin bekommt ihre Periode nicht mehr – jetzt zieht sie Konsequenzen

Link zum Artikel

Warum ich bete

Link zum Artikel

Die Influencer der Zukunft sind nicht menschlich – und sind jetzt schon Millionen wert

Link zum Artikel

Roger Federer ein Spielball der Strömung – das könnte zum Problem werden

Link zum Artikel

Kassieren SVP und SP eine Schlappe? 7 wichtige Punkte zu den Zürcher Wahlen

Link zum Artikel

Im 30'000-Franken-Outfit – so rückt Leroy Sané in die DFB-Elf ein

Link zum Artikel

Bye-bye Beno: Wie der ehemalige Gassen-Mönch in die völkische Szene abrutschte

Link zum Artikel

Das sind die 3 typischen Phasen eines Pyro-Vorfalls

Link zum Artikel

Wie Trump im Fall Manafort schachmatt gesetzt wurde

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Alnothur 18.11.2018 10:36
    Highlight Highlight Was für ein reisserischer, sensationalistischer Artikel.
  • Kaulquappe2.0 17.11.2018 16:57
    Highlight Highlight Wir beuten die Erde mit ihren Rohstoffen und Lebewesen aus und anstelle weltpolitisch nach vorne zu schauen, bieten wir Populismus und Nationalismus wieder Plattformen.

    Wenn wir so weitermachen und keine gemeinsame Ziele wie der Mond oder das All haben, welche uns kulturübergreifend faszinieren und weiterbringen, haben wir es wohl als Menschheit verdient am grossen Filter des Klimawandels zu zerschnellen.
    • Maranothar 17.11.2018 18:56
      Highlight Highlight Realistisch betrachtet rennen wir ungebremst in diese Mauer von einem Filter.
      Und der besteht nicht nur aus dem Klimawandel.
    • Midnight 17.11.2018 20:35
      Highlight Highlight ...dabei könnte man ja auch den Schutz des Planeten als gemeinsames Ziel anstreben. Aber wir wissen ja beide, wie das zur Zeit läuft.

      Dass interkontinentale Zusammenarbeit funktionieren kann, zeigt das Projekt ISS eindeutig. Wäre schade, wenn es jetzt vorzeitig beendet würde...
    • zuercher123 18.11.2018 00:17
      Highlight Highlight Das Ende der ISS kommt noch nicht so schnell. Trump hat hier nicht so viel zu melden, der US Kongress entscheidet, und die wollen bis 2030 das Projekt finanzieren.

Aus 90 Tagen wurden über 5000 – NASA beendet Mars-Mission des «Opportunity»-Rovers

Eigentlich sollte «Opportunity» nur 90 Tage auf dem Mars aktiv sein. Am Ende wurden es fast 15 Jahre. Der ausdauernde Roboter hat den Roten Planeten erkundet und Unmengen an kostbaren Daten geliefert. Doch ein Staubsturm im Sommer wurde ihm zum Verhängnis.

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat die Mission des Mars-Rovers «Opportunity» offiziell für beendet erklärt, weil es seit Monaten kein Lebenszeichen mehr von dem Roboter gibt. Nasa-Experten erklärten am Mittwoch (Ortszeit) im …

Artikel lesen
Link zum Artikel