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Sommer 2023 bricht globalen Hitzerekord – enge Verbindung zur Klimakrise

German tourists together with local residents try to extinguish a fire, near the seaside resort of Lindos, on the Aegean Sea island of Rhodes, southeastern Greece, on Monday, July 24, 2023. A weeklong ...
Juli 2023: Touristinnen auf Rhodos helfen Einheimischen beim Löschen eines Brandes.Bild: keystone

Sommer 2023 bricht globalen Hitzerekord – enge Verbindung zur Klimakrise

Der Sommer dieses Jahres war global gesehen der heisseste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Von Juni bis August waren die Temperaturen so hoch wie nie.
06.09.2023, 08:3108.09.2023, 15:09
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Ein Artikel von
t-online

So heiss wie im Sommer 2023 war es noch nie seit Beginn der Messungen im Jahr 1940. Das teilte der EU-Klimawandel-Dienst Copernicus am Mittwoch für die Zeit von Juni bis August mit. Die vergangenen drei Monate waren weltweit «bei Weitem» die heissesten und auch das Jahr 2023 insgesamt könnte nach Angaben des EU-Klimadienstes das heisseste überhaupt werden.

Die weltweite Durchschnittstemperatur habe im Juni, Juli und August bei 16,77 Grad gelegen. Dies seien 0,66 Grad mehr als die Durchschnittstemperatur zwischen 1991 und 2020. Grundlage für die Ermittlung dieses Temperaturrekords sind Wetteraufzeichnungen, die bis ins Jahr 1940 zurückgehen sowie zahlreiche meteorologische und klimatologische Studien, die der Weltklimarat der Vereinten Nationen zusammengefasst hat.

Der jüngste Sommer knackt wohl ausserdem noch eine andere Marke, auch wenn diese wegen der weniger rigorosen Datenlage nur inoffiziell ist: «Die drei Monate, die hinter uns liegen, waren die heissesten seit etwa 120'000 Jahren, also seit Beginn der Menschheitsgeschichte», sagte Samantha Burgess von der Abteilung für Klimawandel bei Copernicus.

Um dies herauszufinden, haben Wissenschaftler unter anderem Klimadaten aus Eisbohrkernen analysiert, die bis zu 800'000 Jahre alt sein können, und ziehen auch Forschungsdaten aus den Ringen sehr alter Baumstämme hinzu.

Ein Rückblick auf die Sommer in Deutschland seit Messbeginn 1881: Die Temperaturen in der Periode von Juni bis August lagen vor allem seit 1980 zunehmend stark und häufig über dem langjährigen Durchsc ...
Ein Rückblick auf die Sommer in Deutschland seit Messbeginn 1881: Die Temperaturen in der Periode von Juni bis August lagen vor allem seit 1980 zunehmend stark und häufig über dem langjährigen Durchschnitt.quelle: dwd

In Folge der hohen Temperaturen in diesem Sommer ist es in Asien, Europa und Nordamerika zu teilweise dramatischen Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen gekommen; hinzu kam ein massiv gesteigertes Waldbrand-Risiko.

Aber auch in der südlichen Hemisphäre, wo Juni bis August Wintermonate sind, erreichten die Temperaturen an vielen Orten Höchstwerte für die Jahreszeit. Erst vor wenigen Tagen vermeldete der nationale Wetterdienst in Australien den wärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen, die dort bis zum Jahr 1910 zurückreichen.

Globale Erderhitzung hinter Negativrekorde

Weltweit sind Wissenschaftler aller Disziplinen sicher: Die menschengemachte Erderhitzung ist der Grund dafür, dass sich die Negativrekorde bei zahlreichen Extremwetterlagen zunehmend überschlagen. Die sogenannte «Attributionsforschung» schafft es sogar zu untersuchen, ob – und wenn ja, wie stark – der menschengemachte Klimawandel die Intensität und Häufigkeit einzelner extremer Wetterereignisse beeinflusst.

Wissenschaftler wie die renommierte deutsche Klimaforscherin Friederike Otto vergleichen hierfür langjährige Datenreihen und Modelle zu Klimatrends und Wetterereignissen mit und ohne den Ausstoss von Treibhausgasen aus menschlicher Nutzung von Kohle, Öl und Gas. Ihr Fazit: Der menschengemachte Klimawandel verstärkt ganz klar die Zahl und Maximaltemperatur von Hitzewellen. Auch für die Zunahme von Starkregenfällen zeichnet sich ein deutlicher Zusammenhang mit der Erderhitzung ab.

Zu den jüngsten Wetterereignissen, bei denen die World Weather Attribution Initiative eine enge Verbindung zur Klimakrise festgestellt hat, gehören unter anderem die Hitzewellen, die im Juli weite Regionen der Erde fest im Griff hatten: Ohne menschliches Zutun wären die in China tage- und teils wochenlangen Temperaturen von bis zu 40 Grad einmal im Vierteljahrtausend zu erwarten, so muss mit ihnen inzwischen jedoch rund alle fünf Jahre gerechnet werden.

Die diesjährigen sommerlichen Hitzewellen in Mexiko (bis zu 56 Grad), den USA (bis zu 50 Grad) und Südeuropa (mehr als 45 Grad) gelten laut den Analysen als «praktisch unmöglich, wenn die Menschheit den Planeten nicht durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe erwärmt hätte». Dass dieser Sommer als heissester seit Menschengedenken in die Geschichte eingeht, dürfte hiermit ebenso viel zu tun haben.

Quellen

(t-online/dsc)

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