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Grossbritannien

David Attenborough vs. Katzen: Dok-Serie wirft umbequeme Fragen auf

Katzenfreunde treffen auf den Final Boss: Sir David Attenborough

Ja, klar – clickbaitiger Titel. Doch unser aller Lieblingsnaturforscher spricht in seiner neuesten Dokuserie eine unbequeme Wahrheit an, die viele Tierhalter vielleicht nicht hören wollen.
03.04.2026, 20:0603.04.2026, 20:43

Sir. David. Attenborough. Der Übervater des Naturdokumentarfilms. Ein Veteran mit rund 100 Filmen und preisgekrönten Serien in seiner acht (!) Jahrzehnte umfassenden Karriere. Er ist kulturell derart allgegenwärtig, dass allein der Klang seiner Stimme ausreicht, um beim Publikum ein kollektives Gefühl von Geborgenheit und Wohlbehagen zu wecken, verbunden mit der Gewissheit der wissenschaftlichen Korrektheit. Und zwar so sehr, dass die halbe Welt ein kollektives «Oh» der Enttäuschung ausstösst, wenn eine Naturdokumentation beginnt und der Sprecher nicht Sir David ist.

Unvergessen: Attenborough moderiert Adeles «Hello». Video: YouTube/BBC Radio 1

Er ist unser aller Lieblingsopa.

Und in letzten Jahren ein Opa, der etwas grumpier geworden war, dessen gewohnt höflicher Ton zunehmend einer hörbaren Frustration über die Zerstörung der Natur durch den Klimawandel wich. Die «Times» bemerkte einen «strengeren Tonfall, […] als ob seine Geduld fast am Ende wäre». «I love him, but he keeps shouting at me» wurde zu einem viralen Trend auf TikTok.

RELEASE DATE: April 17, 2026 TITLE: A Gorilla Story: Told by David Attenborough STUDIO: DIRECTOR: James Reed and Callum Webster PLOT: David Attenborough tells the remarkable story of his first encount ...
Bild: imago

Attenboroughs allerneueste Doku-Serie – «Secret Garden», die an diesem Ostersonntag Premiere feiert – möchte wieder einen versöhnlichen Ton anschlagen. Das Thema – die Flora und Fauna unserer eigenen Gärten – gibt Anlass zu verhaltenem Optimismus. (Die Serie bezieht sich auf Gärten in Grossbritannien, doch die Erkenntnisse lassen sich durchaus auch auf Westeuropa im weiteren Sinne übertragen.)

In dieser Serie zu seinem demnächst anstehenden 100. Geburtstag (!) widmet sich Sir David dem Ursprung seines Interesses an Naturgeschichte: seiner heimatlichen Gefilde. Er lenkt den Fokus auf «was direkt vor unserer Haustür» geschieht, enthüllt, dass «etliche britische Gärten fast so artenreich sind wie ein tropischer Regenwald» und «unsere Gärten eine grössere Fläche bedecken als alle unsere nationalen Naturschutzgebiete zusammen».

Secret Garden - Sir David Attenborough 2026 

https://www.bbc.co.uk/programmes/m002sthz
Genau so stellen wir uns Sir Davids Garten vor. Gute Arbeit, BBC, für dieses Promobild!Bild: bbc

Die Sendung zielt bewusst darauf ab, unsere kollektive Öko-Angst zu lindern, und zeigt Änderungen auf, die Zuschauer vornehmen können, um der Tierwelt zu helfen. Angesichts des globalen Klimawandels fühlen wir uns als Einzelpersonen oft machtlos. «Aber wir haben Zugang zu 25 Millionen Gärten und Schrebergärten in Grossbritannien», so Serienproduzent Bill Markham im Interview mit «The Guardian», «und nur schon mit ein oder zwei kleinen Veränderungen kann man sichtbare Resultate erzielen». Als Beispiel nennt er das Pflanzen eines kleinen einheimischen Baumes, der dazu beiträgt, das Angebot an Raupen für Vögel zu erhöhen.

Andere in «Secret Garden» thematisierten Ansätze könnten sich jedoch als kontrovers erweisen. Denn obwohl unsere Gärten laut Attenborough «wilde Oasen» sind, sind sie zugleich «Schlachtfelder, auf denen die Gesetze des Dschungels durch menschliches Eingreifen verzerrt wurden». Paradebeispiel: die Hauskatze.

Katze jagt Vogel. Symbolbild
Bild: imago

«Secret Garden» schätzt, dass die 9,5 Millionen Hauskatzen in Grossbritannien jährlich etwa 55 Millionen Vögel töten. Das Hauptproblem ist jedoch nicht nur die Jagd an sich, sondern der ‹unfaire› ökologische Vorteil: Unsere Büsis sind die grössten Raubtiere im heimischen Garten, werden aber im Gegensatz zu Wildtieren von Menschen gefüttert. Ergo sinkt ihre Population nicht, wenn die Vogelbestände zurückgehen, was bedeutet, dass der Raubdruck unabhängig vom Zustand der Vogelpopulation unablässig bleibt.

Attenborough beweist, dass das Anbringen von Glöckchen an Katzen «den Jagderfolg von Hauskatzen um ein Drittel verringert» und das Anbringen von Vogelfutterhäuschen in grösserer Höhe ebenfalls die Zahl der Todesfälle senkt. Und: «Was wirklich gut funktionieren würde, wäre, wenn die Menschen ihre Katzen während der Vogelbrutzeit im Haus halten würden», zitiert er den Ökologen Dr. Davide Dominoni, dessen Studien bewiesen, dass das Halten von Katzen im Haus während der Monate April und Mai «ihre Auswirkungen massiv verringern würde».

Katze jagt Vogel. Symbolbild
Bild: imago

Dies dürfte unter Tierhaltern für Kontroversen sorgen.

Glöckli am Büsi?
An dieser Umfrage haben insgesamt 1719 Personen teilgenommen

«Wir wollten auf keinen Fall lehrerhaft rüberkommen», so Markham. «Nicht allen wird das gefallen – weil sie davon ausgehen, dass ihre Katze ein Recht darauf hat, draussen zu sein. [...] Aber wenn man nicht nur Haus- sondern auch die Wildtiere liebt – und ich denke, wir sind eine Nation von Tierfreunden und eine Nation von Gärtnern –, dann kann man seinen Beitrag leisten.»

Eine weitere Episode von «Secret Garden» befasst sich mit Fasanen – diese stammen ursprünglich aus Asien, doch jedes Jahr werden für die Jagdsaison mehr als 30 Millionen in die britische Landschaft ausgewildert, wo sie einheimische Insekten, Reptilien und Amphibien fressen. Lobbygruppen aus Landregionen argumentieren, dass die Fasanenjagd Arbeitsplätze schafft. Markham weist jedoch darauf hin, dass trotz erfolgreicher Programme zur Wiederansiedlung einheimischer Arten wie Biber «wir jedes Jahr diese Plage auf die Landschaft loslassen. Das bringt das Ökosystem durcheinander.»

Fasanenjagd in England - vom 1. Oktober bis 1. Februar. Ein Retriever apportiert einen geschossenen Vogel.
Domestiziertes Raubtier mit invasiver Vogelart. Bild: imago

Es liegt eine bizarre Ironie darin, dass es Naturschutzgebiete für Wildvögel und zugleich shooting estates für Millionen importierter Vögel gibt – oft direkt nebeneinander.

Wenn David Attenborough spricht, horcht die Welt auf. Seine jüngsten Appelle könnten durchaus an den Erfolg anknüpfen, den Attenboroughs Stimme nach «Blue Planet II» bei der Reduzierung der Plastikverschmutzung hatte. Und nun, da er auf sein 100. Lebensjahr zugeht, scheut er sich weniger denn je, die grossen Themen anzugehen.

Prime Minister Keir Starmer meets David Attenborough 04. 06. 2025. London, United Kingdom. Prime Minister Keir Starmer meets Broadcaster and Biologist David Attenborough ahead of a screening of his ne ...
Hör' ihm zu, mein lieber Herr Premier! Hör' ihm zu!Bild: imago

Katzenbesitzern und der britischen Landlobby wird nicht alles gefallen, was «Secret Garden» ihnen zu sagen hat. Doch es ist nun mal ein Fakt, dass die Briten nichts so sehr lieben wie Tiere, Gärten und David Attenborough. Das Potenzial für Veränderungen ist vorhanden.

«Secret Garden» wird ab dem Ostersonntag, 5. April auf BBC One und im BBC-iPlayer ausgestrahlt. Ja, in der Schweiz benötigt man dazu ein VPN. Ihr wisst schon, wie…
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40 Kommentare
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Kritiker 2.1
03.04.2026 20:26registriert März 2020
Als Katzenbesitzer sage ich: Er hat Recht. Unsere gehen zwar nicht mehr nach draussen, da mittlerweile grosse Wohnung vorhanden. Aber Hauskatzen, welche zu Hause bereits gefüttert werden und nach draussen gehen, jagen eben nur zum Spass und nicht wegen des Hungers. Und das ist klar ein grosses Problem. Hinzu kommt, dass noch immer zu viele Katzen geboren werden; deswegen ist Kastration und chippen dermassen wichtig. Und ja: Ich bin klar für eine Kastrations- und Chippflicht bei Katzen, egal ob Freigänger oder nicht.
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Mulumbi
03.04.2026 20:25registriert April 2024
Warum so viele diesen einfachen Fakt einfach nicht akzeptieren können, ist mir ein riesen Rätsel. Selbst ich als Katzenliebhaber, aber bewusst nicht Besitzer, akzeptiere das.
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Snowy
03.04.2026 20:19registriert April 2016
Mann muss er klar und deutlich sagen - auch wenn es viele Katzenliebhaber, welchen überdurchschnittlich häufig auch die Umwelt am Herz liegt, nicht hören wollen:

Katzen sind nach dem Verkehr und der Landwirtschaft der grösste Biodiversitätskiller in unseren Breitengraden.
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