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bild: marin valentin wolf

Tanzende Stöcke und fliegende Hände

Mit nur einem Schlag seines Schlagstockes zieht Schlagzeuger Billy Cobham das ganze Pflegidach Muri in seinen Bann. Niemand ist sicher von seinen schlagsicheren Tönen, weder Gast noch Mitarbeiter.
10.05.2021, 10:10
Josefine Frias Serrano

Die Musik endet mit dem Ausklingen des Beckens. Billy Cobham senkt den Kopf langsam und schliesst die Augen. Im Raum herrscht eine erwartungsvolle Stille. Folgt noch ein Stück oder ist es zu Ende? Soll man nun klatschen oder unterbricht man dann eine gewollte Pause? Die Spannung ist beinahe nicht aushaltbar.

Hinweis
Die Autorin ist Schülerin an der Kanti Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Nach einigen Sekunden ertönen einzelne, zögernde Klatscher, die sich rasant in einen tobenden Beifall entwickeln. Der Schlagzeuger öffnet die Augen und strahlt das Publikum mit einem breiten Lächeln an. In einem mit 50 Leuten gefüllten Raum komplette Stille zu erreichen ist sehr unwahrscheinlich und doch brachte es Cobham für lange fünfzehn Sekunden hin. Und das nicht einmal gewollt.

Mit geschlossenen Augen

Billy Cobham, eigentlich William Emanuel Cobham Jr., wurde am 16. Mai 1944 in Panama geboren. Nach schon drei Jahren zog seine Familie in die USA, wo er dann lebte, bis er 1970 in die Schweiz kam. Der 76-jährige ist einer der bedeutendsten Schlagzeuger der Welt und das nicht nur durch seine hervorragende Technik, wie der «Doublebassdrum», oder seiner Mitgründung des Mahavishnu Orchestras. Die Infusion von Jazz und Rock ist was Billy Cobham zu Billy Cobham macht.

Billy Cobham - «Interlude One» @ musig im pflegidach Muri

Während dem Konzert zeigt Billy Cobham auch seine Vielfältigkeit. Die einzelnen Stücke des Konzertes spielt Cobham mit geschlossenen Augen. Es scheint, als befände er sich in seiner eigenen Welt der Musik. Nur ab und zu blickt er auf seine Hände und kontrolliert ihre Bewegungen. Die Stücke variieren von Schlagzeugsolos zu ganzen Liedern, die aus einer Aufnahme Cobhams Band in London und seinem live auftritt, bestehen. Auch ändert sich die Spielweise des Schlagzeugspielers. Mit zwei Stöcke, vier Stöcken oder mit den Händen, aus dem Takt fällt Cobham nie. Auch wenn der Stock ihm aus der Hand fällt, Billy Cobham ist nicht aus der Ruhe zu bringen.

Musik of the mind

Ausserordentlich, genial, Eintauchend und dankbar. So beschreiben einige Zuschauer das Konzert am Sonntagabend. Die Erwartungen wurden weit übertroffen und die Kraft, die der 76-jähriger am Abend mitbrachte, war gleichermassen überraschend und inspirierend.

«It was a very, very exhilariting expierience» (Es war eine sehr aufregende Erfahrung), so sagte Billy Cobham nach dem Konzert in einem Interview. Nach einer kleinen Pause, denn Cobham besitzt nun seit kurzem eine neue Hüfte, war die Vorfreude auf diesen Live-Auftritt gross. «This is the time I relax» (Das ist die Zeit, in der ich entspanne), so der Schlagzeuger. Denn wenn er auf der Bühne sitzt, mit Schlagstöcken in Hand und Trommeln vor ihm, dann könne er seinen Geist sprechen lassen und seinen Verstand entspannen.

Schnaps und Musik

Für die Zukunft hat Billy Cobham einen einfachen Wunsch: Ein sehr erfolgreiches, faules Leben zu führen mit viel Musik und ein bisschen Schnaps. Musik war schon immer ein Teil von seinem Leben und es wird auch hoffentlich noch lange so bleiben. Denn selbst wenn man Fehler macht und einem Stöcke aus der Hand fliegen. «The things we do will not always be perfect, but they will be us.» (Die Sachen, die wir machen werden, nicht immer perfekt sein, aber sie werden uns sein.). Und solange Cobhams Musik seine eigene bleibt, so lange wird er weiterspielen und lernen.

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Billy Cobham @ «Musig im Pflegidach», Muri

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Billy Cobham @ «Musig im Pflegidach», Muri
quelle: marin valentin wolf
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Eine Band, die sich in Muri alles traut
Wenn man durch die Plakate der Vergangenheit des Pflegidachs schaut, so sieht man, dass die Band Butcher Brown schon früher in Muri aufgetreten ist. Nun trat Butcher Brown am 23. Oktober in Muri wieder auf und faszinierte das Publikum bis zum Schluss.

Das Schlagzeug spielt und auf einmal beginnt der Bass zu erklingen. Das Saxofon, das Klavier und die E-Gitarre sind ruhig. Man hört nur noch das Schlagzeug und den Bass. Der Bass beginnt mit seinem Solo. Ab und zu hört man noch einen Akkord vom Piano oder der E-Gitarre. Gebannt hört das Publikum dem Bassisten Andrew Randazzo zu. Selbst seine Bandkollegen sind erstaunt, was ihr Bandkollege wieder für ein Solo spielt. Begleitet wird er dabei von Corey Fonville (Schlagzeug).

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