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Jahresrückblick mal anders

Porno-Pioniere, Schlangen-Pastoren und eine Katze, die Grumpy Cat das Fürchten lehren könnte: 11 etwas übersehene Tode 2014

31.12.2014, 08:3402.01.2015, 09:16
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Vor lauter Udos und Joes gingen sie fast unter, die Zeitgenossen, die Geschichte schrieben und 2014 verstorben sind. Eine kleine Würdigung.

1. Der letzte Ramone

Nein, liebe Hipster, Ramones ist keine T-Shirt-Marke. Vielmehr sind sie eine der richtungsweisendsten Gruppen der Rock'n'Roll-Geschichte; die Band, welche den Punkrock prägte. Massgeblich daran beteiligt war der Drummer, Manager und zeitweiliger Songschreiber, Tommy Ramone.

Mit dem Tod von Tommy (bürgerl. Thomas Erdelyi, 29. Januar 1949 – 11. Juli 2014) ist der Letzte der Ur-Formation der Band von uns gegangen. Joey verstarb 2001 (Lymphknoten-Geschwülst), Dee Dee 2002 (Drogen-Überdosis) und Johnny im Jahr 2004 (Krebs). Hey ho, let's go.

2. Der japanische Soldat, der bis 1974 den Zweiten Weltkrieg weiterkämpfte

Drückeberger, ich? Niemals!
Drückeberger, ich? Niemals!Bild: WikiCommons

Onoda Hirō (19. März 1922 – 16. Januar 2014) war Anfang 1945 auf der philippinischen Insel Lubang stationiert, als diese von amerikanischen Streitkräften überrant wurde. Onoda und drei Kameraden gelang die Flucht ins Landesinnere in den Dschungel. Dort fanden sie in den darauffolgenden Monaten Flugblätter, die das Ende des Krieges verkündeten. Doch die vier taten diese als westliche Propagandalügen ab. Und so harrten die Soldaten weiter aus und führten den Krieg mit Guerilla-Aktionen weiter.

Über die Jahrzehnte gab es wiederholte Suchaktionen. 1950 ergab sich einer von Onodas Kameraden, 1954 und 1972 wurden die zwei weiteren Soldaten in Gefechten mit der örtlichen Polizei getötet. Erst 1974 schliesslich ergab sich Onoda, nachdem man seinen ehemaligen militärischen Vorgesetzten ausfindig gemacht hatte und dieser in Lubang seinem Soldaten befahl, zu kapitulieren. Als Onoda sich stellte, trug er immer noch seine Uniform, sein Katana-Schwert, sein Gewehr sowie etwa 500 Schuss Munition und mehrere Handgranaten bei sich.

In Japan wurde er wie ein Held gefeiert. Dies sahen die Philippinos freilich etwas anders: Während seiner 30 Jahren auf der Insel erschoss Onoda um die 30 Menschen und verletzte 100. Einmal setzte er eine Reisernte in Brand.

Im Januar 2014 verstarb Onoda 91-jährig in Tokio.

3. Der mit Schlangen hantierende Pastor, der an einem Schlangenbiss starb

Jamie Coots, Trucker und Pfarrer.
Jamie Coots, Trucker und Pfarrer.Bild: AP/The Tennessean

Snake Handlers nennt man jene Pastoren der Pfingstbewegung, wie sie in den USA insbesondere in den Appalachen heimisch sind. Ohne Schutzausrüstung hantieren sie mit Giftschlangen, um dadurch ihren Glauben an die allmächtige Güte des Herrn unter Beweis zu stellen. Jamie Coots (1971 – 2014) aus Middleboro, Kentucky war einer dieser Gottesmänner (beruflich war er Trucker). 

Coots erlangte Berühmtheit als einer der porträtierten Pastoren der «National Geographic»-Dok-Serie «Snake Salvation». Am 15. Februar 2014 starb er während eines Gottesdienstes in seiner Kirche «Full Gospel Tabernacle in Jesus Name» an den Folgen eines Klapperschlangen-Bisses.

4. Die Katze, die grumpier als Grumpy Cat war

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Der Himalaya- und Perserkatzen-Mischling Colonel Meow hat über 500'000 Fans auf Facebook und 200'000 auf Instagram und gilt als «the world's angriest cat». Grumpy Cat auf Steroiden, quasi. Vielleicht war es just wegen dieser Grimmigkeits-Überdosis – jedenfalls litt der Ärmste an Herzproblemen. Am 30. Januar wurde sein Tod bekanntgegeben. Die Katze wurde lediglich zwei Jahre alt.

5. Der professionelle Schwulenhasser

Bild: AP/The Topeka Capital Journal

Fred Phelps (13. November 1929 – 19. März 2014), Gründer der Westboro Baptist Church, war wie kein Zweiter daran beteiligt, der Welt die amerikanische Definition des Worts «fag» klar zu machen. In der bizarren Logik Phelps, sind alle Übel der Welt alleine auf die einzigen Tatsache zurückzuführen, dass die heutige Gesellschaft Homosexualität toleriert. Demnach protestieren Mitglieder der Kirche an Beisetzungen von Kriegsveteranen mit Plakaten mit Aufschriften wie «God hates fags» oder «God hates America».

Mit dem Tod Phelps' darf man leider keine Einstellung der Hass-Demos erwarten. Seine Tochter Shirley Phelps-Roper hat längst die Leitung der Proteste übernommen – mit noch grösserer Verve. Immerhin: Inzwischen ist der schlechte Ruf der Westboro Baptist Church so weit verbreitet, dass die Gegendemos die Show stehlen

6. Das Multitasking-Genie der Porno-Pionierzeit

Gloria Leonard.
Gloria Leonard.Bild: Pie & Bovril

Eine geschiedene alleinerziehende Mutter, die nach einer erfolgreichen Karriere als Wall-Street-Anlegerin Ende der Siebzigerjahre ins Pornogeschäft wechselte – nicht gerade ein Werdegang, den viele vorweisen können. Danach ging's aber für Gloria Leonard (28. August 1940 – 3. Februar 2014) erst richtig los: Während sie zunächst als Pornodarstellerin und -Regisseurin tätig war, wurde sie alsbald Verlegerin des Männermagazins «High Society» – ein Job, den sie zehn Jahre behielt. 1983 startete sie einer der ersten Telefonsex-Dienste. Zwischen 500'000 und 700'000 Anrufe täglich gingen ein. 

Leonard sah sich zeitlebens als Feministin: «Für mich war und ist der Sinn der Frauenbewegung, dass Frauen auswählen können, was sie machen wollen und können. Weshalb sollte da mein Karriereentscheid weniger oder mehr zulässig sein als andere?»

7. The Ultimate Warrior

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Mit 54 Jahren einem Herzinfarkt zu erliegen ist leider, leider einigermassen typisch für die Wrestling-Superstars der Achtzigerjahre. Schaut man sich ein «WrestleMania»-Tape der frühen Neunzigerjahre an, stellt man fest: Mindestens zwei Drittel der zu sehenden Ringer sind bereits tot. The Ultimate Warrior (bürgerlich James Brian Hellwig; 16. Juni 1959 – 8. April 2014) trat nach seinem Rücktritt Ende der Neunzigerjahre vor allem durch konservative Kommentare und Vorträge in Erscheinung, in denen er linksorientierte Politik kritisierte und gegen Homosexuelle hetzte.

8. Die Gewinnerin der Profumo-Affäre

Supermodel Christine Keeler war es, die 1963 fast die britische Regierung zu Fall brachte (dies weil sie zeitgleich Affären sowohl mit dem britischen Verteidigungsminister John Profumo als auch mit dem sowjetischen Marineattaché Jewgeni Iwanow hatte). Doch es war ihre Freundin und WG-Partnerin Mandy Rice-Davies (21. Oktober 1944 – 18. Dezember 2014), die zum Darling der Presse avancierte. Ihre schlagfertigen Aussagen während des Prozesses ihres Freundes und angeblichen Zuhälters Stephen Ward gingen in die Geschichte ein. Anders als Keeler, die nach der Profumo-Affäre ihre Karriere nie wieder erfolgreich starten konnte, blieb Rice-Davies ein beliebtes Society-Girl und erlebte in späteren Jahren nach Eigenbekundung «eine langsame, stetige Talfahrt Richtung Unbescholtenheit».

9. Der Erfinder der Spielkonsole

Bild: AP

Bereits 1966 kam Ralph Baer (8. März 1922 – 6. Dezember 2014) erstmals auf die Idee einer Heimspiele-Konsole. Und schon 1969 entwickelte er in Eigenregie die erste für den Heimbedarf gedachte Spielkonsole, die Odyssey. Das Spiel: Eine Art Ping-Pong-Simulation. Es ging aber noch bis 1972, bis Hersteller das Marktpotential erkannten. Dann kam das Gerät für 100 Doller als Magnavox Odyssey auf den Markt. Und der Rest, wie man so schön sagt, ist Geschichte.

Kurzer Postskript: Im Jahr 1982 betrieb und gewann Magnavox ein Gerichtsverfahren gegen Atari wegen Patentverletzung, da Ataris Pong dem Tennis-Spiel der Odyssey glich.

10. Der Mann hinter dem kultigen Batman der Sechzigerjahre

Los! Alle zusammen!

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... BATMAN!

Die hippe, überaus ironische Batman-TV-Serie, die von 1966 bis 1968 lief, hat heute Kultstatus – was wenig verwunderlich ist, denn sie war von Anfang so konzipiert, dass sie auf zwei Ebenen funktionierte: Als spannende Unterhaltung für Kinder und als ironischer Schenkelklopfer für Erwachsene. Der Mann hinter diesem Wahnsinn: Lorenzo Semple Jr. (27. März 1923 – 28. März 2014), Schriftsteller und Drehbuchautor. 

11. Oderus Urungus, Leadstimme von Gwar

Am Sonntag, 23. März 2014 wurde Dave Brockie in einem Stuhl sitzend tot aufgefunden. Heroinüberdosis wurde als Todesursache festgestellt. Ein weiterer tragischer Rock'n'Roll-Tod. Nur, dass dies nicht irgendein Rockmusiker war, sondern der Mann, der als Oderus Urungus in einem selbstgebastelten Kostüm aus Schaumstoff, Schaumpolystyrol und gehärtetem Gummi auftrat, der Leadsänger von Gwar, jener satirischen Schockrock-Band aus Virginia, die seit 1985 ihre Fans begeistert und Musikkritiker verstört.

Im Paralleluniversum der Gwar-Mythologie bekundete Gwar-Feind Mr. Perfect, er habe Oderus Urungus' Unsterblichkeit gestohlen und ihn danach mit seinem Schwert erstochen.

Video: Youtube/Coondogheadbanger
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