Das sind die 100 besten Romane aller Zeiten – sagt der «Guardian»
Literatur-Rankings sind so eine Sache. Vor allem, wenn man die «besten Bücher aller Zeiten» ehren will. Zu unterschiedlich sind Meinungen, Erlebnisse und Empfindungen zu bestimmten Büchern, die uns im Leben geprägt haben.
Der britische «Guardian» hat trotzdem versucht, die 100 besten Romane aller Zeiten zu küren. Dafür hat die Zeitung um Meinungen von über 180 Autorinnen, Kritikern und Wissenschaftlern gebeten, unter anderem Stephen King, Ian McEwan, Elif Shafak, Anne Enright, Salman Rushdie und vielen mehr.
Herausgekommen ist eine Liste mit dem Who-is-Who der Weltliteratur. Dabei wurden nicht nur Werke von englischsprachigen Autoren berücksichtigt, sondern es finden sich auch Werke aus der deutschen oder russischen Literatur in der Liste wieder.
Das Ranking kann auch als Inspiration gelten, ganz nach dem Motto des US-amerikanischen Autors Henry David Thoreau: «Lies die besten Bücher zuerst, sonst hast du vielleicht gar nicht die Gelegenheit mehr, sie überhaupt zu lesen.»
George Eliot: Middlemarch (1871)
«Middlemarch» war George Eliots sechster Roman. Die Schriftstellerin, die eigentlich Mary Ann Evans hiess, beschreibt darin das Leben in der englischen Provinz. Es behandelt die grossen Themen wie Arbeit und Ehe, politische, soziale und technologische Veränderungen sowie Ehrgeiz und Egoismus. Das Buch wurde sofort zum Bestseller und gilt auch heute noch als einer der grossen Klassiker der britischen Weltliteratur.
Toni Morrison: Menschenkind (1987)
1993 wurde die US-amerikanische Schriftstellerin Toni Morrison mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet, unter anderem auch wegen ihres Romans «Menschenkind» (auf Englisch «Beloved»). Das Buch dreht sich dabei um die Sklaverei in den USA nach dem amerikanischen Bürgerkrieg und zeigt die erschütternden Schicksale schwarzer Menschen. Morrison selbst bezeichnete ihren Roman als «erbitterten Kampf zwischen Erinnern und Vergessen».
James Joyce: Ulysses (1914)
James Joyce' «Ulysses» erzählt einen Tag im Leben in Dublin und ist das wohl bekannteste literarische Werk aus der Technik des «stream of consciousness», ganz im Stil von Homers «Odyssee». Einer der monumentalsten, aber auch anspruchsvollsten Romane, die je publiziert wurden.
Virginia Woolf: Die Fahrt zum Leuchtturm (1927)
Ebenfalls eine Vertreterin des Genres «stream of consciousness» ist Virginia Woolf und ihr Roman «Die Fahrt zum Leuchtturm». Das Buch begleitet dabei grösstenteils die Geschehnisse der Familie Ramsay an zwei Tagen, die zehn Jahre auseinander liegen. Im Buch selbst kommen dabei kaum Dialoge vor, der Roman konzentriert sich stattdessen auf die Erlebnisse und Perspektiven der Protagonistinnen und Protagonisten.
Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (1913-1927)
Marcel Proust schrieb seinen Roman «Auf der Suche nach der verlorenen Zeit» als fiktionale Autobiografie. Er gilt nach Wortzahl als längster Roman aller Zeiten. Das Werk wurde in sieben Teilen veröffentlicht. Berühmtheit aus dem Roman erlangte der sogenannte «Madeleine-Effekt» (auch «Proustian Rush» genannt), der verwendet wird, um eine Sinneserfahrung zu beschreiben, die eine bestimmte Erinnerung hervorruft. Dies kommt von einer Szene aus den ersten paar Seiten des Buchs, in der der Ich-Protagonist ein Gebäck in einen Tee taucht, worauf dieser in seine Kindheit zurückversetzt wird.
Leo Tolstoi: Anna Karenina (1878)
Die monumentale Geschichte einer zum Scheitern verurteilten Frau in Zeiten der russischen Monarchie. Darin geht es um die Liebesbeziehung zwischen Anna und ihrem Liebhaber Graf Wronski. Tolstoi selbst fand den Roman «abscheulich», die Leserschaft sah dies aber anders.
Leo Tolstoi: Krieg und Frieden (1869)
Der zweite grosse Roman von Tolstoi: «Krieg und Frieden». Er handelt von den Irrungen und Wirrungen während der napoleonischen Kriege und gilt immer noch als einer der bedeutendsten Romane aller Zeiten. Er gilt auch als historisches Zeugnis des Zarenreichs während der Anfänge des 19. Jahrhunderts.
Charlotte Brontë: Jane Eyre
Charlotte Brontës «Jane Eyre» wurde gleich nach der Veröffentlichung zum Bestseller. Publiziert hatte Brontë ihren Roman noch unter dem Pseudonym Currer Bell. Vor allem die zu dieser Zeit innovative Ich-Erzählung begeistert bis heute.
Jane Austen: Stolz und Vorurteil
Einer der berühmtesten Liebesromane weltweit. Jane Austens «Stolz und Vorurteil» behandelt die Beziehung zwischen der liebeswerten Lizzy Bennet und dem arrogant angehauchten Mr. Darcy. Das Buch wurde zahlreich verfilmt, zuletzt mit Keira Knightley 2005, und geniesst bis heute Kultstatus.
Gustave Flaubert: Madame Bovary (1856)
In «Madame Bovary» wird die tragische Geschichte der Arztgattin Emma Bovary erzählt, die im Kleinstadtleben Frankreichs ihrem Schicksal . Das Werk sorgte bei Publikation für grosses Aufsehen, Flaubert musste sich in einem Prozess wegen «Verherrlichung des Ehebruchs» und «Verstossen gegen die guten Sitten» verantworten – er wurde schlussendlich freigesprochen.
Die weiteren Plätze
Plätze 11. bis 20.
- 11. Der Grosse Gatsby von F. Scott Fitzgerald
- 12. Bleak House von Charles Dickens
- 13. Emma von Jane Austen
- 14. Mrs Dalloway von Virginia Woolf
- 15. Moby Dick von Herman Melville
- 16. 1984 von George Orwell
- 17. 100 Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez
- 18. Anne Elliot von Jane Austen
- 19. Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman von Laurence Sterne
- 20. Sturmhöhe von Emily Brontë
Plätze 21. bis 30.
- 21. Bildnis einer Dame von Henry James
- 22. Things Fall Apart von Chinua Achebe
- 23. Mitternachtskinder von Salman Rushdie
- 24. Was vom Tage übrig blieb von Kazuo Ishiguro
- 25. Lolita von Wladimir Nabokov
- 26. Don Quijote von Miguel de Cervantes
- 27. Der Prozess von Franz Kafka
- 28. Die Brüder Karamasow von Fjodor Dostojewski
- 29. Fahles Feuer von Wladimir Nabokov
- 30. Frankenstein von Mary Shelley
Plätze 31. bis 40.
- 31. Die Blütezeit der Miss Jean Brodie von Muriel Spark
- 32. Der Gott der kleinen Dinge von Arundhati Roy
- 33. David Copperfield von Charles Dickens
- 34. Wolf Hall von Hilary Mantel
- 35. Grosse Erwartungen von Charles Dickens
- 36. Der Report der Magd von Margaret Atwood
- 37. Der Unsichtbare von Ralph Ellison
- 38. Zeit der Unschuld von Edith Wharton
- 39. Vor ihren Augen sahen sie Gott von Zora Neale Hurston
- 40. Solomons Lied von Toni Morrison
Plätze 41. bis 50.
- 41. Herz der Finsternis von Joseph Conrad
- 42. Der Zauberberg von Thomas Mann
- 43. Haus ohne Halt von Marilynne Robinson
- 44. Giovannis Zimmer von James Baldwin
- 45. Das goldene Notizbuch von Doris Lessing
- 46. Der Leopard von Giuseppe Tomasi di Lampedusa
- 47. Jahrmarkt der Eitelkeit von William Makepeace Thackeray
- 48. Die Verwandlung von Franz Kafka
- 49. Das Gleichgewicht der Welt von Rohinton Mistry
- 50. Sargassomeer von Jean Rhys
Die Plätze 51 bis 100 kannst du hier nachsehen.
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