«People We Meet on Vacation» ist die perfekte Gute-Laune-RomCom
Poppy (Emily Bader) und Alex (Tom Blyth) sind das komplette Gegenteil voneinander. Sie trägt auffällige Kleidung, bereist ständig neue Orte und lässt sich am besten als Freigeist bezeichnet. Alex hingegen bleibt am liebsten in seiner Heimatstadt und schätzt Struktur und Routine.
Die beiden lernen sich kennen, weil sie dasselbe College besuchen und zufällig in derselben Stadt wohnen. So erscheint es nur logisch, dass sie während der Sommerferien gemeinsam nach Hause fahren – eine Storyline, die unweigerlich an «When Harry Met Sally» erinnert. Obwohl Alex und Poppy kaum unterschiedlicher sein könnten, sind sie am Ende ihres Roadtrips Freunde geworden. Sie versprechen sich, jeden Sommer gemeinsam eine Reise zu unternehmen.
Kanada, Italien, New Orleans: Zehn Jahre lang gehen sie jeden Sommer gemeinsam auf ein Abenteuer – egal, wo sie gerade im Leben stehen. Als Zuschauerin ist einem natürlich von Anfang an klar, dass die beiden füreinander bestimmt sind – obwohl sie sich das selbst natürlich lange nicht eingestehen. Sonst wäre der Film schliesslich nach zehn Minuten zuende.
Die Netflix-RomCom von Regisseur Brett Haley basiert auf dem gleichnamigen Buch von Emily Henry. Henrys romantische Komödien («Book Lovers», «Happy Place», «Funny Story») sind seit einigen Jahren von Bestseller-Listen nicht wegzudenken und eignen sich hervorragend als leichte Ferienlektüre. «People We Meet on Vacation» ist ihre erste Filmadaption, aber noch lange nicht die letzte – vier weitere sind bereits geplant und in Arbeit.
Henry hat eine grosse Fangemeinde aufgebaut (und alleine in den USA in den letzten neun Jahren mehr als neun Millionen Kopien ihrer Bücher verkauft), weil sie es versteht, spannungsgeladene Liebesgeschichten mit lebendigen Welten und sorgfältig ausgearbeiteten Charakteren zu schreiben. In ihren Geschichten wirkt kein Detail banal.
Und trotzdem lässt sich in diesem Fall ungeniert sagen, dass der Film seiner Buchvorlage definitiv gerecht wird. Ein äusserst seltener Fall. Obwohl die Verfilmung grössere Zeitsprünge macht als das Buch und einzelne Elemente auslässt oder zusammenfasst, entsteht für das Publikum nie der Eindruck, dass etwas fehlt. Ausgenommen natürlich Alex’ Katze, die auch im Film einen Platz verdient hätte.
Baders Darstellung von Poppy ist ebenso unterhaltsam wie nuanciert. Mit ihren ausdrucksstarken Augen gelingt ihr eine lebhafte, zugleich aber auch verletzliche Interpretation der Figur. Blyth wiederum verleiht Alex den nötigen Charme und die Wärme, um ihm eine ebenso grosse Sympathie wie Poppy zu verleihen, und bildet gleichzeitig einen stabilen Gegenpol zu ihrer Unbeschwertheit. Gemeinsam lassen die beiden Schauspieler ihre Chemie glaubhaft aufleben und verleihen dem Film damit seine Magie.
Neben Alex und Poppy treten in «People We Meet on Vacation» auch zahlreiche sympathische Nebencharakteren auf: So spielt Jameela Jamil Poppys überraschend unterstützende Chefin beim Reisemagazin, während Miles Heizer in die Rolle von Alex’ Bruder schlüpft. An dessen Hochzeit in Barcelona treffen Poppy und Alex nach zwei Jahren Funkstille erstmals wieder aufeinander.
Mithilfe von Rückblenden wird nach und nach erzählt, was die beiden über die Jahre hinweg erlebt haben und wie es dazu kam, dass sie sich eventuell auseinandergelebt haben.
Das Publikum interessiert sich für diese Figuren, weil Henry und Haley sie im Buch sowie im Film realistisch dargestellt haben. Sie sind alles andere als perfekt und machen Fehler – genau das macht ihre Geschichte so fesselnd und greifbar.
Was «People We Meet on Vacation» besser gemacht hätte, ist, wenn es nicht als Film, sondern als Serie umgesetzt worden wäre. So hätten die Figuren mehr Raum erhalten, um sich weiterzuentwickeln, die Macher genügend Zeit gehabt, Poppys und Alex’ Abenteuer ausführlicher zu erzählen, und die Buchvorlage hätte genauer adaptiert werden können.
Es ist offensichtlich, dass «People We Meet On Vacation» von Menschen geschaffen wurde, die die Liebe lieben – und zwar nicht nur die perfekte romantische Seite. Dieser Film zeigt eine Art von Liebe, die chaotisch ist und Kompromisse erfordert.
Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass auch die zukünftigen Buchadaptionen von Emily Henry mit derselben Sorgfältigkeit umgesetzt werden wie «People We Meet on Vacation».
«People We Meet on Vacation» dauert knapp zwei Stunden und ist auf Netflix verfügbar.
