Leben
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Wie Freunde und Familie ungewollt meine Essstörung verschlimmern

Mareike Jenkowski (Name von der Redaktion geändert) mochte von klein auf nur Süsskram und Fast Food – und musste sich deswegen immer wieder Sprüche von Freunden und Familie anhören. Schliesslich traute sie sich nur noch heimlich zu essen, was sie mochte. Isolation und Scham trugen dazu bei, dass Mareike bulimisch wurde. Ein besonderes Erlebnis half ihr dabei, ihre Krankheit in den Griff zu bekommen.

Mareike Jenkowski



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Bild: shutterstock

Schon mit drei Jahren habe ich mich absichtlich übergeben. Das behauptet zumindest meine Mutter.

Wann genau es anfing – daran erinnere ich mich nicht mehr. Seit jeher spielte sich allerdings folgende Situation bei uns zu Hause ab: Jedes Mal, wenn meine Eltern mich mit etwas füttern wollten, das ich nicht kannte, machte ich erst einmal einen Aufstand, musste das Essen dann doch in den Mund nehmen, spürte den fremden Geschmack und die ungewohnte Konsistenz. Ich fühlte, wie sich mir der Speichel im Mund sammelte, die Tränen in die Augen schossen, der Magen verkrampfte. Und dann musste ich brechen.

Meine Bulimie fing schon im Kindesalter an

Ich war schon immer ein nervöser Esser. Was ich nicht kannte, machte mir Angst. Umso mehr tat mir Nahrung seelisch gut, zu der ich nicht überredet oder gezwungen werden musste: Chips, Schokolade, Pommes – alles Ungesunde eben.

Schon im Grundschulalter musste ich lernen: Das, was ich gerne esse, ist schlecht. Später sollte ich lernen: Dass man so viel ungesunden Kram isst, ist gar nicht so schlimm. Man kann das wiedergutmachen. Indem man sich den Finger in den Hals steckt.

Wenn man genauer darüber nachdenkt, ist Essen eine recht komplizierte Angelegenheit. Eigentlich sollten wir alle Ernährungsexperten sein. Schliesslich nehmen wir alle täglich Nahrung zu uns. Mehrmals. Mal bewusst, mal beiläufig. Mal mit anderen zusammen, mal allein. Mal gesund, mal ungesund. Aber im Prinzip weiss jeder, wie es geht: Mund auf, Essen rein, kauen, schlucken, fertig.

Wenn Essen Angst macht – 14 sehr spezifische Food-Phobien

Schnell gehen wir davon aus, dass das bei allen Menschen genauso funktioniert. Das ist so wie Atmen – wenn du da deinem Instinkt nicht folgst, fällst du irgendwann tot um. Ähnlich ist das, wenn du nicht isst.

Und gleichzeitig ist Essen allerdings so etwas Intimes. Du tust etwas in deinen Körper rein. Du nimmst Nahrung mit all deinen Sinnen wahr. Und du reagierst vielleicht sensibel, wenn jemand dein Essverhalten kritisiert. Man denke nur mal darüber nach, welch erboste Diskussionen Vegetarier und Fleischesser zum Beispiel führen können.

Ich habe mich geschämt, vor anderen zu essen

Ich habe mich seit jeher für mein Essverhalten geschämt – und gleichzeitig lange Zeit nicht verstanden, woher diese Scham kommt. Als Kind bei Freunden zum Essen eingeladen zu werden, war der blanke Horror. Meistens habe ich mich nicht getraut, mitzuessen, weil ich Angst hatte, mich zu übergeben. Die Eltern empfanden mich dann als zu wählerisch oder gar undankbar.

Einmal gab es bei einer Freundin zu Hause Sauerkraut, das wollte ich nicht essen. Meine Freundin sagte, sie möge das auch nicht. Ich freute mich, weil ich nun eine Verbündete hatte – zumindest in Hinblick auf Sauerkraut.

Daraufhin sagte die Mutter zu mir: «Du hältst mal lieber den Mund, denn du magst nämlich gar nichts.»

Was bei Freunden Scham war, war zu Hause pure Verzweiflung. Bei uns wurde in der Regel nicht gemeinsam gegessen. Jeder nahm seinen Teller und zog sich an seinen Lieblingsort in der Wohnung zurück. Nur manchmal sagte mein Vater: «Nein, du bleibst zum Essen hier. Ich will sehen, wie du das isst.»

Wenn ich etwas nicht mochte oder es meinem Vater nicht schnell genug ging, fing er an, mich zu füttern. Und zwar so, wie es ihm passte. Er stopfte meinen Mund voll mit Essen, bis ich kaum noch kauen konnte. Mit Tränen in den Augen sass ich da, bis – manchmal nach Stunden erst – der Teller endlich leer war.

Dann durfte ich gehen und mich in meinem Zimmer allein trösten – mit Süssigkeiten und Erdnussflips.

Die Süsse oder das Salzige in meinem Mund. Das wohlige Gefühl, das sich in meinem malträtierten Magen ausbreitete. Die fettig glänzenden Finger, die ich genüsslich abschlecken konnte. Das waren mit die schönsten Momente zu Hause.

Essen war Liebe für mich

Jedes Mal, wenn meine Mutter vom Einkaufen zurückkam, freute ich mich auf die Überraschungen, die sie mitbrachte. Dann schnappte ich mir glücklich die Packung Schokoriegel und verzog mich in mein Zimmer. Essen war nicht nur Genuss. Essen war Liebe.

Und dann musste ich lernen, meine Liebe vor anderen zu verstecken. «Du kannst nicht immer nur Pommes essen», sagten die Eltern meiner Freunde abfällig zu mir. Später auch machten sich meine Freunde über mich lustig: «Du magst doch eh nur Fischstäbchen.» Also habe ich versucht, den Urteilen zu entkommen, und lieber allein gegessen. Je trauriger ich war, umso mehr habe ich gegessen.

Und dann habe ich gespürt, wie mein Körper sich verändert: Ich wurde runder, weiblicher. Ich war niemals dick – aber ich hatte Hüften, stramme Oberschenkel, einen runden Po. Alle anderen Mädchen in meiner Klasse waren eher knabenhaft. Mein Körper fühlte sich nicht richtig an. Seitdem ich zwölf war, wollte ich abnehmen. Aber wie sollte das funktionieren, wenn alles, was ich gern ass, dick machte?

Ich fing an, mehr Sport zu machen. Jeden Tag mindestens 100 Sit-ups, Kniebeuge, Liegestütze. Mit 15 probierte ich eine Diät aus – mit viel rohem Gemüse, weil ich kein gekochtes essen wollte. Ich ass so viele Karotten, dass mir übel wurde von der ungewohnten Menge an Rohkost und ich nachts aufwachte, weil ich mich übergeben musste. Ich träumte von Duplo-Riegeln, die ich unkontrolliert in mich reinstopfte – und wachte auf, um unkontrolliert Duplo-Riegel in mich reinzustopfen.

Es war bahnbrechend, als ich lernte, zu kotzen.

Es fiel mir nicht leicht, mich auf Kommando zu übergeben. Ich musste lange Zeit üben, bis ich das konnte. Aber irgendwann wusste ich, wie und was ich essen muss, um es hinterher wieder schnell loswerden zu können. Laut- und spurenlos. Erst unregelmässig, anfangs war es eher ein Experiment, was mein Körper kann. Dann regelmässig. Dann mehrmals täglich.

Bulimie ist eine widerliche Krankheit – ich ekelte mich vor mir selbst

Bulimie ist eine ekelhafte Krankheit. Ekel vor mir selbst brachte mich dazu, etwas Ekliges zu tun. Was ich tat, habe ich selbst entschieden. Was eklig ist, habe ich allerdings von anderen gelernt. Und meine Lehrer haben wahrscheinlich nicht gemerkt, dass sie meine Lehrer sind – weil sie es immer gut mit mir meinten.

Bulimie ist eine heimliche Krankheit. Wir glauben immer, sehen zu können, wenn jemand eine Essstörung hat. Wir haben Bilder vor Augen von ausgemergelten Mädchen, die aussehen wollen wie Supermodels. Aber Bulimie kann auch das nette Mädchen mit den stämmigen Waden haben. Und dann merken wir nicht, wie sehr wir ihr mit unseren Kommentaren über ihr Essverhalten wehtun.

Bulimie ist eine unkontrollierbare Krankheit. Ich dachte, ich fresse und kotze, weil ich so meinen Körper kontrollieren konnte. Aber ich hatte die Kontrolle verloren. Und lange Zeit war es schwierig, sie wiederzugewinnen: Denn wie sollte ich mit Menschen über mein peinliches Essverhalten sprechen? Wie über mein Verlangen, mich zu übergeben? Wie konnte ich überhaupt wieder mit anderen Menschen gemeinsam essen? Denn mein Essverhalten isolierte mich – und Isolation begünstigt den Kontrollverlust.

Als ich gemeinsam mit einer Freundin zum ersten Mal kochte, veränderte sich alles

Erst später, als Erwachsene, lernte ich, gemeinsam mit anderen Menschen Freude am Essen zu finden. Ich erinnere mich an einen besonderen Moment mit einer Freundin, die den Moment wahrscheinlich als ganz alltäglich empfand: Wir kochten zusammen Nudeln. Sie bot an, dass wir gemeinsam eine Gemüsesosse machen.

Ich habe mich nicht getraut, ihr zu sagen, dass ich normalerweise nur Tomatensosse esse, ohne Gemüse drin. Wir kannten uns noch nicht so gut. Aber sie war so entspannt und verhielt sich so selbstverständlich, wählte grösstenteils Gemüse aus, das ich kannte, wie Karotten oder Paprika. Und schwärmte gleichzeitig von Zucchini – was ich bis dato noch nie gegessen hatte.

Wir kochten gemeinsam. Und assen gemeinsam. Und es schmeckte. Und ich musste mich nicht übergeben.

Was war nun so anders? Ich glaube, es hat mir gut getan, dass mir das Essen nicht einfach vor die Nase gesetzt wurde und ich dankbar dafür sein musste, egal ob ich es mag oder nicht. Wir haben gemeinsam beschlossen, zu essen, und überlegt was – ohne zu stark von dem abzuweichen, was ich bis dahin kannte. Ich hatte Kontrolle. Aber diesmal eine echte.

Es klingt banal. Aber zu lernen, dass ich gekochtes Gemüse essen kann, bot mir auf einmal Möglichkeiten für so viel mehr. Mit der Zeit wurde ich neugieriger. Ich fing an, zu experimentieren: Wie schmeckt eigentlich Kürbis? Was ist Halloumi? Gibt es vielleicht einen Salat, den auch ich mag?

Mittlerweile habe ich meine Bulimie im Griff

Dieser ganze Prozess hat Jahre gedauert. Mittlerweile koche ich allerdings sehr gerne und vielseitig. Und bin besonders stolz, wenn ich etwas mag, was andere nicht mögen – weil das etwas ist, das es jahrelang nicht gab.

Gleichzeitig habe ich eine Therapie gemacht, die mir vor Augen führte, welche Auswirkung mein Essverhalten auf mich hat. Wie nervös mich das Thema Ernährung macht. Das ist immer noch nicht ganz weg. Wenn ich mich schlecht fühle, will ich immer noch schlecht essen – und am liebsten in Massen. Aber ich verstehe nun besser, was in mir vorgeht. Ich kann die Essanfälle besser umschiffen und Kompromisse mit mir selbst schliessen. Wenn ich Pommes essen will, gibt es eben Salat dazu. Das ist vielleicht nicht unbefangen, aber ich schade mir selbst zumindest nicht.

Und manchmal habe ich eben eine Essattacke. Ich lerne immer noch, mir selbst dafür zu verzeihen und mir zu sagen: Das war eine Ausnahme, das war in Ordnung. Du bist nicht, was du isst.

Wir sollten anderen Menschen nicht so stark auf den Teller schauen

Ich würde mir wünschen, dass wir anderen Menschen nicht so stark auf den Teller schauen. Am Ende ist Essen schliesslich Geschmacksache, und jeder muss schauen, was er selbst am liebsten mag, was ihm guttut, wie experimentierfreudig er ist. Ich glaube, Geschmack muss erlernt werden, und da hat jeder seinen eigenen Weg und braucht seine eigene Zeit.

Mir hat es immer sehr weh getan, von meinen Eltern, meinen Freunden oder deren Eltern abfällige Kommentare über mein Essverhalten zu hören. Das hat meine Essstörung zwar nicht ausgelöst, aber begünstigt.

Und gleichzeitig waren es am Ende auch meine Freunde, die mir geholfen haben. Die Freundin, mit der ich gemeinsam gekocht habe. Der Freund, der gerne mit mir neue Gerichte ausprobiert. Mein Partner, der sich freut, wenn ich etwas für ihn koche, was er vielleicht noch nicht kennt.

Diese Menschen haben mir geholfen, weil sie mich nicht bewertet oder gar verurteilt haben in meinem Essverhalten. Und weil mir das so viel Vertrauen gegeben hat, dass ich irgendwann über meine Probleme sprechen konnte.

Lasst uns also versuchen, anderen das Essen nicht zu vermiesen.

Protokoll: Agatha Kremplewski

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    Alle Leser-Kommentare
  • karima 18.09.2019 22:46
    Highlight Highlight Essstörungen werden oft anerzogen.

    Oft ereifern sich Eltern in (langen) Gesprächen was ihre Kinder alles nicht mögen und staunen dann, dass die Kinder sehr eingeschränkte Menuvorlieben haben.

    Zudem bezweifle ich SEHR, dass "Mareike" schon als Kind sich extra übergab. Nehme an, dass dies auch so Klagen der Eltern sind..
  • waschbär 18.09.2019 20:31
    Highlight Highlight Bei mir wars umgekehrt: Iss dies nicht, iss das nicht, guck bloss wie du aussiehst - es ist SO schade, friss nicht so viel, nein es gibt nix, sonst wirst du noch dicker! Und das von Klein auf. Hab dann im Teeniealter viele Berichte in der Bravo und ähnlichen Zeitschriften gelesen. Da fand ich Anleitungen und Tipps zur Aneignung einer Essstörung, schön versteckt in „traurigen“ Artikeln über Betroffene. Dann zwanzig Jahre Bulimie, Therapien, Klinikaufenthalte. Bis heute habe ich es nicht wirklich geschafft, aber wenigstens habe ich gute Phasen...
  • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 17.09.2019 23:22
    Highlight Highlight Vielen Dank Mareike Jenkowski & Protokollarin Agatha Kremplewski für diesen Einblick in eine, mir vollkommen unbekannte und fremde Essens-Welt!

    Und ein grosses Bravo! an Mareike Jenkowski (und unendlichen Dank an deine Freunde), dass Du deine Essens-Probleme so gut in den Griff bekommen hast.

    Nicht zu vergessen: ein sehr grosses Dankeschön, dass Du uns an einem für dich sehr persönlichen Teil deines Lebens teilhaben lässt. Das benötigt enorm viel Mut und Selbstvertauen!

    Ich wünsche Dir alles Gute und noch viele tolle kulinarische Entdeckungen!
  • Zwei Fallende Stimmen 17.09.2019 19:09
    Highlight Highlight Traurige Geschichte. Was ich mich beim Lesen immer wieder gefragt habe: welche Esskultur herrscht in dieser Familie? Jeder isst für sich, Kinder werden gefüttert bis sie heulen, Süssigkeiten und Junkfood offenbar frei verfügbar? Da hätte einiges besser laufen können/sollen!
  • Ninha 17.09.2019 17:26
    Highlight Highlight Danke für diese Story.
    Ich fühle sehr mit. Auch ich kenne die Scham mit anderen zu Essen. Zum Einen weil ich vieles nicht mag und zum Anderen, weil ich einfach kleine Portionen esse.

    Und auch ich habe viele Lebensmittel die bei mir würgereiz verursachen. Dafür kann ich mich mit ungesundem vollstopfen.

    Erst durch meine Schwangerschaft wurde es besser, da ich nicht für mich essen musste, sondern für meine Tochter.

    Jedoch ist es immer noch so, dass bei Stress sofort mein Magen zu ist, ich kaum essen kann und dann zuviel abnehme.
    Ich würde gerne eine gesündere Beziehung zum Essen haben.
  • Burdleferin 17.09.2019 16:43
    Highlight Highlight Wenn Leute mit Essstörungen bedaurt werden und den Betroffenen Verständnis entgegengebracht wird, frage ich mich warum ich mit einer Störung, die zu Adipositas führte, verurteilt und manchmal sogar als ekelhaft betitelt werde.
    Krank ist beides. Süchte sind beide. Psychische Probleme sind beide.
    • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 17.09.2019 23:29
      Highlight Highlight @ Burdleferin:

      Ich, für meinen Teil, habe genau so viel Empathie für deine Ess-Störung, wie für die der Autorin. Ihr habt es Euch sicherlich beide nicht ausgesucht, so zu empfinden oder zu handeln!

      Ich wünsche auch Dir viel Kraft und Energie, um aus diesem Teufelskreis entkommen zu können!
  • Nömi the strange aka Wizard of Whispers 17.09.2019 16:09
    Highlight Highlight So wie es der Betroffenen im Kindesalter erging, ergeht es mir heute immer noch weil ich einfach "en heikle Chog" bin... Früher auch nur Nudeln, Pommes und Süsskram gegessen, heute zum Glück etwas besser... Aber wenn ich irgendwo an einem Essen bei Bekannten mitteile, dass ich z.B. Käse nicht mag oder den Salat gerne ohne Sauce hätte rasten alle aus, schütteln die Köpfe etc... Meine Mutter wollte mich früher auch zum Probieren zwingen und hats dann irgendwann zum Glück aufgegeben, weil ich so stur war und aus Protest sogar Gras etc. gegessen habe, quasi das sei immernoch besser als ihr Essen.
    • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 17.09.2019 23:42
      Highlight Highlight Noemihalboffen, ich kann Dir teilweise nachempfinden.
      Auch ich bin Heute noch heikel mit dem was ich esse (Njet Pilze, njet Meeresfrüchte).

      Jedoch hatte ich das Glück, dass meine Eltern mir relativ viel Spielraum gelassen haben. So konnte ich aus eigenem Antrieb verschiedene Lebensmittel im Verlauf meines bisherigen Lebens selbst entdecken, die ich als Kind niemals gegessen hätte.

      Heute esse ich Sachen, die ich mir vor 20 Jahren nicht hätte vorstellen können zu essen. 😃

      Versuche neue Erfahrungen zu machen, bleib oder werde offen für Neues, es lohnt sich!
  • Okguet 17.09.2019 15:25
    Highlight Highlight Da musste ich glatt weinen. Meine Freundin war auch Jahre lang annorexsisch und bulemisch. Zweiteres ist umso schlimmer, weil man meinnt: "Tolly endöich isst sie was" nur um Stunden später zu erfahren, dass sie es wieder los wurde. Viel Kraft und ein liebendes Umfeld an alle Erkrankten!
  • DanielaK 17.09.2019 15:01
    Highlight Highlight Ich finde die Geschichte interessant.Ich sehe ein paar leichte Parallelen zu unserer Tochter,die jetzt ins Teeniealter kommt,punkto gern haben.Trotzdem würde ich nicht sagen,das es so schlimm ist.Als Eltern hat mach noch das Problem, wenn ich immer gleich ja und Amen sage wenn mein Kind etwas gar nicht erst probieren will und gleich ein Drama veranstaltet, dann ist es in so einem Fall quasi unmöglich eine halbwegs vernünftige Ernährung hin zu bekommen.Deshalb bestehen wir jeweils aufs probieren.Meistens isst sie ja nicht mehr davon,aber ist jedesmal eine Chance.vollstopfen geht aber gar nicht!
    • Pat the Rat, einfach nur Pat the Rat 17.09.2019 23:48
      Highlight Highlight @ DanielaK:

      Ich glaube, bei deiner Tochter ist alles im "normalen, grünen Bereich".

      Im Leben eines Menschen gibt es immer wieder Phasen von "mag ich" und "mag ich nicht".

      Ich liebte Fenchel als Kleinkind, als Teenager konnte ich Fenchel nicht ausstehen und Heute liebe ich Fenchel wieder. Als Kind "schüttelte" es mich, wenn ich Käse auch nur ansatzweise schmeckte, Heute liebe ich guten Käse...
  • Baccaralette 17.09.2019 14:59
    Highlight Highlight Es hat mich körperlich geschmerzt, diesen Text zu lesen.

    Ich kenne das. Ich esse kaum mit fremden Menschen. Ich mag viele Dinge nicht essen. Ich kann nachvollziehen, wie es ist, wenn einem Leute sagen, 'bisch du schnäderfrässig'. Und ja, es gibt Lebensmittel, die einen Würgeanfall bei mir auslösen.

    Ich fühle mit dir. Und ich freue mich, dass du heute Dinge magst, die du vorher nicht essen konntest.

    Und deine Eltern gehören bestraft. Aber sie wussten es nicht besser, genauso wie meine.

    Meine ältere Schwester ist übrigens seit Jahren magersüchtig.
    • Schlawiner 17.09.2019 16:00
      Highlight Highlight Die Eltern gehören bestraft? Weil sie dem Kind gesagt haben, dass es nicht nur Pommes essen kann? Weil sie sie nicht nur Schokolade essen liessen? Versteh mich nicht falsch, ich will die Leiden nicht kleinreden. Aber selbst jetzt ist für mich nicht klar, ob dieses "Ich-habe-nichts-gerne-ausser-Chips-und-Schokolade"-Leiden eine Krankheit ist? Wie hätten die Eltern reagieren sollen? Therapie? Für mich ist nach dem Artikel mehr unklar als klar.
    • Älplermagrönli mit Öpfelmues 17.09.2019 16:12
      Highlight Highlight Das tut mir sehr leid für dich und hoffe, dass du irgendwann wieder den Mut aufbringst mit anderen Menschen das Essen zu geniessen. Wäre ich in noch in der Schweiz ansässig hätte ich dir gerne angeboten mal zusammen etwas essen zu gehen. Einfach ungezwungen.

      PS: ich hoffe deiner Schwester geht es bald besser.
    • Ninha 17.09.2019 21:11
      Highlight Highlight @Schlawiner ja, Therapie wäre das richtige gewesen. Klar kannst du als Elternteil, das so nicht akzeptieren.
      Aber nach einiger Zeit muss man sich eingestehen - ich brauch Hilfe!

      Ich bin nicht der Meinung die Eltern gehören bestraft. Aber sich einzugestehen, dass sie keinen vernünftigen Weg alleine finden, das hätten sie tun können.
      Lieber einmal zu viel Hilfe nehmen als einmal zu wenig!
    Weitere Antworten anzeigen
  • Caerulea 17.09.2019 14:48
    Highlight Highlight Wie kann man so mit der Freundin seiner Kinder sprechen...
    Schön hat sie Freude am Essen gefunden.
  • thelastpanda 17.09.2019 14:27
    Highlight Highlight (2/2) Ich vermisse diese Zeiten auch sehr, da ich inzwischen alleine wohne. Ich sitze ungern alleine am Tisch und esse einfach nur, deshalb lande ich meist vor dem TV, PC oder Handy. Auch wenn ich eigentlich weiss, dass dies nicht gesund ist.
    Wir wurden als Kinder aber auch nie gezwungen, etwas zu essen, was wir nicht mochten - wir mussten nur zumindest einen Bissen probieren. Oder irgendwann gar nicht mehr, weil sie wussten, dass wir es nicht mochten. Aber Geschmäcker können sich über die Jahre ändern, das merke ich inzwischen, wenn ich mal wieder etwas probiere, was ich früher nicht mochte.
    • Banausin 18.09.2019 13:02
      Highlight Highlight War/ist bei mir ähnlich. Das gemeinsame Kochen hilft auch eine Beziehung zu Nahrungsmitteln aufzubauen. Trotzdem bin ich im Teenie-Alter in eine bulimische Essstörung gerutscht. Das hat halt auch viel mit Psyche und Umfeld zu tun. Bin seit über 10 Jahren gesund und kann das Kochen und Essen geniessen. Wenn ich an die paar Jahre Essstörung zurückdenke, sind meine Erinnerungen verschwommen und die Beweggründe nicht nachvollziehbar. Für mich dominierte das Thema Essen den ganzen Tag. Ständig war ich am Kalorienzählen. Ich habe auch eine völlig verzerrte Wahrnehmung meiner damaligen Figur.
  • thelastpanda 17.09.2019 14:23
    Highlight Highlight Toll geschriebener Artikel, der zum Nachdenken anregt. Wir hatten bei uns Zuhause immer eine ganz andere Essenskultur, es wurde immer (oder zumindest am Wochenende) gemeinsam gekocht und anschliessend gegessen. So haben wir schon von klein auf immer einige "Jöbli" beim Kochen übernommen und hatten Freude daran, das selbstgekochte danach auch zu essen. Ich persönlich finde es sehr schräg, wenn sich jeder in sein eigenes Zimmer zurückzieht um zu essen, da dies bei uns immer eine sehr soziale Zeit ist, bei der gelacht, geredet, diskutiert oder auch mal gestritten wurde. (1/2)
  • Pitefli 17.09.2019 14:09
    Highlight Highlight Wow eine tolle Story. Ich bin echt beeindruckt dass man trotz aller Widerigkeiten wieder eine "normale" Beziehung zum Essen finden kann. Es bestätigt mir persönlich auch wieder dass Zwang und Verbote überhaupt nichts bringen bei Kindern.
    • Anne Who 17.09.2019 16:41
      Highlight Highlight Leider wird die Beziehung zum Essen nie (wieder) normal, wenn man so eine Krankheit hatte. Man zählt ständig die Kalorien bzw. fühlt sich schlecht, wenn man ungesund bzw. zu kalorienreich gegessen hat. Wie sie auch im Artikel schreibt, gibt es Momente wo es einen wieder überkommt und man wieder erbricht. Das habe ich auch hin und wieder. Man bleibt krank und hat ein gestörtes Verhältnis zum Essen. Nur wenn man das akzeptiert hat man sich im Griff. Ich weiss es ist schwer nachvollziehbar, für Menschen, die so etwas nie hatten.
    • Pitefli 17.09.2019 18:49
      Highlight Highlight Anne who, vielen Dank für deine Ehrlichkeit. Ich kann es wirklich nicht nachvollziehen da ich mir nie vorstellen konnte/kann "freiwillig" zu erbrechen. Den ganzen Tag nichts essen kann ich mir irgendwie noch einigermassen vorstellen aber erbrechen?! Deshalb vielen Dank dass ihr so offen und ehrlich darüber redet und dieses Thema enttabuisiert.
    • G. 17.09.2019 19:18
      Highlight Highlight @Anne Who

      Erfreue Dich an den Tagen und den Essen, an denen Du nicht erbrichst und nimm die Tage und Essen bei denen das alte Verhalten hervorkommt nicht allzu ernst.

      Zumindest meine Wenigkeit pflegt seine Probleme auf diese Weise.

      Und trotz allen schwerwiegenden Problemen, bin ich meinem Körper und Psyche immer wieder dankbar.
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(smi)

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