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Royals ohne Zukunft? Charles hat Ideen für eine nachhaltige Monarchie

Trooping The Colour The Duke of Cambridge, Prince George, Prince Louis, Princess Charlotte, The Duchess of Cambridge, Prince Charles and The Duchess of Cornwall attending Trooping The Colour, Buckingh ...
Falls es die britische Monarchie noch länger geben sollte, sehen wir hier die nächsten drei Könige, nämlich Charles, William und George (vorne links). Natürlich mit der kleinen Charlotte, Kate, Louis und Camilla.Bild: Imago/Doug Peters/EMPICS

Royals ohne Zukunft? Bioprinz Charles hat Ideen für eine nachhaltige Monarchie

09.04.2022, 20:5611.04.2022, 04:59
Simone Meier
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Die Frage ist: Wer bleibt? Und wie lange noch? Die einen sind schon gegangen, die anderen untragbar, die dritten uralt. Die Royal Family, auch «The Firm» genannt, schrumpft. Und der vor wenigen Jahren zum ersten Mal geäusserte Plan von Thronfolger Charles, genau dies in die Wege leiten zu wollen, realisiert sich ganz von selbst.

Der auch schon 73-jährige Prince of Wales (kein anderer in der britischen Geschichte wird so lange auf den Thron gewartet haben wie er) war immer schon ein wenig kritischer als andere Royals. Mit 21 trat er zum ersten Mal als Umweltschützer auf und wurde für einen Spinner gehalten, später glaubte man, dass sich seine Naturnähe in mässigen Landschafts-Aquarellen erschöpfen würde, und seine Liebe zu homöopathischen Globuli war auch nicht gerade ein Image-Kick.

Tatsächlich rüstete er jedoch schon in den 80ern sein Landgut Highgrove zum Biobauernhof um und machte daraus im Laufe der Jahre ein nachhaltiges und profitables Unternehmen, das heute über 200 Bioprodukte liefert und mit dessen Einnahmen Non-Profit-Unternehmen in den Bereichen Bildung, Umwelt und Gesundheit unterstützt werden.

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. 01/07/2020. Cheltenham, United Kingdom. Britain s Prince Charles, looks at a Gloucestershire Old Spot pig with her piglets during a visit to the Cotswold Farm Park near Cheltenham, ...
Charles – ein Mann liebt die Landwirtschaft.Bild: IMAGO / i Images

Charles will jetzt auch die britische Monarchie nachhaltiger machen. Schlanker, kostengünstiger, seriöser, nützlicher, moderner und nicht mehr so schwergewichtig soll sie werden. Ende 2019 äusserte er die Idee, die erwachsenen Full-Time-Royals, die ihr Leben mit nichts als repräsentativer Symbolik verbringen, auf acht bis neun Stück zu beschränken.

Da sich sein Vater, Prinz Philip, mit 99 Jahren von allen öffentlichen Pflichten und Auftritten zurückgezogen hatte und sein Bruder Andrew durch seine Nähe zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein nicht mehr akzeptabel war, wären diese acht die Queen, Charles und Camilla, William und Kate, Harry und Meghan und seine Schwester Prinzessin Anne gewesen. Im Januar 2020 gingen Harry und Meghan ins Exil, und Charles' Bruder Edward und dessen Frau Sophie rückten nach.

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Prinzessin Eugenie (hier mit Vater Andrew) und ihre Schwester Prinzessin Beatrice müssen sich ihr Geld in Zukunft aus eigener Kraft verdienen, wenn es nach Charles geht. Schwierig dürfte das nicht sein. Meghan und Harry machen vor, wie das geht mit Buchverträgen und Deals mit Spotify und Netflix.Bild: AP

Alle anderen, etwa Andrews Töchter, die Prinzessinnen Eugenie und Beatrice, riesige Blasen aus Cousinen, Cousins, Onkeln und Tanten, alles im vierten Grad und fünften Glied, sollen keine Rolle mehr spielen, keine Gelder erhalten und sich damit auch aus der Öffentlichkeit zurückziehen können.

Damit würde sich die britische Monarchie den weit schlichteren europäischen Königshäusern von Dänemark, Schweden, Norwegen, Holland oder Spanien annähern. Königshäuser, die so unbehelligt von den Medien und so nah bei ihrer Bevölkerung sind, dass der König – wie in Holland – im Nebenverdienst über zwanzig Jahre lang jeden Monat mehrere Einsätze als Kopilot bei der KLM absolvierte. Sehr zum Vergnügen der Fluggäste.

Dass die britischen Royals als «Royal Family» zur gehobenen Volksunterhaltung und Soap werden sollen, war 1969 die Idee zweier Herren. Von Prinz Philip, der immer schon medienaffin war und die Queen dazu überredet hatte, ihre Krönung zum ersten grossen und weltweiten TV-Event zu machen. Und vom australischen Pressechef der Queen, William Heseltine.

Charles – sein Leben in sehr vielen Bildern

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Wird Charles jetzt etwa König?
Lippenstift auf den Wangen, ein Grinsen im Gesicht: So feierte der Prince of Wales 1997 mit den Spice Girls. Am 14. November 2018 feierte er dann schon seinen Siebzigsten. Gab es eigentlich schon mal einen Kronprinzen, der länger auf den Thron warten musste als Charles?
quelle: epa / john giles
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Die beiden hielten sich für Modernisierer und die Kamera für die Rettung einer Monarchie, die wie jede andere nach dem Zweiten Weltkrieg als historisches Zerfallsprodukt betrachtet wurde. Ihr Plan war, die Windsors zum glamourösen, aber nahbaren Familienunternehmen zu machen, das vielerlei Blicke hinter die Kulissen gestattet. Und so machte der Palast der BBC den Vorschlag, den Windsors ein Jahr lang für eine intime Dokumentation zu folgen.

Der Film «Royal Family» von 1969 lief genau ein einziges Mal, wurde weltweit von 350 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern gesehen, danach entschied die Queen, dass er nie mehr gezeigt werden dürfe. Erst im Januar 2021 wurde er für wenige Tage auf YouTube geleaket, seither ist er wieder verschwunden.

From left, Britain's Kate, the Duchess of Cambridge, Prince William, Camilla, the Duchess of Cornwall and Prince Charles, arrive for the World premiere of the new film from the James Bond franchi ...
Bend it like Bond: Glamouröser Auftritt des monarchischen Kleeblatts an der Weltpremiere von «No Time to Die». Bild: keystone

Natürlich bedeutete diese Inszenierung der Royals, die erst ab da das Label Royal Family erhielten, dass die Familie auch Personal brauchte, das über die Queen und ihren Thronfolger hinaus reichte. Und dass man dieses Personal teuer bezahlen musste. Die Liebeswirren einer Prinzessin Margaret waren pures Publicity-Gold. Angeheiratete wie Diana, Fergie oder Meghan waren Trapezkünstlerinnen der Aufmerksamkeits-Ökonomie, wenn auch oft unfreiwillig und oft nicht wie erwünscht. Harry war entweder Publikumsliebling oder Bad Boy. Andrew Mutters Liebling und Worst Boy.

Die Soap entwickelte – wie jede Soap – ein irres Labyrinth an immer weniger kontrollierbaren Handlungssträngen. Charles will dies beruhigen, bändigen, reduzieren. William und Kate sind an seiner Seite. Und es klingt, als wäre dies ein realistischer, pragmatischer Weg in die Zukunft. Charles wird auch kein König sein, der sein Amt grundsätzlich als apolitisch versteht: Wenige Tage nach der russischen Invasion äusserte er sich als erster Royal weltweit deutlich zum Ukraine-Krieg und sicherte der ukrainischen Community in Grossbritannien seine Unterstützung zu.

Britain's Queen Elizabeth II and Prince Andrew, center right, arrive for a Service of Thanksgiving for the life of Prince Philip, Duke of Edinburgh, at Westminster Abbey in London, Tuesday, March ...
Am 29. März schmuggelte die Queen ihren verlorenen Sohn Andrew ohne Wissen der Restfamilie in die Westminster Abbey. Bild: keystone

Ende März erschien die Queen am Arm ihres Lieblingssohnes Andrew zu einer Gedenkfeier für Philip, und er durfte sich mit in die erste Reihe setzen, unter die engsten Familienmitglieder also. Es war, als würde sich die gebrechliche Mutter noch ein letztes Mal schützend vor ihr gehasstes Kind stellen und Familienzusammengehörigkeit demonstrieren. Charles und William, so heisst es, sollen darüber sehr enttäuscht gewesen sein.

Die Queen wird am 21. April 96 Jahre alt. Seit dem Tod ihres Gatten am 9. April 2021 sind ihre Gesundheit und ihre Lebensfreude sichtlich im Schwinden begriffen. Die Meinung der Öffentlichkeit und ihrer Familie scheinen ausgerechnet sie, die sich und ihre Angehörigen früher so rigoros dem höfischen Protokoll unterwarf, nicht mehr zu bekümmern. Andrew soll sie im Juni auch zu ihrem 70. Thronjubiläum begleiten. Charles und William wollen dies verhindern.

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