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«The Devil Wears Prada 2»: Endzeit-Stimmung mit Streep in Fashion-Hausen

«The Devil Wears Prada 2» 2026
Miranda (Streep) und Nigel (Tucci): zwei Superklassiker in einer feindlichen neuen Welt.Bild: 20th Century Studios
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«The Devil Wears Prada 2»: Endzeit-Stimmung in Fashion-Hausen

20 Jahre nach der grossartigen Modesatire folgt die Fortsetzung. War das wirklich eine gute Idee?
29.04.2026, 09:0529.04.2026, 09:05

Miranda Priestly (Meryl Streep) ist not amused: «Die Models wurden wohl aufgefordert, so zu gehen, als wären sie hungrige Ziegen auf dem Parkplatz einer Methadon-Klinik in New Jersey!» Und als sie angewidert versucht, eine Gruppe von Models zu beschreiben, die nicht strichmännchendünn sind, unterläuft ihr ein Freudscher Versprecher: «Da sind interessante Körper, einige davon sind sehr ... negativ? Oh nein, body-positiv!»

Sie ist die personifizierte alte weisse Frau der Modebranche. Die noch immer spitzzüngige und eiskalte Chefredaktorin von «Runway». Doch «Runway» ist nur noch vordergründig ein Hochglanzmagazin mit teuren Fotostrecken und Inseraten. «Runway» ist als Printprodukt zusehends anorektisch und vor allem «digital», wie Nigel (Stanley Tucci), der Chefstylist, angeekelt sagt. Er arbeitet seit 38 Jahren für Miranda. Auch er ist alt. Alte Menschen mit alten Idealen und einem alten Sinn für Schönheit und Kunst. Mirandas vierter Ehemann (Kenneth Branagh) spielt Geige in einem klassischen Streichquartett.

Andy Sachs (Anne Hathaway) war mal «Runway»-Praktikantin, doch jetzt ist sie topseriöse Topjournalistin bei der Zeitung «Vanguard» (Vorhut) und schreibt über unzugängliche Themen wie die Notenbank und andere systemische Ungerechtigkeiten. Ausgerechnet als sie einen Preis entgegennimmt, wird ihrer ganzen Redaktion per SMS die Entlassung mitgeteilt. «Vanguard» ist am Ende. Und Andy erhält ein Angebot von «Runway». Sie soll den durch Fast-Fashion-Propaganda angeschlagenen Ruf des Magazins mit ihrem Topjournalismus im Alleingang retten.

Wird Andy es schaffen, nicht nur neue Qualitätsstandards zu setzen, sondern auch die Klickgier der Verlegerfamilie zu befriedigen? Was wird aus ihrem Plan, eine Miranda-Priestly-Biografie zu schreiben? Und was könnte in dieser steilen Zeit der allgegenwärtigen Medienkrise wohl die Rolle der mildtätigen Melinda-Gates-Imitatorin Sasha Barnes (Lucy Liu) sein? Sashas Ex (Justin Theroux) will übrigens nicht mehr nur wie Musk zum Mars, sondern gleich zur Sonne fliegen.

«The Devil Wears Prada 2» 2026
Andy (Anne Hathaway) beim wichtigen Telefonieren.Bild: 20th Century Studios

Der Stoff, aus dem «The Devil Wears Prada 2» genäht ist, ach, er ist hauchdünn, fadenscheinig und meist glanzlos, ja geradezu melancholisch. Irgendwie Endzeit. Der Zusammenbruch nostalgischer Hoffnungen. Als wäre es dem Team um Regisseur David Frankel, der selbst der Sohn der topseriösen amerikanischen Journalisten-Legende Max Frankel ist und viel vom Medienbusiness und seinen Zerfallserscheinungen versteht, schwer gefallen, die alte, alberne, aber an Überraschungen und Witz so reiche Geschichte nach 20 Jahren weiterzuschreiben.

(L-R): Anne Hathaway as Andy Sachs and Meryl Streep as Miranda Priestly in 20th Century Studios' THE DEVIL WEARS PRADA 2. Photo courtesy of 20th Century Studios. © 2026 20th Century Studios. All  ...
Auf Emilys (Emily Blunt) Bluse steht gross DIOR. Da arbeitet sie nämlich in «The Devil Wears Prada 2».bild: 20th Century Studios

War diese nicht wunderbar? Wer hatte vor 2006 ahnen können, dass Meryl Streep nicht nur die beste, sondern auch die komischste Schauspielerin ihrer Generation ist? Nach «The Devil Wears Prada» gab es für sie kein Halten mehr, «Mamma Mia!», «Julie & Julia» oder «Florence Foster Jenkins» folgten. Und wer hatte vor 2006 ein Wunder namens Emily Blunt gekannt? Oder Anne Hathaway in einer anderen Hauptrolle als in «Plötzlich Prinzessin»? Stanley Tucci ergänzte das beseligende Quartett.

Der Rest ist Komödiengeschichte, legendäre Szenen wie Mirandas Mantelwurf sind für die Ewigkeit, ihr «That's all!», mit dem sie ihre Untertaninnen entlässt, ebenfalls. «The Devil Wears Prada» war Modesatire und wusste doch auch dem hinterletzten Modemuffel klarzumachen, was Mode und ein Magazin wie «Runway» gesellschaftlich zu leisten vermögen.

Die Geschichte war schlicht, aber effizient: Jungjournalistin Andy Sachs sucht einen Job und gerät an die «Runway», wird von der biestigen Ekelbritin Emily (Emily Blunt) und Miranda Priestly gequält und von Stylist Nigel mit schönen Kleidern entschädigt. Ihr langweiliger Boyfriend ist Koch, verbringt ganze Wochen monothematisch mit Kartoffeln und versteht nicht, wieso seine sonst so bodenständige Andy nun monothematisch mit Mode beschäftigt ist. Miranda zelebriert die Überforderung ihres Teams, Emily verinnerlicht diese, Andy erwacht schliesslich aus dem toxisch-kapitalistischen Fiebertraum, verschenkt die schönen Kleider und geht zurück in den armen, aber redlichen Journalismus. Brave Andy.

(L-R): Anne Hathaway as Andy Sachs and Meryl Streep as Miranda Priestly in 20th Century Studios' THE DEVIL WEARS PRADA 2. Photo courtesy of 20th Century Studios. © 2026 20th Century Studios. All  ...
Die Fab Four neulich in New York: Hathaway, Tucci, Streep und Blunt (von links).bild: 20th century studios

Die «echte» Miranda Priestly, nämlich Anna Wintour, die sich mit Meryl Streep den Jahrgang 1949 teilt, ist vor einem Jahr, mit 75, von ihrem Job als Chefredaktorin der «Vogue» zurückgetreten. Und begleitet jetzt brav den PR-Zirkus von «The Devil Wears Prada 2». Vor 20 Jahren war das noch ganz anders. Da war sie hässig und ihre schlechte Laune konnte nur ganz knapp damit besänftigt werden, dass sie von der grossen Meryl Streep gespielt wurde.

Anna Wintour mit Schwiegertochter (links) und Tochter (rechts) an der New Yorker Premiere.
Anna Wintour mit Schwiegertochter (links) und Tochter (rechts) an der New Yorker Premiere.Bild: www.imago-images.de

Der Grund für Wintours Saulaune war ganz einfach: Da hatte die Jungjournalistin Lauren Weisberger zu Beginn der Nullerjahre ein gerade mal zehnmonatiges Praktikum bei der «Vogue» absolviert, als sie beschloss, einen Enthüllungsroman zu schreiben. Aus Weisberger wurde Andy, aus Wintour wurde Priestly, aus der «Vogue» «Runway». Die Filmrechte waren bereits verkauft, bevor Weisberger «The Devil Wears Prada» zu Ende geschrieben hatte. Sie war Mitte zwanzig und Multimillionärin. Der Roman war keine Weltliteratur, aber ein Weltbestseller und er erzählte mit viel Schwung und Frechheit eine runde Geschichte.

«The Devil Wears Prada 2» ist krampfhaft zusammengekleistertes Recycling, dem ein narrativer Zusammenhalt fehlt. Klar ist es schön, die Fab Four wieder zusammen zu sehen, doch sie sind jetzt eben alle älter, weicher, weise und immer wieder sehr resigniert. So richtig zubeissen mögen sie nur noch selten. Und Frankels Regie fehlt das Tempo des Vorgängers, das gerade für Komödien so wichtig ist.

Dass die Sache mit der Medienkrise für sie alle eine wirklich ernsthafte Angelegenheit ist, sagte Meryl Streep am 20. April an der New Yorker Premiere: Alle Filmkostüme würden versteigert und der Erlös käme dem Komitee zum Schutz von Journalisten zugute. Wie schön. Vielen Dank dafür.

«The Devil Wears Prada» läuft ab dem 30. April im Kino.

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12 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Dr. Rodney McKay
29.04.2026 09:40registriert September 2024
Ich und Miranda halten folgendes von dieser Kritik:
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Dogbone
29.04.2026 12:19registriert August 2014
Da kannst Du kritisieren, soviel Du möchtest. Meryl Streep alleine ist es wert, einen Film zu schauen. Egal, was alle anderen Schauspieler tun.
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Peter Vogel
29.04.2026 11:01registriert Juni 2020
Der erste Teil fühlte sich damals wie ein Autounfall an. Man sollte eigentlich nicht hinschauen, aber konnte einfach nicht wegschauen. Wer hätte das gedacht? Die Modebranche ist genau so dümmlich und oberflächlich wie vermutet wurde. 20 Jahre später sind die Menschen dank den sozialen Medien grösstenteils genau so dumm wie die Charaktere im ersten Teil. Die einzig vernünftige Figur ist tatsächlich der langweilige Koch. Ich werde wohl auch Teil 2 schauen müssen.
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