Musig im Pflegidach

Max Light @ Musig im Pflegidach, Muri

Max Light @ Musig im Pflegidach, Muri

Kalter Pumpkin Pie, heisser Jazz

Es beginnt unspektakulär. Kein dramatischer Auftakt, kein grelles Licht. Vier Musiker betreten die Bühne, fast beiläufig, fast schüchtern. Ein kurzer Blick ins Publikum, ein Lächeln, und dann Stille. In dieser Stille liegt bereits etwas in der Luft, etwas Erwartungsvolles, Unausgesprochenes.
10.05.2026, 08:2412.05.2026, 09:15
laurin schöb & katharina wolfisberg

Dann setzt die Musik ein. Ein sanftes Schlagzeug, kaum mehr als ein Atmen. Die Gitarre von Max Light tastet sich vorsichtig vor, als würde sie den Raum erst fühlen wollen. Töne stehen im Raum, lösen sich auf und finden sich neu. Es ist kein Einstieg, der beeindrucken will, sondern einer, der einlädt. Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass man dieses Konzert nicht einfach konsumiert, sondern hineingezogen wird.

Ein Raum, der zuhört

Im Publikum herrscht eine fast greifbare Konzentration. Niemand spricht, kaum jemand bewegt sich. Die Musik fordert Aufmerksamkeit und bekommt sie. Jeder Ton scheint Bedeutung zu tragen, jede Pause genauso.

Julian Shore am Klavier, Walter Stinson am Kontrabass und Steven Kramer am Schlagzeug wirken nicht wie Begleiter, sondern wie gleichwertige Erzähler. Immer wieder tauschen sie Blicke aus, nicken sich zu und reagieren auf kleinste Impulse. Es ist ein Zusammenspiel, das nicht einstudiert wirkt, sondern gelebt. Als das erste Stück endet, löst sich die Spannung in Applaus auf, warm, ehrlich und fast erleichtert.

Hinweis
Die Autoren sind Schüler an der Kantonsschule Wohlen. Im Rahmen ihres Deutschunterrichts verfassen die Schülerinnen und Schüler auch Konzertberichte, die in die Note einfliessen.

Zwischen Humor und Komplexität

Max Light spricht zum ersten Mal, stellt seine Band vor, bedankt sich und wirkt dabei offen und sympathisch. Dann erzählt er von einem Stück über vergessene Passwörter. Das Publikum lacht. „Authentication Two-Step“, ein Titel, der in seiner Alltäglichkeit fast absurd wirkt, wird musikalisch zu etwas ganz anderem. Das Stück ist hektisch, verspielt und energiegeladen. Klavier und Schlagzeug treiben es voran, die Rhythmen verschieben sich, brechen aus und finden wieder zusammen. Genau dieser Kontrast trägt den Abend. Die Musik ist komplex, wirkt aber nie verkopft, sie bleibt anspruchsvoll, ohne distanziert zu sein.

Max Light - "Paul" @ musig im pflegidach, Muri

Musik als Experiment

Mit „Unlearning“ wird es ruhiger. Der Einstieg ist sanft und fast zögerlich. Die Gitarre beginnt allein, tastend und suchend, bevor die Band vorsichtig einsetzt, als würde sie gemeinsam unbekanntes Terrain betreten. Man spürt, was Light später selbst beschreibt, nämlich Vertrauen. Die Musiker riskieren etwas, lassen Raum, lassen Unsicherheiten zu und spielen mit Erwartungen. Das Stück wächst, verdichtet sich und fällt am Ende wieder in sich zusammen, leise und beinahe fragil. Es ist Musik, die nicht perfekt sein will, sondern ehrlich.

Ein Lächeln namens „Pumpkin Pie“

Dann wechselt die Stimmung. Max Light erzählt von seiner Liebe zu Pumpkin Pie, am liebsten kalt, am Tag danach. Wieder ein Lachen im Publikum, wieder diese Leichtigkeit. Genau so klingt auch das Stück. „Pumpkin Pie“ ist warm, verspielt und fast nostalgisch. Während die Band spielt, beginnen einige im Publikum im Takt mitzunicken, manche klatschen sogar schon während der Musik. In diesem Moment verschwindet die Distanz zwischen Bühne und Publikum. Es geht nicht mehr nur um Musik, sondern um eine gemeinsame Erfahrung.

Zwischen Kontrolle und Chaos

Mit „Talking to You“ und später „Chaotic Neutral“ erreicht das Konzert einen neuen Höhepunkt. Das Schlagzeug treibt, das Klavier wirbelt, die Gitarre setzt Akzente, zieht sich zurück und greift wieder ein. Max Light spielt oft mit geschlossenen Augen, als würde er sich ganz auf das Hören konzentrieren. Manchmal hält er inne, lässt die anderen spielen und hört zu. Genau daraus entsteht Spannung. Es sind Momente, in denen scheinbar wenig passiert und doch alles in Bewegung ist. Das Publikum folgt gebannt. Einige beginnen erneut zu früh zu klatschen, nicht aus Unruhe, sondern aus Begeisterung, weil die Musik so intensiv ist, dass sie sich kaum zurückhalten lässt.

Ein Ende, das keines ist

Mit „Caregiving“ kündigt Light das vermeintlich letzte Stück an. Die Stimmung wird noch einmal dichter und fast nachdenklich, als würde sich der Abend langsam zusammenziehen. Der Applaus danach ist lang und herzlich, die Band verbeugt sich und verlässt die Bühne, doch das war es noch nicht. Sie kommen zurück.

    Vals: ein Echo der Stille

    Für die Zugabe erzählt Max Light von Vals, von Thermalbädern, von Stein und Ruhe. „Vals Quartzite“ ist ruhig, fliessend und fast meditativ. Die Musik wirkt wie Wasser, das über Stein gleitet, und plötzlich scheint Zeit keine Rolle mehr zu spielen. Es ist kein grosses Finale und kein klassischer Höhepunkt, sondern ein ruhiger, stimmiger Ausklang.

    Der Moment nach dem letzten Ton

    Nach dem letzten Ton bleibt es kurz still, bevor der Applaus einsetzt, länger als zuvor und intensiver. Doch das eigentlich Besondere passiert danach. Max Light geht ins Publikum, spricht mit den Menschen, lacht und bedankt sich. Die Grenze zwischen Künstler und Zuhörer löst sich endgültig auf. Man geht nicht einfach nach Hause, sondern nimmt etwas mit, vielleicht das Gefühl, dass Musik mehr sein kann als Unterhaltung, dass sie Raum schafft für Gedanken, Emotionen und Begegnung, und während man hinaus in die Nacht tritt, bleibt genau dieses Gefühl bestehen wie ein guter Pumpkin Pie am nächsten Tag.

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    quelle: patrick britschgi
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