Interview
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Bild: ZVG

Good Guy Admiral

Interview

Wenn du dieses Interview mit Admiral James T. liest, wirst du es noch mehr bedauern, dass er geht



Ich bin kürzlich über das Statusupdate des Schweizer Musikers Admiral James T. gestolpert. Die Kurzfassung der längeren Facebook-Nachricht: Der 37-Jährige hört nach zwanzig Jahren auf, als Admiral aufzutreten. Dass sich Bands auflösen, Solo-Künstler ihre Projekte begraben, passiert ständig. Dass sie so offen über die Gründe ihrer Entscheidung sprechen, kommt selten vor.

David, der Admiral ist also Geschichte. Du willst aber trotzdem nicht, dass das ein Abdankungs-Interview wird.
David Langhart formerly known as Admiral James T.:
 Nein, gar nicht. Die Kommentare auf meinen Facebook-Post habe ich so nicht erwartet. Die Reaktionen gehen mir natürlich sehr nahe – aber ich wollte nicht, dass sich jetzt alle von mir verabschieden. Das ist keine Beerdigung.

«Ich hab nur eine Kunstfigur getötet – nicht mich.»

Aber du hast Admiral James T. beerdigt.
Ja, das stimmt. Aber ich beerdige nur den Admiral. Eine Kunstfigur. Und sonst niemanden. Vor allem nicht mich. Es ist schlussendlich nur ein Name, der auf irgendwelchen Platten draufsteht. Ich hätte auch einfach ohne etwas zu sagen eine Pause einlegen und mal keine Platte rausbringen können – aber ich musste diese Mitteilung vor allem für mich selbst in die Welt hinausschicken. Um den Admiral zu stoppen.

Was hat der Admiral dir denn getan?
Er hat mich in den letzten Jahren sehr, sehr viel Kraft gekostet und an mir gezehrt. Rückblickend merke ich, dass ich seit einer Dekade in einem Kreislauf feststecke, aus dem ich erst jetzt versuche rauszukommen.

Was für ein Kreislauf?
Platten produzieren, Konzerte geben, mit den Medien über meine neue Scheibe reden, obwohl ich mir die Alben nach der Veröffentlichung gar nicht mehr angehört habe. Ich stehe nicht gerne vor der Kamera oder gebe Interviews, in denen ich mich selbst als supergeil hinstellen muss.

Bild

Admiral James T. in jungen Jahren. Bild: ZVG

Aber das gehört nun mal zur Promo dazu. Bist du denn von deinen Werken nie überzeugt gewesen?
Wenn ich ein neues Album rausgebracht habe, wusste ich immer: Das ist das Bestmögliche, was ich zum jetzigen Zeitpunkt produzieren kann. Und selbstverständlich wollte ich auch, dass die Platten ein bisschen gekauft werden – also habe ich den Medienzirkus mitgemacht. Zu Anfangszeiten fand ich meine Songs auch noch selbst super und habe sie stundenlang anhören können. Aber ich bin trotzdem nicht rumgelaufen und habe bei Freunden geprahlt, wie toll mein neues Album ist. Berühmt wollte ich sowieso nie werden.

«Dieses sogenannte Musikbusiness, wo sich alle verkleiden und ein bisschen Rockstar spielen ... Nein, danke.»

Wann hast du beschlossen, dass du nicht berühmt werden willst?
Als ich mein allererstes Album rausgebracht habe, dachte ich: Okay, das ist ein Knüller, jetzt kommt der Durchbruch! Aber er kam nicht. Und weisst du was? Es war mir egal. Der ganze Rummel, dieses sogenannte Musikbusiness, wo sich alle verkleiden und ein bisschen Rockstar spielen, irgendwelchen Quark produzieren und sich dann gegenseitig auch noch auf die Schulter klopfen, auf das alles verzichte ich gern.

Aber diese Einstellung hat mittlerweile genau das Gegenteil bewirkt.
Ja. Jetzt werde ich als eine Art Schweizer Antiheld der Musikszene gesehen. Das wollte ich ja auch nicht.

Was willst du denn?
Einfach Musik machen. Das ist das, was ich schon mein ganzes Leben lang mache. Am Anfang konnte ich noch ganz unbeschwert an neue Songs rangehen. Es war zwar damals schon immer ein Kampf, bis ein Album beziehungsweise eine Kassette fertig war, aber heute kostet mich das Prozedere zu viel Energie. Energie, die ich nicht mehr habe. Ich hatte bereits zum zweiten mal einen Hörsturz. Seit zehn Jahren habe ich keinen Spass an dem, was ich mache. Ich sitze nur noch im Studio, produziere einen Song nach dem anderen, frage mich, obs ein Seich ist oder nicht, schmeisse ihn allenfalls in die Tonne und beginne von vorne – seit zwei Jahren geh ich nicht mal mehr raus ein Bier trinken. Das Einzige was ich mache, um meinen Kopf ein wenig frei zu bekommen, ist irgendwelche Trash-Sendungen ansehen. Die Swiss Music Awards zum Beispiel.

Ha. Aber jetzt ernsthaft: Du hast seit zehn Jahren keinen Spass mehr daran, Musik zu machen?
Das klingt schon traurig, wenn man das so sagt. Aber es waren jetzt nicht durchgehend zehn Jahre. Wenn ich mit meinen Begleitmusikern Konzerte gegeben habe, oder sich im Studio ein Lied besonders schön entwickelt hat, hat mir das schon Spass bereitet. Im Grossen und Ganzen betrachtet aber... Nein, ich habe keine Freude mehr daran.

«Ich hab schon früher immer zu spät gehandelt. Einfach alles laufen lassen. Bis es hinüber war.»

Wieso hast du denn nicht schon früher etwas unternommen?
Das hätte man machen können, ja. Ich war mehr als die Hälfte meines Lebens als Admiral unterwegs. Das hat mich natürlich geprägt, nach Innen wie nach Aussen. Es ist schwierig zu sehen, dass der eigene Weg nicht mehr der richtige ist. Aber ich habe schon immer zu spät gehandelt. Ich hab beispielsweise auch meine Autos immer so lange gefahren, bis sie nicht mehr liefen. Auch in Beziehungen war es so. Ich war so lange mit jemandem zusammen, bis es einfach nicht mehr ging. Auch da hätte man ja mal vorher etwas unternehmen und an sich arbeiten können. Das hab ich aber nicht gemacht. Ich habs einfach laufen lassen. Bis es hinüber war. 

So wie jetzt Admiral James T. ...
Ja. Das war auch so ein schleichender Prozess. Es ist auf alle Fälle nichts Einschneidendes passiert. Es ist keine Yoko Ono aufgetaucht, die die Band – also mich – hätte auseinander reissen können. Vielleicht ist das einfach der Werdegang eines Solokünstlers. Ein Bildhauer hat irgendwann womöglich auch keinen Bock mehr auf Steine und will neue Materialien ausprobieren.

«Ich bin jetzt 37 Jahre alt, ledig und ohne Kinder – der perfekte Zeitpunkt, um zu gehen.»

Und du hast keine Lust mehr, als diese Kunstfigur aufzutreten.
Ich hab einfach auch keine Kraft mehr. Ich muss mich neu erfinden, neuen Aufgaben stellen. Vielleicht auch mal professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, ich weiss es nicht. Aber zurzeit beschäftige ich mich vor allem mit meiner geplanten Auswanderung in die USA. Ich bin jetzt 37 Jahre alt, habe weder Frau noch Kinder – es ist für mich der perfekte Zeitpunkt, um zu gehen. 

Hätte es eine andere Schweizer Stadt nicht auch getan?
Das hab ich tatsächlich überlegt. Eine Hütte im Jura oder so. Aber die Schweiz ist mir zu klein, alles zu nah beieinander. Bis ich 40 bin wollte ich sowieso noch wo anders leben – wenn ichs jetzt nicht tue, dann bereue ich es später.

Den passenden Song zu dieser Entscheidung hast du ja schon geschrieben.
Genau. Ein eher düsterer Song. Den höre ich mir jetzt an.

Wir auch:

Admiral James T. – «It's Time To Move Along» Video: YouTube/DALAprodukte

Die letzten drei Konzerte von Admiral James T.

Wer den Admiral noch einmal live sehen möchte («mit dem Elan eines alten Baumes»), kann dies an folgenden Daten tun:

26. April im Helsinki, Zürich
10. Mai im Helsinki, Zürich
6. Juni im Gaswerk, Winterthur

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Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
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Deutschlands unerziehbare Kinder – die wahren Schicksale hinter dem Film «Systemsprenger»

Benni rennt. Und kämpft und wütet und schreit um ihr Leben. Das Spielfilmdebüt von Nora Fingscheidt über eine Neunjährige, die durch alle sozialen Netze fällt, fährt ein. Und verhilft der Regisseurin nicht nur zu unzähligen Preisen, sondern ihrer Hauptdarstellerin auch gleich noch zu einer Rolle an der Seite von Tom Hanks.

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