Leben
Review

Beetlejuice Beetlejuice: Das kann die morbide Fortsetzung von Tim Burton

beetlejuice beetlejuice
Michael Keaton kehrt in «Beetlejuice Beetlejuice» zurück, zwischen einer Frau, die von ihren Katzen aufgefressen wird, und einem Toten, der während eines Hotdog-Wettbewerbs gestorben ist.Bild: warner bros.
Review

Mit «Beetlejuice Beetlejuice» ist der Tim Burton, den wir lieben, zurück

«Beetlejuice Beetlejuice» ist nichts anderes als die Fortsetzung des Kultfilms aus dem Jahr 1988. Diese neue makabre Komödie macht dem ersten Teil aber alle Ehre.
13.09.2024, 20:58
Sainath Bovay / watson.ch/fr

Vor 36 Jahren wurde der Filmemacher Tim Burton mit «Beetlejuice» bekannt. Es ist ein Film, der den besonderen Stil seines Schöpfers mit seiner düsteren und verrückten Ästhetik, die von der Gothic- und Expressionisten-Bewegung inspiriert ist, einführte. Drei Jahrzehnte später ist der Film immer noch ein Halloween-Klassiker.

«Beetlejuice» war der erste Film einer makellosen Filmografie bis zum Beginn der 2000er Jahre, als sich Burton mit kitschigen Blockbustern für Disney («Alice in Wonderland», «Dumbo») und konventionellen Filmen («Miss Peregrine's Home for Peculiar Children», «Big Eyes») auf seinem Weg verirrte.

Der Regisseur kehrt nun zu seinen Wurzeln zurück, von denen er sich entfernt hatte und holte dabei auch seine Originalbesetzung zurück: Michael Keaton, Catherine O'Hara und Winona Ryder, die damals noch ein Teenager war. «Beetlejuice Beetlejuice» reiht sich in die lange Liste von späten Fortsetzungen ein, wie es auch «Ghostbusters» oder «Twisters» in diesem Jahr getan haben.

In «Beetlejuice» ging es um das Geisterpaar Maitland, dessen Alltag durch den Einzug eines reichen New Yorker Snobs und seiner Gothic-Tochter in ihr altes Haus auf den Kopf gestellt wurde. Das Paar beschloss, Beetlejuice zu beschwören, einen exzentrischen und lüsternen Geist, der eher einem Dämon ähnelt, um die unerwünschten Sterblichen aus ihrem Haus zu vertreiben.

Winona Ryder und Jenna Ortega und Beetlejuice Beetlejuice
Lydia (Winona Ryder) und ihre Tochter Astrid (Jenna Ortega) bilden ein berührendes Mutter-Tochter-Duo.Bild: warner bros.

Sechsunddreissig Jahre nach diesen Ereignissen haben die Maitlands das Jenseits erreicht und Lydia Deetz (Winona Ryder) lebt nun in New York, wo sie ihre medialen Fähigkeiten in einer erfolgreichen Fernsehsendung einsetzt. Als Witwe und Mutter muss sie eine konfliktreiche Beziehung zu ihrer Teenager-Tochter führen, die nicht an Geister glaubt und sie als Betrügerin wahrnimmt. Als eine Tragödie die Familie Deetz erneut in die Stadt Winter Rivers führt, dauert es nicht lange, bis der Name Beetlejuice dreimal fällt und sich die Tore ins Jenseits zu unserem Vergnügen erneut öffnen.

Der Tod steht ihnen so gut

In dieser Fortsetzung gibt es gleich mehrere Handlungsstränge: Einerseits die Welt der Lebenden mit der Geschichte von Lydia und ihrer Tochter Astrid, andererseits die Welt der Toten, in der Delores, Beetlejuices Ex-Frau, wieder auftaucht, um sich an ihrem Mann zu rächen. Delores wird von Monica Bellucci verkörpert, die neue Muse und Lebensgefährtin von Tim Burton. Dieser lässt in seinen Filmen immer die Frauen seines Lebens spielen. Irgendwo zwischen Morticia aus «The Addams Family» und Sally aus «Mr. Jack’s Strange Christmas» offenbart sich die Italienerin in einer gewaltigen Tackerszene, in der sie sich selbst wieder zusammensetzt, da sie in Stücke geschnitten wurde. Sie saugt die Seelen der Toten ein und hinterlässt auf der Suche nach ihrem verstorbenen Mann eine Spur aus verschrumpelten Leichen.

Monica Bellucci in beetlejuice beetlejuice
Monica Bellucci als sehr verhängnisvolle Femme fatale.Bild: warner bros.

Weiter gibt es den brillanten Willem Dafoe, der in seinem alten Leben ein egozentrischer Schauspieler war und im Jenseits nun ein Polizist ist. Michael Keaton schliesslich knüpft wunderbar an seine überschwängliche und groteske Figur Beetljuice an, auch wenn er mit den Jahren etwas weniger bösartig geworden ist.

willem dafoe in beetlejuice beetlejuice
Willem Dafoe ist immer da, um die Zuschauer zu unterhalten.Bild: warner bros.

Bei den Lebenden lässt der Film Raum für eine beispielhafte Schwesternschaft zwischen dem Figurentrio Lydia, ihrer exzentrischen Mutter Delia und ihrer Tochter Astrid, die von Jenna Ortega gespielt wird. Die junge Schauspielerin, die Tim Burton in seiner Serie «Wednesday» als neue Ikone des Fantastischen entdeckte, tritt in die gleichen Fussstapfen wie damals Winona Ryder. Besondere Erwähnung verdient Catherine O'Hara, die die Stiefmutter und heutige Grossmutter spielt. Sie spielt so überzeugend, man könnte meinen, dass sie ihre Figur als verrückte Künstlerin nie verlassen hat.

Es ist jedoch schade, dass all diese Handlungsstränge überall und nirgends gleichzeitig geführt werden, was diesem fröhlichen Durcheinander letztlich nur wenig Substanz verleiht. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt, da der Film uns mit einer Reihe von skurrilen und lyrischen Momenten unterhält. Der erste «Beetlejuice» hatte musikalische Momente mit Calypso-Musik aus den 1950er Jahren, die Version von 2024 geht vier Jahrzehnte in die Vergangenheit zurück und bietet 80er-Jahre-Balladen – ein Genuss.

Zur Erinnerung, das ist Calypso:

Ein Film im alten Stil

«Beetlejuice Beetlejuice» wurde wie 1988 gestaltet, mit einem Fest aus richtigen Kulissen, Modellen und Stop-Motion-Szenen, ähnlich wie der Sandwurm, den man im ersten Teil sah. Die Verstorbenen tragen Schminke und Latexprothesen, die an eine Halloween-Feier erinnern. Im Zeitalter der leblosen Digitalisierung hatten wir diese Ästhetik aus Gerümpel und Krimskrams vermisst, und Tim Burton dabei zuzusehen, wie er sie sich wieder zu eigen macht, ist ein wahres Vergnügen.

beetlejuice beetlejuice
Der Film ist eine wahre Hommage an die Handwerkskunst im Film.Bild: warner bros.

«Beetlejuice», der erste Film, war ein guter Film, der vor allem durch seine «burtoneske» Ästhetik überzeugt hat – und seine Fortsetzung macht genau dasselbe: Ein Film mit vielen Fehlern, aber mit einer Komik und einem einzigartigen Universum, das ihn sofort sympathisch macht. Eine lange nicht mehr gesehene Handschrift, die wie eine Wiederauferstehung für Tim Burton wirkt.

In Zeiten, in denen Hollywood auf Teufel komm raus recycelt, kann man nur erleichtert sein, dass dieser Mehrgenerationenklassiker nicht entehrt wurde. Wir hoffen, dass dieses Comeback Burton dazu inspiriert, zu dem Kino zurückzukehren, das ihn zum Blühen gebracht hat, mit seiner ganz besonderen Welt, in der das Makabre neben der Poesie steht. In der Zwischenzeit können wir jedem, der Burton vermisst hat, empfehlen, sich diese Fortsetzung anzusehen.

«Beetlejuice Beetlejuice» läuft aktuell im Kino. Dauer: 104 Minuten.

Hier geht's zum Trailer:

Mehr zu Filme:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Filme von Tim Burton
1 / 7
Filme von Tim Burton
«Alice im Wunderland» (2010)

Bild: Disney
quelle: disney
Auf Facebook teilenAuf X teilenWhatsapp sharer
PewDiePie findet die Schweiz cutie-pie
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
5 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5
    Diese Stars kommen an die Hochzeit von Jeff Bezos und Lauren Sánchez
    Zwei Jahren nach dem Antrag folgt die grosse Hochzeit des Amazon-Chefs und seiner Auserwählten: Jeff Bezos und Lauren Sánchez heiraten im Sommer in Venedig. Diese hochkarätigen Gäste sollen auf der Einladungsliste stehen.

    Amazon-Gründer Jeff Bezos und Lauren Sánchez haben sich vor zwei Jahren verlobt und werden scheinbar noch dieses Jahr in Venedig heiraten, berichtet «Page Six». Zu der Sommerhochzeit des 61-Jährigen und der sechs Jahre Jüngeren sollen auch zahlreiche Grössen aus dem Showbiz, der Wirtschaft und der Politik dabei sein.

    Zur Story