Interview
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Interview

«Als Feuerwehrkommandant habe ich erlebt, wie explodierende Gasbehälter Hunderte von Metern weit geflogen sind»

Am Dienstag brannte in Olten ein Neubau. Kurze Zeit später tauchen die ersten Videos des Brandes auf. Zu sehen ist, wie es plötzlich zu einer Explosion kommt und die Passanten zurückweichen. Ein Ex- Feuerwehrkommandant erklärt, wie gefährlich solche «Feuerbälle» sein können.



Herr Hasler, wie gefährlich war der Brand in Olten für die Umgebung? 
Jürg Hasler:
Beim Feuer in Olten kam es zu Explosionen. Das kann sehr gefährlich sein, weil Gasflaschen bei starker Erhitzung unter einem extremen Druck zerbersten können und die Restteile zu Geschossen werden. Wer von einem solchen getroffen wird, kann sich schwer verletzen. Daher sollte man prinzipiell genügend Abstand zu brennenden Gebäuden halten. Dies gilt vor allem für unbeteiligte Schaulustige.

Zur Person

Jürg Hasler war Feuerwehrkommandant in der Chemie Basel. Dort hat er Erfahrungen mit gasbedingten Explosionen gesammelt. Nun ist er als technischer Leiter für die Brandschutzfirma Primus tätig. 

Was denken Sie, was war die Ursache?
Die Brandursache muss zuerst durch die Behörden geklärt werden. Der schwarze Rauch über dem Gebäude lässt vermuten, dass auf dem Dach Arbeiten mit Bitumen ausgeführt wurden und ein Bitumen-Kocher Feuer fing. Danach könnte sich das Feuer bis zu den Gasflaschen ausgebreitet haben, was zu den Explosionen führte. Dies ist aber nur eine Mutmassung.

Augenzeugen berichteten, dass es zu Druck- und Hitzewellen kam. Stammen diese auch von den Gasflaschen?
Vermutlich ja. Wenn ein Gasbehälter, egal welcher Grösse, einer extremen Hitze ausgesetzt wird, kann dies zu einem Überdruck im Behälter führen. An einem gewissen Punkt sind diese Kräfte dann so hoch, dass der Behälter der Belastung nachgibt. Dann werden grosse Mengen Gas in kurzer Zeit freigesetzt. Passiert dies in einem Feuer, kommt es zu Feuerbällen. Das sind vermutlich solche Druck- und Hitzewellen, die die Augenzeugen gespürt haben. Wie weit sich solche Feuerbälle ausbreiten, ist abhängig vom Behälterinhalt und kann daher stark variieren. Es sollte also immer ein grosser Abstand zu solchen Bränden gehalten werden. 

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Wie gefährlich ist es, solche Aufnahmen zu machen? YouTube/Valentin Sicher

Wie gefährlich ist der Rauch?
Dieser pechschwarze Rauch kann giftig sein. Es war klug von der Feuerwehr, die Nachbarn sofort aufzufordern, die Fenster zu schliessen. In unseren Wohnungen ist vieles aus Kunststoff und wenn dieser verbrennt, werden giftige Gase freigesetzt. Atmet eine Person zu viele dieser Gase ein, kann es zu einer Rauchvergiftung kommen. 

Was ausser Gasflaschen kann noch explodieren?
Jeder geschlossene Behälter kann beim Erhitzen bersten, sei dies ein Gastank im Freien, ein Fass mit Benzin oder ein Feuerzeug. Wird zum Beispiel ein Feuerzeug auf dem Armaturenbrett im Auto der Hitze ausgesetzt, kann auch dieses explodieren. Die freigesetzten Kräfte halten sich dabei einfach in kleinerem Rahmen als bei grösseren Gasbehältern.

Können dann zum Beispiel auch brennende Autos explodieren?
In Fernsehserien fliegen brennende Autos meistens schon nach kurzer Zeit in die Luft. Das ist natürlich eine Übertreibung. Es braucht eine gewisse Zeit, bis zum Beispiel ein Benzintank explodiert. Aber die Hitze und der Druck bei einem Feuer können dazu führen, dass der Kraftstoff im Tank verdampft. Dann kann es zu einem Feuerball kommen, wie bei jedem herkömmlichen Gasbehälter. Aber wie gesagt, das dauert eine Weile und in der Zwischenzeit sind die meisten brennenden Autos bereits gelöscht oder gesichert.

Gibt es einen Mindestabstand, den Passanten zu brennenden Fahrzeugen oder Gebäuden halten sollten?
Ich kann keine Zahl nennen, aber bei meiner Zeit als Kommandant bei der Feuerwehr in der Chemie Basel habe ich erlebt, wie solche Gasbehälter Hunderte von Metern weit geflogen sind. Auf höheren Gebäuden wie jenem in Olten können Teile sogar noch weiter fliegen. Es ist erschreckend, wie nahe gewisse Passanten an ein brennendes Gebäude herangehen, um ein Foto oder Video zu machen. Sie begeben sich damit in Lebensgefahr. Von aussen ist nämlich meistens nicht ersichtlich, ob ein Gebäude mit Gas geheizt wird oder ob sonst Gasbehälter herumstehen. Das ist auch für die Feuerwehr immer eine der ersten Fragen vor Ort. Daher ist Absperrmassnahmen durch Feuerwehr und Polizei immer Folge zu leisten.

Der Oltner Stadtpräsident im Interview mit watson

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YouTube/Rafaela Roth

Grossbrand in Olten

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