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Plus-Size-Model Hayley Hasselhoff: «Frauen mit Size Zero werden fertiggemacht und Frauen mit Grösse 44 werden fertiggemacht»

Hayley Hasselhoff arbeitet als Model für Übergrössen. Im Interview schimpft die Tochter von Sänger David Hasselhoff über die Vorurteile in der Modebranche.

Gesa Mayr



Ein Artikel von

Spiegel Online

Hayley Hasselhoff, knapp 1,74 Meter gross, blonde Haare, grüne Augen, beneidenswerte Wangenknochen, hat Modelmasse. Mit Kleidergrösse 42-44 sogar Übergrössenmodelmasse. In diesem Jahr war sie viel unterwegs, Berlin, Sydney, Paris, London. Alles für die Mode, alles für ihre neue Karriere. Es hat sich gelohnt, im vergangenen Jahr hat sich herumgesprochen: Die Tochter von David Hasselhoff macht jetzt Mode in XXL.

Immer häufiger finden parallel zu den Fashion Weeks auch Schauen für Übergrössen statt. Im Februar 2014 gab es zum zweiten Mal das British Plus Size Fashion Weekend, im Mai folgte die Pulp Fashion Week für Übergrössen in Paris. Immer mit dabei: Hayley Hasselhoff. In London bekam sie gleich noch einen Preis als bestes Übergrössenmodel verliehen, die Pariser akquirierten sie als Botschafterin ihrer Veranstaltung. Die 22-Jährige ist ein Aushängeschild der Plus-Size-Schauen geworden.

Mit Sicherheit hat es geholfen, dass ihr Vater David so bekannt ist. Der Serienstar zerrte seine Töchter schon im Kindesalter vor die Kamera. Hayley hatte als Kleinkind Gastauftritte in «Baywatch», es folgten eine Rolle in einer US-Teenie-Serie und der familieneigenen Realityshow «The Hasselhoffs». 

The cast of lifeguards from the syndicated TV series 'Baywatch' pose at the beach in 1994. They are, clockwise from top left: David Charvet, David Hasselhoff, Alexandra Paul, Pamela Anderson, Jason Simmons and Yasmine Bleeth. (KEYSTONE/AP Photo/All American Television)

Die Wächter der Bucht, 1994: David Charvet, David Hasselhoff, Alexandra Paul, Pamela Anderson, Jason Simmons und Yasmine Bleeth.   Bild: AP, ALL AMERICAN TELEVISION

Für einen spektakulären Blick ins tatsächliche Familienleben sorgten allerdings Hayley und ihre ältere Schwester Taylor Ann. Die beiden Teenagerinnen nahmen ihren betrunkenen Vater auf Video auf. Der Clip gelangte ins Netz. Immerhin, der Vater bemühte sich um Ernüchterung und ein halbwegs erfolgreiches Comeback. Über die Alkohol-Eskapaden ihres Vaters will sie heute nicht reden. Aber über Frauen mit Kurven. Also los.

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Der betrunkene Hasselhoff. video: youtube/drunkinterviews

Frau Hasselhoff, wie wurden Sie Plus-Size-Model?
Hasselhoff: Ich wollte immer schon in die Unterhaltungsbranche, meine Familie hat dazu ja einen gewissen Hang. Allerdings wollte ich nie Model werden, das kam wie aus dem Nichts auf mich zu. Die Agentur Ford Models hat mich mit 14 unter Vertrag genommen. Ich kann mich noch an meinen ersten Job erinnern. Backstage war die Hölle los, alle waren damit beschäftigt, mir von einem Kleid ins nächste zu helfen. Das Adrenalin war unglaublich. Und es hat wirklich Spass gemacht.

Sie sind jetzt 22. Wie hat sich die Branche verändert?
Die Qualität und die Verarbeitung sind mittlerweile sehr viel besser. Vor ein paar Jahren noch war die Plus-Size-Mode nicht wirklich mein Geschmack. Aber mittlerweile gibt es Dutzende Designer, die Mode jenseits der 38 machen.

Hat sich auch die Wahrnehmung verändert?
Es gibt viel mehr Publicity. Die Leute verstehen langsam die Idee von Plus Size, dass es die Durchschnittsgrösse in der Welt widerspiegelt. Die ist nämlich eher 42 als Size Zero.

Sind Sie zufrieden mit Ihrer Figur?
Ich fühle mich sehr wohl. Ich musste erst mal meine Kurven verstehen: Was mir mit meiner Figur steht, was nicht. Dabei geht es auch um Selbstbewusstsein.

Es gibt allerdings auch Leute, die kritisieren, Plus-Size-Models würden ein ungesundes Körperbild vermitteln.
Viele haben eine falsche Vorstellung von dem, was Plus Size bedeutet. Plus-Size-Models leben durchaus gesund und halten sich fit. Nur weil man nicht in die Grössentabellen der «traditionellen» Modemarken passt, heisst das noch lange nicht, dass man krankhaft fettleibig ist. Die Menschen urteilen in der Beziehung oft vorschnell, ohne zu wissen, wie die Leute leben. Haben Frauen die Grösse 32, heisst es, sie hungern. Haben sie Grösse 44, heisst es, sie seien übergewichtig. Auf die Idee, dass es auf der Welt verschiedene Figurtypen gibt, kommt niemand.

Hayley Hasselhoff als Model

Vielleicht weil…
Das Irre ist doch: Frauen mit Size Zero werden fertiggemacht, Frauen mit Grösse 44 werden fertiggemacht. Und wenn dann mal eine Frau mit Grösse 38 für Calvin Klein Werbung macht, wird die auch total fertiggemacht. Das ist alles Unsinn.  

Glauben Sie, über das Thema Gewicht und Figur wird irgendwann entspannter geredet werden?
Ich glaube, es wird immer Leute geben, die eine Meinung zu etwas haben, von dem sie keine Ahnung haben. Aber so ist das Leben, so sind die Menschen. Es kommt darauf an, wie man damit umgeht, wie sehr man es an sich heranlässt. Ich habe das Gefühl, da ist schon einiges passiert, was man auch daran sieht, dass die Branche für Übergrössen wächst.

Wie gehen Sie mit Kritik um?
Ich finde konstruktive Kritik gut, so kann man sich verbessern. Wenn es darum geht, dass irgendwelche Boulevardblätter einen fertigmachen – ich habe gelernt, das zu ignorieren.

Was ist das grösste Kompliment, das Sie bekommen haben?
Als meine Eltern mir gesagt haben, dass sie stolz auf mich sind. Ich weiss auch nicht, warum mir das als Erstes einfällt. Aber in unserer Familie stehen wir uns wirklich nahe, deswegen ist es mir so viel wert. Und natürlich ist es toll, wenn Frauen mir sagen, dass ich ihnen geholfen habe, selbstbewusster zu werden.

Die Familie Hasselhoff

Ihr Vater steht selbst in der Öffentlichkeit. Hat er Ihnen ein paar Tipps gegeben?
Mein Vater hat mir immer beigebracht, dass es in dem Geschäft um Leidenschaft und um das Handwerk geht. Und dass man nie wegen etwas anderem in dieser Branche sein sollte.

Hat der Name Hasselhoff Ihnen Türen geöffnet?
Ich liebe meinen Vater, und ich bin dankbar für seinen Erfolg. Er hat mir gezeigt, was ich alles erreichen kann. Er möchte mir auch auf meinem Weg helfen, soweit er es kann. Aber ich will es alleine schaffen. Ich will nicht undankbar sein. Natürlich ist es toll, wenn die Menschen in Deutschland mich wegen meines Vaters ansprechen. Aber ich möchte Erfolg wegen meines Könnens haben.

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