Leben
Spanien

Sterbehilfe für 25-jährige Spanierin bewegt

«Tragisch»: Bestürzung nach Sterbehilfe für junge Spanierin

27.03.2026, 16:2927.03.2026, 16:29

Der Tod einer jungen Frau durch aktive Sterbehilfe hat in Spanien tiefe Bestürzung und Empörung ausgelöst – und das Land regelrecht gespalten.

Im Parlament in Madrid kam es sogar zu turbulenten Szenen und einem heftigen verbalen Schlagabtausch. Der Rechtspopulist Carlos Flores sprach von einer «Hinrichtung» und beschimpfte die Angehörigen der linksgerichteten Regierung als «Mörder». Viel sachlicher, wenn auch oft emotional, ging es bei den noch am Freitag anhaltenden Diskussionen zu – in Cafés, Büros und Supermärkten.

A judge in Barcelona refuses for the third time to suspend the euthanasia of Noelia Castillo Two people outside the hospital Sant Camil, on March 26, 2026, in Sant Pere de Ribes, Barcelona, Catalonia  ...
Das Schicksal von Noelia bewegt die Menschen in Spanien.Bild: www.imago-images.de

Noelia Castillo erhielt am Donnerstagabend in einem Spital in Sant Pere de Ribes bei Barcelona gegen den Willen ihrer Eltern eine tödliche Spritze, die ihr Leben sofort beendete. Die 25-Jährige hatte eine Querschnittlähmung, die auf einen Suizidversuch nach sexuellen Übergriffen im Jahr 2022 zurückging.

Ihr junges Alter und auch die Tatsache, dass – anders als bei typischen Sterbehilfe-Fällen – ein psychisches Leiden nach schwerem Trauma eine zentrale Rolle spielte, lösten in Spanien scharfe Kritik unter anderem von konservativen Politikern, Medien und der katholischen Kirche aus.

«Ich bereue es nicht.»
Noelia Castillo

«Ich kann nicht mehr mit all dem, was mich in meinem Kopf quält, was ich erlebt habe», hatte Castillo am Mittwoch in einem Interview des Fernsehsenders «Antena 3» gesagt. Sie wolle «endlich gehen, aufhören zu leiden» und sich «endlich ausruhen», sagte sie mit leiser, aber fester, sicherer Stimme. Ärzte hätten ihr gesagt, sie werde vielleicht irgendwann wieder laufen können – sie habe sich jedoch dagegen entschieden. «Und ich bereue es nicht.»

Wenige Stunden vor dem Vollzug hatte die Spanische Bischofskonferenz (CEE) bedauert, dass «in Spanien der Tod als Lösung für Leid dargestellt wird». Auf der Plattform X sprach die Bischofskonferenz von einer «Wohlstandsgesellschaft», die «unfähig ist, zu pflegen und zu lieben».

Als «absolutes Drama» bezeichnete die sichtlich bewegte Sprecherin der konservativen Volkspartei PP von Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo, Ester Muñoz, vor Journalisten den Fall. Der Staat habe versagt. Der Fall müsse die Gesellschaft dazu bringen, viele Dinge zu überdenken, forderte sie.

Protest vor dem Krankenhaus

Vor dem Vollzug der Sterbehilfe versammelten sich neben Journalisten und Kamerateams auch Dutzende Menschen zu einer Protestkundgebung vor dem Spital. Sie beteten, sangen und riefen: «Noelia, Du bist nicht allein», «Wir lieben Dich», «Kämpfe weiter» und «Es gibt andere Auswege».

Medien berichteten, vor ihrem Tod habe sich Noelia Castillo im Spital von ihren Eltern, ihrer Oma mütterlicherseits, ihren beiden Schwestern, von zwei Freundinnen und einer Nonne, die sie unterstützt habe, länger als geplant verabschiedet. Deshalb habe sich der Vollzug verzögert, hiess es.

A judge in Barcelona refuses for the third time to suspend the euthanasia of Noelia Castillo A group of people pray at the entrance of the hospital Sant Camil, on March 26, 2026, in Sant Pere de Ribes ...
Menschen versammelten sich vor dem Spital.Bild: www.imago-images.de

Aktive Sterbehilfe, eine Tötung auf Verlangen also, ist in Spanien für Erwachsene mit unheilbarem oder unerträglichem Leiden auf Betreiben der linken Regierung von Pedro Sánchez seit Juni 2021 erlaubt. Während Gegner vor ethischen Risiken insbesondere bei psychischen Leiden warnen, sehen Befürworter unter anderem in der linksgerichteten Regierung darin eine Bestätigung des Rechts auf Selbstbestimmung.

Der Vater kämpfte erfolglos gegen den Wunsch seiner Tochter

Nach der Legalisierung und bis Dezember 2024 – in einem Zeitraum von dreieinhalb Jahren – wurden in Spanien nach amtlichen Angaben 1123 von insgesamt 2432 Anträgen angenommen und vollzogen. Über drei Viertel der Antragsteller waren demnach älter als 60 und knapp 30 Prozent über 80 Jahre alt.

Dem Antrag von Noelia Castillo war von den zuständigen Behörden der Region Katalonien bereits im Sommer 2024 stattgegeben worden. Der Vater hatte mit Unterstützung des Verbandes Christlicher Anwälte versucht, die Durchführung zu verhindern. Doch alle Instanzen, darunter der Oberste Gerichtshof und das Verfassungsgericht in Spanien sowie zuletzt diese Woche auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR), wiesen seine Beschwerden zurück. (sda/dpa)

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11 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Even heroes get the blues
27.03.2026 17:17registriert September 2025
Also... Man könnte natürlich auch bedauern, dass einer jungen Frau so viel Leid zugefügt wurde, dass sie nur noch sterben will, aber das würde ja Empathie erfordern und vielleicht müsste man dann ja - der Horror! - etwas in der Gesellschaft verändern.
Stattdessen Menschen per Gesetz zwingen, am Leben zu bleiben. Top!
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Uhu-ciao
27.03.2026 17:08registriert August 2022
"hatte die Spanische Bischofskonferenz (CEE) bedauert, dass «in Spanien der Tod als Lösung für Leid dargestellt wird».

Hat die Spanische Bischofskonferenz die Hinrichtungen während der Franco-Diktatur auch bedauert?
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IZO
27.03.2026 17:16registriert März 2019
Lasst sie doch gehn.
Sicher ist es tragisch. Sicher ist es schwer zu fassen.
Aber keiner von uns muss durchmachen was sie durchmachte. Wir alle reagieren und verarbeiten unterschiedlich. Wenn es für sie nicht mehr ging dann war es halt so. Wer sind die menschen die einem anderen ihren willen aufzwingen wollen?
Für mich sind solche pro life typen keinen deut besser weder der vergewaltiger der sie so gebrochen hat. Wo wir beim, für mich, eigenentlichem thema sind. Vergewaltigung ist ein wirklich schlimmer eingriff in ein leben und sollte dementsprechend geahndet werden.

R. I. P noelia 🕊✌️
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