Die Netflix-Doku von Shirin David ist eine Ego-Show
Von einem Beauty-Kanal bei YouTube hin zur wohl bekanntesten Rapperin Deutschlands: Shirin David hat eine eindrucksvolle Karriere hingelegt und das kann ihr niemand nehmen. Zugleich polarisiert sie wie kaum ein anderer Promi im deutschsprachigen Raum – perfekte Voraussetzungen also für einen spannenden Blick hinter die Kulissen.
Beinahe schon folgerichtig landet die 30-Jährige am 13. März mit einer eigenen Doku bei Netflix. Doch die Vorgeschichte trübt das Bild massiv.
Shirin David leidet in Netflix-Doku
Ihr Rufname im Titel des Projekts verrät bereits, dass es persönlich wird. Tatsächlich spricht die Künstlerin über ihre gar nicht mal so leichte Kindheit, als ihre Mutter angeblich Druck beim Ballettunterricht machte.
Und diese Strenge bei ihrer Erziehung soll dann auch erklären, warum Shirin David heute so ist, wie sie nun einmal ist: in erster Linie perfektionistisch bis zur Selbstzerstörung. Alles andere kommt danach.
Ihre Tränen vermitteln dem Publikum den Eindruck von Nahbarkeit. Immer wieder überkommt es Shirin David, weil sie fürchtet, versagt zu haben. Sogar Fehler auf der Bühne, die vermutlich niemand ausser ihr selbst registriert, bringen sie zur Verzweiflung.
Der Katalysator für all das ist ihre starke mediale Präsenz, von der sie andererseits natürlich massiv profitiert. Doch gehässige Kommentare über ihr Aussehen (von Menschen, die sie gar nicht kennt) treiben sie in den Abgrund.
Ihre Versuche, mit Schönheitsoperationen gegenzusteuern, machen sie endgültig zur tragischen Figur. Beinahe könnte man glauben, eine moderne Shakespeare-Sage vor sich zu haben.
Shirin David setzte sich knallhart gegen Netflix durch
Aber eben nur beinahe, denn über «Barbara – Becoming Shirin David» liegen noch ganz andere Schatten und vor allem die Frage, wie authentisch und glaubwürdig das alles wirklich ist.
Denn: Zwar zeigt sich die Musikerin scheinbar verletzlich, doch ein wirklich kritisches Bild von ihr vermittelt das Ganze eben nicht. Eher provoziert die Doku Bewunderung und Mitleid gleichermassen – für eine Frau, die wohlgemerkt alles hat.
Und das wiederum kommt nicht von ungefähr. «Barbara – Becoming Shirin David» war schon vor Jahren in Planung, doch Shirin David zog 2024 die Notbremse, weil sie mit dem ersten Anlauf nicht zufrieden war.
Sie selbst sprach davon, dass «sehr, sehr viele Dinge unprofessionell gelaufen» seien. Die Folge war ein radikaler Personaltausch. Fortan lief die Produktion rundum nach den Wünschen der Rapperin. Was für ein Power-Move.
Shirin David ist also gross und mächtig genug, um mal eben dem grössten Streaming-Dienst der Welt die Bedingungen zu diktieren – ein Fakt, den auch Fans beim Anschauen der Doku unbedingt im Hinterkopf haben sollten.
Nun sind Hochglanz-Dokus über Promis bei Netflix ohnehin nicht dafür bekannt, ernsthaft kritische Aspekte aufzuwerfen, doch «Barbara – Becoming Shirin David» markiert diesbezüglich den absoluten Tiefpunkt. Es ist durchaus ein Meisterwerk, aber nur in Sachen Manipulation.
Selbst die privaten Einblicke, die der Film liefert, sind letztlich nur kleine Happen, mit denen das gierige Publikum angefüttert wird. Der Rest wird von einer Welle aus Tränen weggespült.
Warum beispielsweise kommt ihre Mutter eigentlich nicht ausführlicher zu Wort und welche Rolle spielte Shirin Davids Vater bei ihrer Erziehung? Das Publikum kann mit Blick auf die Produktionsgeschichte sicher sein, dass keine Leerstelle Zufall ist.
Und so bleibt am Ende leider in vielen Punkten das Klischee des «Larger than life»-Superstars, der zwar in Geld schwimmt, aber dafür auch einen hohen Preis zahlt – nämlich in erster Linie den, irgendwann von der Realität entkoppelt zu sein.
«Barbara – Becoming Shirin David» ist ab dem 13. März auf Netflix verfügbar.
