Warum??? Das sind die 5 ESC-Favoriten. Und das machen sie mit mir :-( :-(
Topfavorit Finnland
Da ich genau weiss, dass mein Vater auch diesen Artikel wieder lesen wird, ganz egal, ob mir das ein bisschen peinlich ist oder nicht, sag ich, wie's ist: Wäre Linda Lampenius ein Mann, ein paar Jahrzehnte jünger und schon in den 1960er-Jahren aufgetreten, dann könnte sie möglicherweise mein Vater sein. Der hat als blutjunger Teufelsgeiger nämlich ähnlich abgeliefert wie Lampenius heute, jedenfalls ist mir das so überliefert worden. Sensationell, was die Frau, die einst als beste klassische Geigerin von Finnland berühmt wurde, da macht. Zu ihrem Aussehen sage ich nur: 1989 hatte sie unter dem Pseudonym Linda Brava eine Gastrolle in «Baywatch». Schade, dass Pete Parkkonen sie mit seinem Gesang ständig unterbricht. «Liekinheitin» heisst übrigens «Flammenwerfer», klar, dass damit Lampenius gemeint ist.
Gewinnchance, Stand 11. Mai: 38 Prozent.
Linda Lampenius & Pete Parkkonen mit «Liekinheitin»
Griechenland
Rein gar nichts läuft zwischen mir und Griechenland. Akylas will halt ums Verrecken sehr reich werden und wählt dazu einen Sound, der klingt, als müssten sich ein paar Spielautomaten gegenseitig für TikTok beim Geld-Erbrechen filmen. Aber da heuer in Sachen hirnverbrannte Spassnummern zu wenig läuft, werden Griechenland grosse Chancen prognostiziert.
Gewinnchance: 13 Prozent.
Akylas mit «Ferto»
Dänemark
Ein seltsam unebener Song, dessen Sog immer wieder grob unterbrochen wird, ein bisschen so, als würde man Kieselsteine unter einen geschmeidigen Kartoffelstock mischen. Wozu? Inhalt: Eine Clubnacht, hach, sie ist so toll oder doch nicht, und da ist ein geheimnisvoller Mensch, den man gerne abschleppen möchte oder doch nicht, Jungsein ist kompliziert. Wer kennt es nicht? Musicaldarsteller Søren Torpegaard Lund stellt dies mit fragilem Depressions-Make-up ganz überzeugend dar.
Gewinnchance: 10 Prozent.
Søren Torpegaard Lund mit «Før vi går hjem»
Frankreich
Frankreich hat wirklich schöne Traditionen, etwa la cuisine und la chanson. An beidem wird mit viel Eifer und enorm liebevoll herumexperimentiert, man bleibt sich treu und geht doch vorwärts. Und schickt immer wieder unverkennbar Französisches an den ESC, etwas Pathetisches, Melodiöses, Elegantes, Charmantes eben. Ein bisschen Kitsch, ein bisschen Klischee – und sehr viel Kunst. Und könnte Frankreich für seine eigenen Interpretinnen und Interpreten abstimmen, so fände der ESC ziemlich sicher immer in Frankreich statt. So verliebt sind sie dort in den diesjährigen Beitrag «Regarde!» der gebürtigen Mormonin Monroe (ja, sie kommt original aus Salt Lake City), dass vor wenigen Tagen ein Flashmob in Paris veranstaltet wurde. Herzig. Ach, Paris, wie freue ich mich schon wieder auf deine unvergleichlich feinen Beizen!
Gewinnchance: 7 Prozent.
Monroes Flashmob in Paris
Australien
Nein! Nein, nein, nein! Mein ewig liebster Popsong ist «Total Eclipse of the Heart» von Bonnie Tyler! Dazu habe ich als Teenie den Spagat geübt. Das war der bombastische Soundtrack meines ersten riesengrossen Liebeskummers. Every now and then I fall apart … Und jetzt kommt da so eine dahergelaufene, viel zu gut gelaunte Australierin und singt einfach so «Eclipse»! Während Bonnie Tyler nach einem Herzstillstand im künstlichen Koma liegt! Geht gar nicht. Wird aber trotzdem auch nach dem ESC gut laufen. Aber niemals so gut wie Bonnie Tyler, der wir an dieser Stelle beste Besserung schicken.
Gewinnchance: 6 Prozent.
