Israel
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Israel's mainly Jewish Ethiopians clash with Israeli riot police during a protest against racism and police brutality in Tel Aviv, Israel, Sunday, May 3, 2015, as several thousand people from Israel's Jewish Ethiopian minority protest, shutting down a major highway and clashing with police on horseback long into the night. The protest was mostly peaceful during the day, but by nightfall became violent with at least 20 officers were hurt and

Die Polizei schlägt Demonstranten in die Flucht. Bild: Oded Balilty/AP/KEYSTONE

Demo gegen Rassismus: Israelische Polizei geht hart gegen äthiopische Juden vor – dutzende Verletzte 

In Israel ist es bei einer Demonstration äthiopisch-stämmiger Juden gegen Rassismus und Polizeigewalt erneut zu schweren Zusammenstössen gekommen: Am Sonntagabend lieferten sich Teilnehmer eines Protestmarschs in Tel Aviv Strassenschlachten mit Sicherheitskräften.



Nach Angaben der Organisatoren setzte die Polizei Blendgranaten und Wasserwerfer ein. Teilnehmer warfen Gegenstände auf Polizisten. Mindestens 23 Beamte und sieben Demonstranten wurden verletzt.

Medien berichteten unter Berufung auf die Organisatoren von rund 10'000 Teilnehmern, laut Polizei waren es 3000. Wie ein AFP-Reporter berichtete, schlossen sich zahlreiche andere Israelis den äthiopisch-stämmigen Demonstranten an. Die Teilnehmer forderten gleiche Rechte für alle und die Bestrafung gewalttätiger Polizisten.

Protesters, whom are mainly Israeli Jews of Ethiopian origin, run away as a policeman on a horse tries to disperse them during a demonstration against what they say is police racism and brutality, after the emergence last week of a video clip that showed policemen shoving and punching a black soldier in a protest at Rabin Square in Tel Aviv May 3, 2015. Israeli mounted police charged hundreds of ethnic Ethiopian citizens and fired stun grenades on Saturday to try to clear one of the most violent protests in memory in the heart of Tel Aviv. REUTERS/Baz Ratner

Mit einem Pferd versucht ein Polizist, die Masse zurückzuhalten. Bild: BAZ RATNER/REUTERS

Erst am Donnerstag war eine entsprechende Demonstration mit rund 2000 Teilnehmern in Jerusalem in Gewalt umgeschlagen, es gab Verletzte und Festnahmen.

Auslöser der Proteste waren Medienberichte über einen Übergriff auf einen Israeli äthiopischer Herkunft in der südisraelischen Stadt Beerscheba. Der Mann gab an, von Beamten der Einwanderungsbehörde angegriffen worden zu sein, weil sie ihn für einen Einwanderer ohne gültige Papiere hielten. In der Woche zuvor hatte zudem ein Video für Empörung gesorgt, in dem Polizisten den äthiopisch-stämmigen Soldaten Damas Pakada schlagen.

«Israel ist ein rassistisches Land»

In Tel Aviv blockierten die Demonstranten zunächst während des Berufsverkehrs eine wichtige Strasse und lösten damit Staus aus. Dann marschierten die Demonstranten durch die Innenstadt von Tel Aviv. Viele Teilnehmer reckten ihre Arme über Kreuz in die Luft, als steckten sie in Handschellen. «Ich bin schwarz, deshalb muss ich heute demonstrieren», sagte der 34-jährige Eddie Maconen. Er selbst habe nie Polizeigewalt erlebt, aber seine Gemeinde sei betroffen.

Teilnehmer Zion Cohen sagte, er wolle seine äthiopisch-stämmigen Mitbürger unterstützen. «Sie haben hundertprozentig recht», sagte er. «Israel ist ein rassistisches Land und wir akzeptieren das nicht.»

Der Demonstrationszug zog weiter zum Rathaus von Tel Aviv, wo die Lage eskalierte: Berittene Polizisten setzten Blendgranaten ein, um die Menge auseinanderzutreiben und von einem Sturm auf das Rathaus abzuhalten. Die Polizei setzte zudem Wasserwerfer und Pfefferspray ein und versuchte, Demonstranten aus den umliegenden Strassen zu vertreiben. Diese kehrten jedoch immer wieder zurück.

epa04731924 Israelis members of the Ethiopian community protest against racism and what they say is excessive aggression by Israeli police, in Tel Aviv, Israel, 03 May 2105. Member of the Ethiopian community blocked Tel Aviv's Ayalon highway in response to a video posted online allegedly showing Israeli border policemen assaulting an Israeli soldier of Ethiopian origin.  EPA/DANIEL BAR ON

Klare Zeichen. Die äthiopischen Juden fühlen sich benachteiligt in Israel.  Bild: DANIEL BAR ON/EPA/KEYSTONE

«Es gibt keinen, mit dem man reden kann»

Die Demonstranten warfen ihrerseits Steine, Flaschen und Stühle auf die Beamten. Polizeisprecherin Luba Samri sagte, mehrere Demonstranten seien festgenommen worden.

Israels Sicherheitsminister Jizchak Aharonovitsch sagte, es sei schwierig gegen den «Aufstand» anzugehen, da dieser keine eindeutige Führungsspitze habe. «Es gibt keinen, mit dem man reden kann», sagte er zu Journalisten.

Zu Beginn der Demonstration in Tel Aviv war eine Erklärung des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu bekannt worden, worin dieser für Montag ein Treffen mit dem Soldaten Damas Pakada sowie mit anderen Vertretern der äthiopischen Gemeinde ankündigte.

In Israel leben mehr als 135'000 Juden äthiopischer Herkunft, die vor allem in zwei Einwanderungswellen 1984 und 1991 ins Land kamen. Bis heute sind die meisten von ihnen nicht in die israelische Gesellschaft integriert. (feb/sda/afp)

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