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«Schettino hat das Schiff verlassen, ohne sich die Schuhe nass zu machen.»
«Schettino hat das Schiff verlassen, ohne sich die Schuhe nass zu machen.»epa/ansa
Schiffsunglück

Costa Concordia: Schwere Vorwürfe gegen Schettino im Plädoyer

23.01.2015, 21:5224.01.2015, 12:15

Die Staatsanwaltschaft der toskanischen Stadt Grosseto hat am zweiten Tag ihres Schlussplädoyers Costa-Concordia-Kapitän Francesco Schettino schwere Fehler vorgeworfen. Der 54-Jährige sei für grosse Versäumnisse verantwortlich.

Schettino habe das Schiff verlassen, obwohl sich nach der Havarie noch tausende Passagiere an Bord befanden, und von einem Felsen aus im Dunklen die Rettungsaktion beobachtet, sagte Ankläger Alessandro Leopizzi am Freitag.

«Um ihn ging die Welt unter, doch Schettino wusste von nichts, denn er hatte sich auf den Felsen zurückgezogen. Ein schönes Beispiel von Koordinierung», sagte der Staatsanwalt sarkastisch. Dabei hätte der Kapitän die Pflicht gehabt, als letzter das Schiff zu verlassen.

«Schettino hat das Schiff verlassen, ohne sich die Schuhe nass zu machen, während andere Passagiere im Wasser auf ein Beiboot warteten und befürchteten, das Schiff könne umkippen», sagte der Staatsanwalt. Auf einigen Bildern sei der Kapitän mit den Händen in der Tasche zu sehen.

Die Rettung der Passagiere sei nicht sein erstes Anliegen gewesen. «Er hat nur daran gedacht, sich selbst in Sicherheit zu bringen», stellte der Staatsanwalt fest. Lange habe Schettino den Ernst der Lage nicht erkannt. «Er ermahnte seine Leute nicht, schlug nichts vor, gab keine Anweisungen.»

Urteil wohl Anfang Februar

Das Plädoyer wird am Montag (26. Januar) fortgesetzt. Das Gericht unterbrach den Vortrag der Anklage am Freitagabend, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Es wird damit gerechnet, dass die Staatsanwaltschaft eine hohe Haftstrafe für den Kapitän fordern wird. Anschliessend sollen vor dem Gericht in Grosseto die Anwälte der Nebenklage und die Verteidigung sprechen. Ein Urteil könnte Anfang Februar fallen.

Bereits am Donnerstag hatte Leopizzi Schettino zu Beginn seines Plädoyers Fahrlässigkeit und eine Reihe von haarsträubenden Fehlern vorgeworfen, die zum verheerenden Unglück geführt hätten.

Schettino hatte in dem Prozess zwar eine Mitschuld eingeräumt, jedoch stets betont, seine Crew habe die entscheidenden Fehler gemacht. Vier Crewmitglieder und ein Manager der Reederei Costa Crociere hatten sich vor dem Prozess mit dem Gericht gegen Schuldeingeständnisse auf Haftstrafen bis zu knapp drei Jahren geeinigt.

Der Süditaliener ist daher der einzige Angeklagte, ihm drohen bis zu 20 Jahre Haft. Falls Schettino dagegen beruft, würde er vermutlich bis zu einer rechtskräftigen Gerichtsentscheidung auf freiem Fuss bleiben.

Das mit 4200 Passagieren – darunter 69 Schweizerinnen und Schweizer – besetzte Schiff war am 13. Januar 2012 auf einen Felsen vor der toskanischen Insel Giglio aufgelaufen und binnen Stunden gesunken. Dabei waren 32 Menschen ums Leben gekommen. (sda/apa/dpa)

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