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Rüstungsweste deutet auf uralten Technologietransfer hin

08.12.2021, 11:09
Bild: realmofhistory.com

Bereits während der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends vor Christus hat in Eurasien ein west-östlicher Technologietransfer stattgefunden. Darauf deutet ein in Nordwestchina gefundener Schuppenpanzer aus Leder hin.

Die schürzenartige Weste aus über 5500 Schuppen wurde im Jahr 2013 in einem Grab nahe der heutigen Stadt Turfan im Nordwesten Chinas gefunden. Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Zürich hat dieses Relikt nun umfassend analysiert.

Die Rüstung, die zwischen vier und fünf Kilogramm wiegt, stamme aus dem Zeitraum zwischen 786 und 543 vor Christus, berichten die Wissenschaftler um Patrick Wertmann im Fachmagazin «Quaternary International». Es sei ein leichtes und hocheffizientes Verteidigungskleidungsstück, geeignet für verschiedene Körpergrössen, für Soldaten einer gut organisierten Armee.

«Bei dem Fund handelt es sich um ein professionell hergestelltes Massenprodukt», sagte Erstautor Wertmann gemäss einer Mitteilung der Universität Zürich vom Mittwoch.

Neuassyrische Militärausrüstung

Mit dem Aufkommen mächtiger Staaten mit grossen Armeen in der Antike brauchte es solche vergleichsweise kostengünstigen Rüstungen für einfache Soldaten. Aus anderen archäologischen Stätten des zweiten und frühen ersten Jahrtausends vor Christus in Nordwestchina sind allerdings keine weiteren Funde von Schuppenpanzern bekannt.

Doch die Forschenden fanden heraus, dass eine zweite, sehr ähnliche Rüstung noch unbekannter Herkunft im Metropolitan Museum of Art New York (MET) liegt. «Da ein so hoher Grad an Standardisierung der militärischen Ausrüstung im 7. Jahrhundert vor Christus nur für die neuassyrischen Streitkräfte bekannt ist, vermuten wir, dass der Herstellungsort beider Rüstungen das neuassyrische Reich war», schreiben die Forschenden in ihrer Studie.

Das neuassyrischen Grossreichs erstreckte sich über Teile des heutigen Iraks, Irans, Syriens, der Türkei und Ägypten und war die dominierende Macht im Nahen Osten. «Auch wenn der genaue Weg des Schuppenpanzers aus Assyrien bis in den Nordwesten Chinas nicht mehr rekonstruiert werden kann, ist der Fund doch ein eindeutiger Beleg für den militärischen Technologietransfer über den eurasischen Kontinent im frühen ersten Jahrtausend vor Christus», so Wertmann.

Ob der Träger des in Nordwestchina gefundenen Schuppenpanzers ein ausländischer Soldat im Dienste der assyrischen Armee war oder sich die Ausrüstung erbeutete, lässt sich gemäss den Forschenden nicht zurückverfolgen.

(aeg/sda)

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