Vor 36 Jahren wurde der Filmemacher Tim Burton mit «Beetlejuice» bekannt. Es ist ein Film, der den besonderen Stil seines Schöpfers mit seiner düsteren und verrückten Ästhetik, die von der Gothic- und Expressionisten-Bewegung inspiriert ist, einführte. Drei Jahrzehnte später ist der Film immer noch ein Halloween-Klassiker.
«Beetlejuice» war der erste Film einer makellosen Filmografie bis zum Beginn der 2000er Jahre, als sich Burton mit kitschigen Blockbustern für Disney («Alice in Wonderland», «Dumbo») und konventionellen Filmen («Miss Peregrine's Home for Peculiar Children», «Big Eyes») auf seinem Weg verirrte.
Der Regisseur kehrt nun zu seinen Wurzeln zurück, von denen er sich entfernt hatte und holte dabei auch seine Originalbesetzung zurück: Michael Keaton, Catherine O'Hara und Winona Ryder, die damals noch ein Teenager war. «Beetlejuice Beetlejuice» reiht sich in die lange Liste von späten Fortsetzungen ein, wie es auch «Ghostbusters» oder «Twisters» in diesem Jahr getan haben.
In «Beetlejuice» ging es um das Geisterpaar Maitland, dessen Alltag durch den Einzug eines reichen New Yorker Snobs und seiner Gothic-Tochter in ihr altes Haus auf den Kopf gestellt wurde. Das Paar beschloss, Beetlejuice zu beschwören, einen exzentrischen und lüsternen Geist, der eher einem Dämon ähnelt, um die unerwünschten Sterblichen aus ihrem Haus zu vertreiben.
Sechsunddreissig Jahre nach diesen Ereignissen haben die Maitlands das Jenseits erreicht und Lydia Deetz (Winona Ryder) lebt nun in New York, wo sie ihre medialen Fähigkeiten in einer erfolgreichen Fernsehsendung einsetzt. Als Witwe und Mutter muss sie eine konfliktreiche Beziehung zu ihrer Teenager-Tochter führen, die nicht an Geister glaubt und sie als Betrügerin wahrnimmt. Als eine Tragödie die Familie Deetz erneut in die Stadt Winter Rivers führt, dauert es nicht lange, bis der Name Beetlejuice dreimal fällt und sich die Tore ins Jenseits zu unserem Vergnügen erneut öffnen.
In dieser Fortsetzung gibt es gleich mehrere Handlungsstränge: Einerseits die Welt der Lebenden mit der Geschichte von Lydia und ihrer Tochter Astrid, andererseits die Welt der Toten, in der Delores, Beetlejuices Ex-Frau, wieder auftaucht, um sich an ihrem Mann zu rächen. Delores wird von Monica Bellucci verkörpert, die neue Muse und Lebensgefährtin von Tim Burton. Dieser lässt in seinen Filmen immer die Frauen seines Lebens spielen. Irgendwo zwischen Morticia aus «The Addams Family» und Sally aus «Mr. Jack’s Strange Christmas» offenbart sich die Italienerin in einer gewaltigen Tackerszene, in der sie sich selbst wieder zusammensetzt, da sie in Stücke geschnitten wurde. Sie saugt die Seelen der Toten ein und hinterlässt auf der Suche nach ihrem verstorbenen Mann eine Spur aus verschrumpelten Leichen.
Weiter gibt es den brillanten Willem Dafoe, der in seinem alten Leben ein egozentrischer Schauspieler war und im Jenseits nun ein Polizist ist. Michael Keaton schliesslich knüpft wunderbar an seine überschwängliche und groteske Figur Beetljuice an, auch wenn er mit den Jahren etwas weniger bösartig geworden ist.
Bei den Lebenden lässt der Film Raum für eine beispielhafte Schwesternschaft zwischen dem Figurentrio Lydia, ihrer exzentrischen Mutter Delia und ihrer Tochter Astrid, die von Jenna Ortega gespielt wird. Die junge Schauspielerin, die Tim Burton in seiner Serie «Wednesday» als neue Ikone des Fantastischen entdeckte, tritt in die gleichen Fussstapfen wie damals Winona Ryder. Besondere Erwähnung verdient Catherine O'Hara, die die Stiefmutter und heutige Grossmutter spielt. Sie spielt so überzeugend, man könnte meinen, dass sie ihre Figur als verrückte Künstlerin nie verlassen hat.
Es ist jedoch schade, dass all diese Handlungsstränge überall und nirgends gleichzeitig geführt werden, was diesem fröhlichen Durcheinander letztlich nur wenig Substanz verleiht. Dies ist jedoch nur ein kleiner Kritikpunkt, da der Film uns mit einer Reihe von skurrilen und lyrischen Momenten unterhält. Der erste «Beetlejuice» hatte musikalische Momente mit Calypso-Musik aus den 1950er Jahren, die Version von 2024 geht vier Jahrzehnte in die Vergangenheit zurück und bietet 80er-Jahre-Balladen – ein Genuss.
«Beetlejuice Beetlejuice» wurde wie 1988 gestaltet, mit einem Fest aus richtigen Kulissen, Modellen und Stop-Motion-Szenen, ähnlich wie der Sandwurm, den man im ersten Teil sah. Die Verstorbenen tragen Schminke und Latexprothesen, die an eine Halloween-Feier erinnern. Im Zeitalter der leblosen Digitalisierung hatten wir diese Ästhetik aus Gerümpel und Krimskrams vermisst, und Tim Burton dabei zuzusehen, wie er sie sich wieder zu eigen macht, ist ein wahres Vergnügen.
«Beetlejuice», der erste Film, war ein guter Film, der vor allem durch seine «burtoneske» Ästhetik überzeugt hat – und seine Fortsetzung macht genau dasselbe: Ein Film mit vielen Fehlern, aber mit einer Komik und einem einzigartigen Universum, das ihn sofort sympathisch macht. Eine lange nicht mehr gesehene Handschrift, die wie eine Wiederauferstehung für Tim Burton wirkt.
In Zeiten, in denen Hollywood auf Teufel komm raus recycelt, kann man nur erleichtert sein, dass dieser Mehrgenerationenklassiker nicht entehrt wurde. Wir hoffen, dass dieses Comeback Burton dazu inspiriert, zu dem Kino zurückzukehren, das ihn zum Blühen gebracht hat, mit seiner ganz besonderen Welt, in der das Makabre neben der Poesie steht. In der Zwischenzeit können wir jedem, der Burton vermisst hat, empfehlen, sich diese Fortsetzung anzusehen.
«Beetlejuice Beetlejuice» läuft aktuell im Kino. Dauer: 104 Minuten.